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Aljoscha Knoblich hat im Alten Brauhaus in Lüneburg seine Ausbildung gemacht. (Foto: Worldskills)

Künstler in der Küche

Lüneburg. Er ist noch lange nicht satt: Aljoscha Knoblich wurde im vergangenen Jahr zum besten Nachwuchs-Koch Deutschlands gekürt, nun will der Lüneburger Weltmeister werden. Am 22. August startet die Weltmeisterschaft der Berufe im russischen Kasan.

Die Delikatessen, die der 20-Jährige bei den „World Skills“ genannten Meisterschaften zaubern darf, stehen nach Angaben der Veranstalter zwar größtenteils schon fest. Allerdings werden die Aufgaben bis zum Start noch „zu einem Drittel“ abgeändert. Aljoscha Knoblich wird also flexibel sein müssen. Doch das spornt ihn an. „An meinem Beruf gefällt mir, dass mir keine Grenzen gesetzt sind und ich unglaublich viele Möglichkeiten habe, aus verschiedene Lebensmitteln jedes Mal einen anderen Geschmack zu entwerfen und aus einfachen Zutaten tolle Gerichte kreieren kann.“

„Er ist ein Goldjunge“

Diese Freude am Kochen entsteht schon früh: „Ich habe eigentlich schon immer daran Gefallen gehabt, für Menschen in meiner Umgebung zu kochen. Ich habe zum Beispiel früher schon immer gerne mit meiner Ur-Oma zusammen gekocht.“

Diese Freude zeigt sich auch während seiner Ausbildung im „Alten Brauhaus“ in Lüneburg. „Er ist im wahren Sinne ein Goldjunge, der seit Ausbildungsbeginn mit Leidenschaft und detailbesessen in seinem Beruf arbeitet“, sagt sein damaliger Chef Alexander Korte, nachdem Aljoscha Knoblich seinen ersten Titel geholt hat. Dabei sei er zunächst skeptisch gewesen, einen 16-Jährigen für den anspruchsvollen Job als Koch auszubilden. Doch es hat sich gelohnt. „Ab dem 2. Lehrjahr ist er regelrecht durch die Decke gegangen.“ Für Alexander Korte steht früh fest: „Er spielt mittlerweile in einer anderen Liga, deshalb muss er raus und in anderen Häusern kochen. Und vielleicht kommt er irgendwann wieder.“

Brauhaus-Team drückt die Daumen

Aljoscha Knoblich wechselte im Februar nach Hamburg, kocht seither im renommierten Landhaus Scherrer an der Elbchaussee. Doch die Verbindung nach Lüneburg wird bleiben. Seine Familie wohnt hier. Und natürlich auch seine ehemaligen Kollegen. „Wir alle drücken ihm die Daumen“, sagt Beatrix Korte. „Wir haben immer noch einen guten Kontakt zu ihm und sehen ihn regelmäßig.“ Erst in der vergangenen Woche sei er mit seiner Mutter da gewesen, sagt die Brauhaus-Chefin. Ein Weltmeister aus Lüneburg, das wäre doch was.

Aljoscha Knoblich trainiert seit Wochen hart für sein nächstes Ziel, will unbedingt Weltmeister werden. Im Leistungszentrum der Regionalmannschaft der Köche Niedersachsens in Hannover bereitet er sich vor. Doch Ehrgeiz ist nicht alles. „Ich bin auch auf viele neue Erfahrungen und eine tolle Zeit mit interessanten Menschen gespannt. Es macht Spaß, Leute zu sehen, die genau die gleiche Leidenschaft mitbringen wie man selbst. Auf Wettbewerben kann man sich unglaublich gut selbst beweisen, was in einem steckt“, sagt der Jungkoch im Interview mit dem Verein WorldSkills Germany. Er gehört zum 39-köpfigen WM-Kader–Fachkräfte aus Handwerk, Industrie sowie dem Dienstleistungsbereich – und alle nicht älter als 23 Jahre. Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills, fasst das Training so zusammen: „Erstens: Die Medaille zu gewinnen, ist Kopfsache. Zweitens: Der Erfolg gehört den Tüchtigen.“ Den Lohn für das harte Training will Aljoscha Knoblich in Russland abholen.

WorldSkills Kasan 2019

Mehr als 1300 Teilnehmer

Die Weltmeisterschaft der Berufe findet vom 22. bis 27. August 2019 im russischen Kasan statt. Das Team Germany umfasst rund 100 Personen. Darunter sind die 39 Teilnehmer, die in 34 Skills-Disziplinen antreten. Zur WM gemeldet sind mehr als 1350 junge Fachkräfte aus mehr als 60 Ländern in insgesamt 56 Disziplinen. Die Eröffnung der 45. WorldSkills-Wettbewerbe findet am 22. August in der „Kazan Arena“ statt. Hier werden am 27. August zur Siegerehrung auch die Medaillen vergeben. Das „Kazan Expo International Exhibition Centre“ (74,8 Hektar), Austragungsort des Wettbewerbs, wurde extra für die WorldSkills gebaut.

Die Teilnahme der deutschen Berufe-Nationalmannschaft an den WorldSkills Kasan 2019 wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. WorldSkills Germany fördert und unterstützt nationale und internationale Wettbewerbe nicht-akademischer Berufe und ist damit Botschafter für den Standort Deutschland – und damit für die duale Ausbildung, die in vielen Ländern bewundert wird.

Von Werner Kolbe