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Marcus Rinn und seine Assistentin Daniela Wachsmann. Foto: Michael Behns

Er gestaltet die Wohnzimmer der Stars

Lüneburg. Familie Merz spielt keine Rolle mehr bei den Roten Rosen. Die Geschichten der Figuren sind auserzählt. Ein Fall für Marcus Rinn und sein Team. Der Szenenbildner steht mitten in den Kulissen, die bis vor kurzem noch das Zuhause von Cornelius und Margret Merz waren. Inzwischen ist davon fast nichts mehr zu sehen, längst wird hier gebohrt und gehämmert, weil ein neues Zuhause entsteht. Eine Wohnküche für den Vater des künftigen Helden. Mehr darf Rinn noch nicht verraten, er würde zu viel preisgeben von der Handlung, die die Fangemeinde erst in einigen Monaten zu sehen bekommt.

Ein enormer logistischer Aufwand

In den Studios der Roten Rosen im Industriegebiet Hafen haben alle Stars der Serie ihr Zuhause. Manche bleiben dauerhaft, manche nur für ein paar Monate. Dann heißt es wieder umbauen und neu gestalten. Rund 40 Sets sind es insgesamt, etwa die Hälfte davon wechselt jede Staffel. Weil die Handwerker nicht allein in den Drehpausen das halbe Studio umgestalten können, wird im Grunde ständig irgendwo umgebaut – während ein paar Meter weiter gedreht wird. Und da Bauarbeiten selten leise über die Bühne gehen, birgt das Konflikte. Also müssen Marcus Rinn und sein Team im Blick haben, wo sie wann tätig werden können – ein enormer logistischer Aufwand, zumal sie stets eine extrem kurze Planungsphase haben, anders als etwa beim Hausbau. „Das ist wie mit acht Bällen zu jonglieren“, sagt er und lacht. Und auch ein bisschen wie Tetris spielen: Er muss immer schauen, ob das neue Set auch in die Lücke passt, die das alte hinterlässt.

Für die Gestaltung bekommt er stets eine detaillierte Figurenbeschreibung mit Lebenslauf. Auf dieser Grundlage wird gebaut und eingerichtet. Das fängt bei der Wahl der Tapete an, geht über die Deko-Kerzen und hört beim Nachbau einer Haustür inklusive Abnutzungserscheinung noch lange nicht auf. Rinn und sein Team kaufen im Baumarkt oder suchen gezielt im Internet. Sein Motto: „Es gibt nichts, was Dir nicht irgendeiner speziell anfertigt. Aber rund 80 Prozent alles Requisiten haben wir hier aus der Region Lüneburg.“

Eine Viertelmillion Requisiten

Und weil die Serien-Orte immer wieder und nicht wie beim Film nur einmal zu sehen sind, müssen Rinn, der Architektur studiert hat, und sein Team detailverliebt gestalten: „Wir kümmern uns auch um den Inhalt der Schubladen“, sagt der 49-Jährige. Denn jedes Set ist 200 Drehtage oder länger zu sehen.

Eine Viertelmillion Requisiten hat er in seinen elf Rosen-Jahren schon besorgt. Rund 40.000 davon schlummern in einem großen Lager und warten dort auf ihren erneuten Einsatz. Der Rest wird, wenn er ausgedient hat, beim Fantag versteigert, im Internet verlost oder an Sozialeinrichtungen gespendet.

Und natürlich lagen er und sein Team auch schon mal daneben. Da gab es mal die Tapete, die auf den Bildschirmen derart flimmerte, dass die Handwerker sie überstreichen mussten. Und beim Bootsbauer habe seine Crew schon mal den Ärger der kompletten Maske auf sich gezogen, „weil die Farbe so grell war und abgestrahlt hat, dass die Schauspieler vor jedem Dreh umgeschminkt werden mussten“.

Von Alexander Hempelmann