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Die Grafik zeigt die Konjunkturentwicklung seit 2015. Foto: IHK

Region gerät in den Abwärtsstrudel

Lüneburg/Hannover. Die Bundesbürger haben sich in den vergangenen Jahren daran gewöhnt: Die politische Welt konnte noch so sehr aus den Fugen geraten, andere Volkswirtschaften noch so sehr straucheln – die deutsche Wirtschaft blieb stabil. Eine Phase, die enden könnte, sieht man sich die jüngsten Zahlen der Statistiker vom Landesamt an: Danach hat es bei der Industrie in Niedersachsen im Juni dieses Jahres einen drastischen Einbruch gegeben. Die Bestellungen seien im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16 Prozent zurückgegangen, einzelne Sparten traf es deutlich härter. So vermeldeten die Hersteller von Metallerzeugnissen minus 28 Prozent, die Produzenten von Kraftfahrzeugen und Kfz-Teilen minus 21 sowie der Maschinenbau minus 19 Prozent.

Auch Volker Linde, Leiter des Bereichs Standort- und Politikberatung in der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg sorgt sich, dass die lange Phase der Robustizität enden könnte: „Tatsächlich tritt die Konjunktur im Lüneburger Raum auf der Stelle. Der Konjunkturklimaindikator liegt bei einem Wert von 107 Punkten. Die Konjunktur im Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg trübt sich zunehmend ein. Insgesamt fiel der Konjunkturklimaindikator dort um sieben auf 101 Punkte. Beide Werte liegen damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert, in der Braunschweiger Region fiel er zum vierten Mal in Folge.“

Starke Binnenwirtschaft

Aus Sicht der hiesigen IHK sind die Probleme vor allem externen Ursprungs, betont Linde: „Es war zu erwarten, dass sich die regionale Wirtschaft und insbesondere die Industrie den zahlreichen Belastungen auf Dauer nicht entziehen kann. Nach wie vor bereitet vor allem das internationale Umfeld erhebliche Sorgen. Weltwirtschaftliche Abkühlung, Protektionismus und Handelskonflikte machen insbesondere der Exportwirtschaft und den verbundenen Zulieferern zu schaffen.

Noch wird die Konjunktur durch eine starke Binnenwirtschaft gestützt. Angesichts stagnierender Investitionsneigung und rückläufiger Einstellungsbereitschaft der Unternehmen muss jedoch damit gerechnet werden, dass die außenwirtschaftlich bedingten Unsicherheiten auf das Inland übergreifen.“

Ausbau der A39 aus Sicht der IHK wichtig

Schon beim jüngsten Konjunkturbericht der Lüneburger IHK von Mitte Juli schlug die gedämpfte Stimmung der Firmenlenker auf die Neigung zu investieren und einzustellen. Während im Vorquartal noch 36 Prozent der befragten Unternehmen ihre Investitionen ausweiten wollten, planen dies aktuell nur noch 24 Prozent. Nur noch 13 Prozent beabsichtigen, Personal einzustellen,

Die IHK fordert ein Gegensteuern. „Vor allem die Infrastruktur unseres Wirtschaftsraumes muss konsequent weiterentwickelt werden. Ob es um Breitband, Mobilfunk, Energietrassen, Gewerbeflächen oder Verkehrsinfrastruktur geht: Es muss voran gehen – und zwar schneller als bisher!“, sagt Linde und fährt fort: „Mittlerweile entwickeln sich Planungs- und Genehmigungsverfahren zur unendlichen Geschichte. Verzögerungen, wie sie nun erneut beim Ausbau der A39 auftreten, können wir uns nicht leisten, wenn die Region wettbewerbsfähig bleiben soll. Um den Ausbau wirtschaftsrelevanter Infrastruktur zu beschleunigen, muss deshalb das Planungsrechts reformiert werden.“

Von Joachim Zießler