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Die Barendorfer Feuerwehrleute nutzen bei der Übung unter anderem auch C-Rohre. Foto: Feuerwehr

Ziemlich gut gerüstet

Barendorf. Wenig Niederschläge im Winter und Frühling, dann lange heiße und trockene Phasen im Sommer: Das sind die Zutaten für eine Katastrophe. Denn die Vegetation ist extrem trocken. Ein Funke reicht aus, um große Wald- und Flächenbrände entstehen zu lassen.

Immer häufiger erreicht der Landkreis Lüneburg die höchste Waldbrandstufe beziehungsweise den höchsten Grasland-Feuer-index. Ein Grund mehr für die Ortsfeuerwehr Barendorf, verschiedene Einsatzszenarien zu üben. Das größte Problem bei Waldbränden ist die mangelnde Wasserversorgung, hier gilt es den Verbrauch zu senken und die Versorgung sicherzustellen.

Übung von Einsatzszenarien

Eine Möglichkeit, den Wasserverbrauch zu senken, ist der Einsatz von kleineren Schläuchen (D-Schläuche) bei gleich guter Löschwirkung. Die permanente Versorgung der Löschtrupps mit Wasser wird durch einen sogenannten „Pendelverkehr“ gesichert. Das bedeutet mehrere Tanklöschfahrzeuge versorgen nacheinander die Einsatzstelle mit Wasser, sagte Andreas Bahr, Gemeindepressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Ostheide.

Dazu ist es wichtig, dass die Wasserversorgung bei der Einsatztruppe nicht abreißt, das könnte für die Einsatzkräfte lebensgefährlich werden. Dazu übten die Feuerwehrkräfte der Feuerwehr Barendorf den Einsatz eines Waldbrandverteilers. An diesem können unterbrechungsfrei die Tanklöschfahrzeuge abwechselnd ihr Wasser an die Einsatzstelle liefern. Die Feuerwehr Barendorf ist eine Ortsfeuerwehr mit Sonderaufgaben. Diese Sonderaufgabe ist die Waldbrandbekämpfung mittels eines geländegängigen Tanklöschfahrzeuges mit Allradantrieb und 2400 Liter Wasser an Bord.

Ein spezielles Löschgel

Zusätzlich zum vorhandenen Wasser verfügt das Fahrzeug über ein spezielles Löschgel mit der Bezeichnung „Firesorb“. Das Besondere an diesem Löschgel ist die enorme Haftkraft und die extreme Speicherung (und damit Kühlung) von Wasser.

Anders als bei der Kühlung mit Wasser – hier muss das zu kühlende Objekt permanent mit Wasser abgekühlt werden – wird ein Objekt durch einmaliges „Eingelen“ für längere Zeit vor der Hitzeeinwirkung geschützt. Somit kann zum Beispiel ein Übergreifen auf gefährdete Bereiche verhindert werden.

Insgesamt 60 Liter „Firesorb“ hat das Fahrzeug an Bord. Da eine einprozentige Mischung verwendet wird, ergibt diese Menge rund 6000 Liter Löschflüssigkeit, betont Bahr.

Rucksäcke auf der Wunschliste

Auf die Frage, ob die Feuerwehr Barendorf angesichts enorm gestiegenden Gefahr von Wald- und Flächenbränden gut genug ausgerüstet ist, antwortet Bahr mit einem klaren Ja: „Wir haben die zusätzliche Ausrüstung zur Waldbrandbekämpfung im vergangenen Jahr erhalten.“ Für das nächste Jahr gibt es aber noch Wünsche: „Wir haben die Anschaffung von zwei speziellen Waldbrand-Rucksäcken beantragt“, sagt Bahr. Diese fassen 20 Liter Löschflüssigkeit. „Man muss sie ja auch noch tragen können“. Entscheidend sei oft nicht wie großflächig ein Einsatz sei, sondern ob die richtigen Mittel zur richtigen Zeit angewendet werden.

Dafür sieht Bahr die Feuerwehrkräfte gut gerüstet.

Von Werner Kolbe

Zur Sache

Starke Haftfähigkeit

Firesorb ist ein Löschmitteladditiv für die Brandklasse A. Es verwandelt Wasser in ein haftfähiges und hitzeabsorbierendes Gel. Die flüssige Polymerzubereitung nimmt dabei ein Vielfaches ihres Gewichts an Wasser auf. Anders als bei Löschschaum enthält das Gel keine Luftbläschen, sondern besteht aus gleichmäßig verdicktem Wasser. Dies unterscheidet Firesorb auch von anderen Gelbildnern, die ein Gel mit deutlich erkennbaren gequollenen Teilchen ergeben.

Die mit Wasser gefüllten winzigen Gelbläschen haften auch an glatten und senkrechten Flächen und entfalten dort ihre volle Kühlwirkung durch langsamere Verdampfung des Wassers. So wird die Lösch- und Kühlwirkung von Wasser deutlich gesteigert.