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Für den LZ-Fototermin sind Alicia Wisotzky (l.) und Simona Behr noch einmal an die Abfahrt Deutsch Evern zurückgekehrt und finden wenige Tage nach ihrer Aktion schon wieder Müll. Foto: kre

Einsatz für die Umwelt

Deutsch Evern. Für den Erhalt der Umwelt gehen Alicia Wisotzky und Simona Behr auf die Straße: Aber nicht mit Megafon und Transparenten, wie so viele junge Menschen in diesen Tagen und Wochen –sondern ausgerüstet mit Greifzangen, Handschuhen und Müllbeuteln. Denn den beiden jungen Frauen ist der Müll in den Straßengräben schon lange ein Dorn im Auge – und besonders an der Abfahrt der Ostumgehung nach Deutsch Evern.

Spontan entschlossen sich die beiden deshalb in ihrer Freizeit zu einer „Putzaktion“. Und sie staunten nicht schlecht, was sie alles aus dem Grün links und rechts der Straße herausfischten – vor allem Fastfood-Verpackungen, leere Zigarettenschachteln, Kippen, Bierflaschen, Cola-Dosen, Salatpackungen. Also praktisch alles, was während der Fahrt aus dem Seitenfenster geworfen werden kann. Hauptsache das Auto – des Deutschen liebstes Spielzeug – ist vom Unrat befreit. Was der rücksichtslos weggeworfene Wohlstandsmüll in der Umwelt bewirkt, scheint die Müllsünder wenig bis gar nicht zu interessieren.

Weggeworfene Kippen sind eine Umweltbombe

Dabei sind die gerade die weggeschnippten Kippen eine echte Umweltbombe – abgesehen davon, dass sie bei trockenem Wetter schnell Brände auslösen können: Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden bis zu zwei Drittel der gerauchten Zigaretten auf den Boden geworfen. Pro Jahr verschmutzen demnach zwischen 340 und 680 Millionen Kilogramm weggeworfene Zigarettenkippen unseren Planeten.

Die Filter bestehen aus dem Kunststoff Celluloseacetat und es kann je nach äußerem Umfeld bis zu 15 Jahre dauern, bis sie sich zersetzen. In Zigarettenstummeln sammeln sich jede Menge giftige Substanzen wie beispielsweise Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Und nicht zu vergessen: Nikotin. Es ist laut Gefahrenstoffrecht mit langfristiger Wirkung auch giftig für Wasserorganismen. Nach und nach werden alle diese giftigen Stoffe in die Umwelt abgegeben.

Dass vor allem aber auch besonders viele leere Fastfood-Verpackungen im Kurvenbereich liegen, ärgert die beiden jeweils 21-Jährigen Umweltschützerinnen. Zumal viele dieser Verpackungen alles andere als leicht verrottbar gelten: So haben Wissenschaftler der University of Notre Dame im US-amerikanischen Indiana bei Untersuchungen von Fastfood-Verpackungen herausgefunden, dass knapp die Hälfte der Papier- und 20 Prozent der Pappverpackungen Per- und Polyfluoralkylverbindungen enthalten. Giftige Substanzen, die beim Verrotten auch an die Umwelt abgegeben werden.

Gefahren auch für die Tierwelt

„Den Abfall kann man sehr gut zu Hause entsorgen, den muss man nicht in die Natur werfen“, kritisiert denn auch Alicia Wisotzky und ihre Freundin Simona Behr weist auf die Gefahr gerade auch für Wild- und Haustiere durch diese Unart hin: „Ich habe selbst einen Hund, der sofort alles alles frisst, wenn ich nicht aufpasse, erklärt die gelernte Außenhandelskauffrau aus Wendisch Evern: Selbst achtlos weggeworfene Bananenschalen seien für ihren Vierbeiner ein vermeintlicher Leckerbissen – an dem er fast schon erstickt sei. „Da konnte ich die Schale gerade noch aus dem Maul ziehen.“ Wildtiere, die ebenfalls über die Essensreste hermachen, haben womöglich nicht soviel Glück.

Insgesamt drei volle Tüten haben die gelernte Mediengestalterin Alica Wisotzky und ihre Mitstreiterin am Ende eingesammelt – die Umwelt an der Abfahrt Deutsch Evern von Unrat befreit: „Ein gutes Gefühl“, sagen die beiden, die in ihrem täglichen Leben und ihrem persönlichen Umfeld selbst darauf achten, so wenig Abfall wie möglich zu produzieren.

Und die spontane Aktion an der Abfahrt Deutsch Evern soll erst der Anfang für die beiden Freundinnen sein. Denn gedankenlos weggeworfener Müll findet sich überall in der Landschaft: Demnächst wollen die beiden Ihre Aktion deshalb entlang des Elbe-Seitenkanals und am Inselsee durchführen. Als ihr ganz persönlicher Beitrag zum Umweltschutz.

Von Klaus Reschke