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Inge Prestele, die Vorsitzende des Vereins in Gründung „Stadttauben Lüneburg“, beim Taubenfüttern am Treidelweg. Als „Erkennungszeichen“ für die Tauben trägt sie eine gelbe Weste, hat einen gelben Fahrradanhänger und eine gelbe Futtersäule dabei. Foto: Franziska Ruf

Neues Zuhause für Stadttauben

Lüneburg. Wenn Inge Prestele mit ihrer gelben Weste und dem gelben Fahrradanhänger am Stint ankommt, wissen die Stadttauben schon, was los ist: Es gibt Futter. Prestele hält immer ein Stückchen weiter entfernt von den Tauben. Ihr Ziel: Die Vögel zu einem neuen Taubenschlag außerhalb der Innenstadt zu locken.

Die Aktion ist ein Projekt des Vereins in Gründung „Stadttauben Lüneburg“, Prestele ist erste Vorsitzende. Mit gezielter Fütterung und Taubenschlägen will die Gruppe die Vögel von der Straße holen – zum Wohl der Tiere und der Menschen. Denn das Problem ist bekannt: Wo es Futter in der Stadt zu holen gibt, sind Tauben. Besonders viele tummeln sich am Stint, am Marktplatz und um die St.-Johannis-Kirche.

Schätzungsweise tausend Stadttauben leben in Lüneburg. Und sie vermehren sich: Sechs bis acht Mal brüten die Tiere pro Jahr. Einige Menschen stören sich an den Hinterlassenschaften der Tauben. Das größte Problem für Prestele ist Folgendes: „Die Tiere haben nicht genug Futter.“ Darum picken sie am Boden nach Essensresten – doch statt Gyros oder Pommes bräuchten die Tauben 40 bis 50 Gramm Körner am Tag, um gesund zu bleiben.

Ein Taubenschlag kostet bis zu 14.000 Euro

Aus Hannover und Hamburg kennt Prestele eine Folge des langen Umherlaufens der Tiere: „Viele Tauben humpeln, weil sie kaputte Füße haben.“ Grund ist, dass sich Haare und Fäden, die auf dem Boden liegen, an ihren schuppigen Füßen verfangen. Die Tauben bekommen sie selbst nicht mehr los, darum ziehen sich die Fäden fest und schnüren ihnen die Zehen ab.

In Lüneburg aber seien die meisten Stadttauben noch auf gesunden Füßen unterwegs – das solle auch so bleiben. Die Lösung des sich gründenden Vereins für Stadttauben lautet: Taubenschläge mit kontrollierter Fütterung errichten, abseits der normalen Touristen-Hotspots.

Der Trick dabei: Wenn die Tauben zu brüten beginnen, tauscht ein Mitarbeiter ihre Eier durch Gipseier aus. Geburtenkontrolle für Tauben also. „Das ist eine super Chance, die Population in den Griff zu kriegen“, sagt Prestele.
Bekannt ist das Konzept unter dem Namen „Augsburger Modell“, denn die Stadt war Vorreiter darin. Mittlerweile wurde es unter anderem auch in Hamburg umgesetzt. Dort gibt es einen Schlag im Hauptbahnhof, wo im Monat rund hundert Eier ausgetauscht werden.

Jährlich 5200 Euro Zusatzkosten

Insgesamt fünf Taubenschläge für je zweihundert Tauben will der Verein in Gründung in Lüneburg errichten, davon zwei an der Stadtmauer, zwei an der Bezirksregierung und einen an der Oberschule am Wasserturm. Gebaut werden sie aus Überseecontainern. Die Kosten belaufen sich pro Schlag auf 12.000 bis 14.000 Euro, schätzt Prestele, hinzu kommen jährlich 5200 Euro Zusatzkosten für Futter, Streu, Tierarzt sowie Personal zur Fütterung und Pflege des Schlags.

Finanziert werden soll das Projekt durch die Stadt. Bisher gibt es noch keine Schläge, Mitglieder der „Stadttauben Lüneburg“ wie Inge Prestele locken die Tauben durch Fütterung aus der Innenstadt.

Schritt für Schritt geht es für die Tiere in die Richtung der zukünftigen Schläge – bei einem Großteil der Tauben ist das Ziel bereits erreicht. „Ich merke schon, dass bereits weniger Tauben in der Innenstadt herumlaufen und nach Essen suchen“, sagt Prestele. Sie rechnet damit, dass der erste Schlag noch in diesem Jahr gebaut wird.

Von Franziska Ruf

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Der missverstandene Vogel

Legenden und Mythen: Einige Menschen ärgern sich über die Hinterlassenschaften der Tauben, manche haben Angst vor Krankheitsübertragungen. Prestele will aufklären.

Das erste Gerücht: „Taubenkot macht Gebäude kaputt.“ Prestele verweist auf eine Studie der Universität Darmstadt, die die Folgen von Taubenkot auf verschiedene Baustoffe unter Langzeiteinwirkung bestimmt hat. Heraus kam Folgendes: Bei gängigen Baustoffen wie Sandstein, Granit, Zementmörtel und Nadelholz verursachte der Kot keine Schäden. Bei Blechen hingegen kam es zu Veränderungen wie Korrosion.

Der zweite Mythos: „Tauben übertragen Krankheiten.“ Prestele winkt ab: „Tauben können keine tödlichen Krankheiten übertragen, die sind genauso harmlos wie Hunde und Katzen.“ Rentokil, der Marktführer in Schädlingsbekämpfung, hatte in der Vergangenheit auf seiner Website vor der Übertragung teils tödlich verlaufender Krankheiten gewarnt. Nach einem Prozess vor dem Landgericht Osnabrück und dem Oberlandesgericht Oldenburg musste das Unternehmen seine Website entschärfen.