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Politiker fast aller Stadtratsfraktionen sowie Vertreter der Umweltverbände nahmen an dem Gespräch über die Zukunft des Flugplatzes teil. Mit dabei war auch Kreisbrandmeister Torsten Hensel (r. vorne). (Foto: t&w)

Flieger kämpfen um ihren Verein

Lüneburg. Die Uhr läuft. Gut ein Jahr ist es noch hin, dann ist laut Ratsbeschluss von 2014 definitiv Schluss mit dem Lüneburger Flugplatz. Ohne den aber ist der Luftsportverein Lüneburg (LVL) tot. Das ist den Mitgliedern unter Vorsitz von Richard Meier nur zu bewusst. Am Donnerstagabend trafen sie sich erneut mit Vertretern der Stadtratsfraktionen, von Umweltverbänden sowie Kreisbrandmeister Torsten Hensel auf dem Flugplatz, um über dessen Zukunftschancen zu sprechen. Auch CDU-MdB Eckhard Pols und der grüne MdL Detlev Schulz-Hendel waren dabei.

Die Flieger plädieren für eine temporäre Verlängerung des Betreibervertrags über Oktober 2020 hinaus und eine Bürgerbefragung, gekoppelt an die Kommunalwahl 2021. Einen entsprechenden Antrag haben sie an Oberbürgermeister Ulrich Mädge geschickt. Sie hoffen auf Unterstützung aus der Politik, dass der Antrag in einer der nächsten Ratssitzungen auf die Tagesordnung kommt.

Eingeladen war auch Dr. Meike Müller, Präsidentin des Luftsportverbandes Niedersachsen, die herausstrich, dass der Verein gute Jugendarbeit leiste und sportlich erfolgreich sei. Als Argument für den Erhalt des Flugplatzes kommt das jedoch nicht bei allen Politikern an. Ein Teil ist durchaus aufgeschlossen für die Planungen aus dem Rathaus, wonach dort künftig Gewerbe angesiedelt werden soll. Meier meinte: Da sich das Planverfahren hinziehe, Anrainerfirmen ihm gegenüber erklärt hätten, dass sie zwar Interesse an Flächen hätten, aber Erweiterungsbauten erst in drei bis fünf Jahren entstehen sollen, „gibt es doch keinen Grund, den Flugplatz mit der Brechstange zu schließen“. Zumal dieser als Kaltluftschneise für die Belüftung der Stadt wichtig sei und sich dort viele Biotope entwickelt hätten.

Im Rahmen einer Unterschriftensammlung, die der LVL auf den Weg gebracht hatte, hatten sich 9491 Bürger für die Verlängerung des Betreibervertrages ausgesprochen. 4369 aus der Stadt (darunter 1923 aus dem Anrainerbereich/Postleitzahl 21337), 5122 Personen aus dem Landkreis/Region. In Anbetracht dessen plädiert der Verein für eine Bürgerbefragung. Das wäre eine solide Grundlage für Entscheidungen, argumentiert der Verein.

Mädge: Rat muss über Antrag abstimmen

Nabu-Chef Thomas Mitschke sagte, mit Blick auf dem Klimawandel dürften Kaltluftleitbahnen nicht bebaut werden, denn sie seien wichtig zur Belüftung der Innenstadt. Doch inzwischen gebe es eine Mehrheit aus Verwaltung und Politik, die sich für ein Gewerbegebiet auf dem Flugplatz ausspreche. Er sprach von Ignoranz und Realitätsverlust im Stadtrat, der dem Gutachten willfährig folge.

Dagegen verwehrten sich Rainer Mehncke und Christel John (beide CDU). Mencke machte auch deutlich, dass das Thema Flugplatz und der Fortbestand des Vereins zwei unterschiedliche Dinge seien. Und es gebe Bürger, die in dem Flugbetrieb ein Gefahrenpotenzial sehen.

Das führten auch Philipp Meyn (SPD) und der grüne MdL Schulz-Hendel an. Dr. Gerhard Scharf (CDU) hielt dagegen, dass ihn in der Gerhart-Hauptmann-Straße keiner nach dem Segelflugunfall angesprochen habe mit der Forderung, der Flugplatz müsse weg. Der CDU-Politiker machte deutlich, er werde sich für den Erhalt einsetzen. Das bekräftigte auch Jens-Peter Schultz. Der SPD-Politiker betonte, dass der Verein gute Jugendarbeit leiste und der Erhalt des Platzes aus ökologischen und klimatischen Gründen wichtig sei. Pro Erhalt des Flugplatzes und Vereins argumentierte auch Frank Soldan (FDP).

Menckes Haltung, man solle nicht das Thema Nachnutzung der Flugplatzflächen mit dem Thema Zukunft des Vereins vermischen, teilten Ulrich Blanck (Grüne) und Klaus-Dieter Salewski (SPD). Blanck stellte für seine Fraktion fest: Lediglich bereits bebaute Flächen dürften nachgenutzt werden. Das impliziere aber nicht den Erhalt des Flugplatzes, an den die Zukunft des Vereins gebunden ist. Erneut wurde auch das Thema Alternativstandort angesprochen. Der Verein hatte jüngst eine Fläche im Bilmer Strauch vorgeschlagen. Klare Absage vom BUND, dessen Vorsitzender Karl Wurm auch eine Bebauung des Flugplatzes ablehnt. Er sei leidenschaftslos, was den Fortbestand des Flugplatzes angehe, allerdings sei der Verein ein Garant dafür, dass die ökologischen Lebensräume auf dem Platz gepflegt werden.

Ebenfalls erneut betonte Kreisbrandmeister Torsten Hensel, wie wichtig Lüneburg als Standort fürs Feuerwehrflugzeug bei der Brandbekämpfung sei. „Der OB will hier bauen“, warnte Eckhard Pols. Urpötzlich habe der Bebauungspläne aufgetischt. Pols plädiert für die temporäre Verlängerung, damit der neue Rat ab 2021 entscheidet.

Mädge sagte gestern, der Antrag sei ihm bisher nicht bekannt. „Sobald uns aber ein entsprechender Antrag auf Vertragsverlängerung vorliegt, wird die Verwaltung zur nächstmöglichen Ratssitzung eine Vorlage anfertigen und den Rat darüber abstimmen lassen. Denn es ginge hierbei um die Änderung eines vom Rat gefassten Beschlusses.“

Von Antje Schäfer