Aktuell
Home | Lokales | Drum prüfe, wer sich ewig bindet
Ein Nahverkehrszug der Metronom-Eisenbahngesellschaft passiert in Richtung Lüneburg den Bahnhof Bardowick, auf der Gegenseite fährt ein Güterzug in Richtung Hamburg. In der Zukunft könnte ein zusätzlicher Überholbahnhof den Verkehr entzerren. (Foto: dth)

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Lüneburg/Hannover. Länger als bisher angenommen sind die Gutachter damit beschäftigt, die verschiedenen Varianten für einen Schienenausbau in der Lüneburger Region zu überprüfen.

Es geht um die Anbindung der norddeutschen Seehäfen an das Hinterland, damit der zunehmende Güterverkehr auf der Schiene besser abgewickelt weren kann. Aber auch die Ertüchtigung für den Personenverkehr spielt eine wichtige Rolle. Im Fokus des Eisenbahngroßprojekts „Hamburg/Bremen-Hannover“ beziehungsweise „optimiertes Alpha-E + Bremen“ steht unter anderem der umstrittene dreigleisige Ausbau zwischen Lüneburg und Uelzen. Dabei werden drei Varianten überprüft, mal mit Ausbau an der Bestandsstrecke durch Lüneburg, mal mit und mal ohne die geforderte Geschwindigkeitserhöhung für den Fernverkehr sowie eine Variante mit Ortsumfahrungen.

„Gläserne Werkstatt“

Zuletzt hatten sich Vertreter von Kommunen, Bürgerinitiativen, Bahn und Behörden im Mai in Hannover bei der sogenannten „Gläsernen Werkstatt“ über die jüngste Variante ausgetauscht. Die „Gläserne Werkstatt“ soll angeblich für mehr Transparenz sorgen, allerdings unter Ausschluss der Presse. Jedenfalls sagt Armin Skierlo, Sprecher Großprojekte bei der Deutschen Bahn, auf LZ-Nachfrage: „Die Prüfung der Varianten nimmt mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich gedacht, da in den Terminen der Gläsernen Werkstatt viele Detailfragen der Teilnehmenden von den Fachleuten fundiert und ausführlich beantwortet werden und auch immer wieder viele Hinweise zur Optimierung der Varianten eingehen. Erste belastbare Aussagen zu den Alternativen sind daher voraussichtlich nicht vor dem Herbst dieses Jahres zu erwarten.“

Überholungs- und Kreuzungsmöglichkeit für Güterzüge

Bei der ersten Variante haben die Gutachter des Ingenieurbüros „Schüßler Plan“ den dreigleisigen Ausbau zwischen Lüneburg und Uelzen betrachtet, und zwar ohne die Geschwindigkeitserhöhung, die für den Fernverkehr zwischen Hamburg und Hannover einen Zeitgewinn von elf Minuten bringen würde. In diesem ersten Szenario würde ein zusätzliches drittes Gleis über die Westseite des Lüneburger Bahnhofs durchgelegt. Bei Deutsch Evern würde das dritte Gleis ebenfalls zunächst auf der Westseite des Bestands entlang geführt mit einer Verschwenkung auf die Ostseite südlich der Ortschaft. Zudem ist von einer Überholungs- und Kreuzungsmöglichkeit für Güterzüge außerhalb der Ortschaft die Rede. Auch südlich Bienenbüttels könnte ein Überholungsbahnhof eingerichtet werden.

Maximalgeschwindigkeiten von 230 anstatt 200 km/h

Bei der zweiten Variante, inklusive Zeitvorteil, müssten auf weiten Teilen der Strecke Maximalgeschwindigkeiten von 230 anstatt 200 km/h erreicht werden. Dafür wären zusätzlich Anpassungen zwischen Stelle und Lüneburg notwendig: Im Bereich der Bahnhöfe Bardowick und Radbruch müssten etwa zusätzliche Überholgleise gebaut werden. Südlich von Lüneburg würden zur Nutzung des dritten Gleises die bisherigen Betriebsbahnhöfe Bienenbüttel und Bad Bevensen durch einen neuen Betriebsbahnhof Bruchtorf in der Gemeinde Jelmstorf ersetzt, so die Überlegungen.

In der dritten Variante wird untersucht, wie die Geschwindigkeitserhöhung im Zusammenspiel mit Ortsumfahrungen realisiert werden kann. Demnach könnte eine zweigleisige Umfahrung westlich der Stadt Lüneburg infrage kommen, die zwischen Bardowick und Radbruch ausschert, an Lüneburg und Deutsch Evern vorbeiführt und vor Bienenbüttel wieder auf die Hauptstrecke einfädelt.

Hintergrund

Ein Teil von vielen

Das Projekt „Optimiertes Alpha-E + Bremen“ wurde vom Bundestag im Bundesverkehrswegeplan verankert. Der diskutierte dreigleisige Ausbau der Strecke Lüneburg-Uelzen wäre nur ein Puzzle-Stück in dem größten Bahnausbau-Projekt in Norddeutschland, das auch unter dem Titel „Hamburg/Bremen-Hannover“ läuft. Zu den weiteren Ausbaustrecken gehören die Abschnitte Langwedel-Uelzen (Amerika-Linie), Rotenburg-Verden-Minden sowie Bremerhaven-Bremen. Parallel arbeitet die Bahn am sogenannten „Ostkorridor“: Dort geht es um eine Ertüchtigung unter anderem der Strecke Uelzen-Stendal. Von dort verläuft eine weitere Haupttrasse der Bahn von Ost- nach Süddeutschland.

Von Dennis Thomas