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Das Tragen der Schutzkleidung, wie bei Probenentnahmen im Sommer 2018, ist Pflicht. Foto: Reinhard Vorwerk

Was verbirgt sich in der Giftgrube?

Soltau/Munster. Mitte September beginnt der Landkreis Heidekreis mit der Öffnung des Dethlinger Teichs. Die Maßnahme soll Klarheit darüber schaffen, was sich tatsächlich in dem ehemaligen Kieselgurteich befindet, welche chemischen Kampfstoffe und Munitionsreste dort unter einer Betonschicht lagern, das berichtet die Böhme-Zeitung. Die Vorbereitungen laufen.

Der Teich, rund drei Kilometer südöstlich der Stadt Munster, inmitten eines Kiefernwaldes wurde vor Jahren zugeschüttet und birgt problematische Rüstungsaltlasten. In den Jahren 1942 bis 1952 sollen in der Grube nicht transportfähige chemische Kampfstoffe abgekippt worden sein – ein gefährliches Erbe der Luftwaffenmunitionsanstalt der Wehrmacht in Oerrel.

Zu den Vorsichtsmaßnahmen, die bei der Öffnung der Giftgrube getroffen werden müssen, gehört auch die medizinische Absicherung des Einsatzes vor Ort. Der Landkreis Heidekreis hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) beauftragt, die Arbeiten notfallmedizinisch zu begleiten. Gemeinsam mit Notärzten des Heidekreis-Klinikums Soltau solle die Sicherheit garantiert werden, sagt Volker Böhling. Während der Arbeit am Teich werde immer ein Team aus zwei Sanitätern mit einem Einsatzwagen vor Ort sein, sagt der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Soltau.

Sprengstoff und chemische Kampfstoffen

Um sich auf diesen ungewöhnlichen Einsatz vorzubereiten, haben die elf DRK-Rettungskräfte eine spezielle Ausbildung erhalten. Notfall- und Rettungssanitäter sowie Rettungsassistenten wurden von Mitarbeitern des wehrwissenschaftlichen Instituts (WIS) Munster und des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr in München geschult. Mit dabei war Notfallsanitäter und Ausbildungsleiter Armin Hengstwerth von der DRK-Wache in Soltau.

Brisant sei bei dem bevorstehenden Einsatz vor allem die unvorhersehbare Ansammlung im Dethlinger Teich: die Kombination aus Sprengstoff und chemischen Kampfstoffen. Es müsse mit Haut-, Lungen- und Nervenkampfstoffen gerechnet werden, sagt Hengstwerth. Geübt wurde im Vorfeld auch, wie die verschiedenen Schutzanzüge genutzt werden. eh/lz