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Britta Bartels und ihr Kollege vom Ordnungsamt kontrollieren, ob alle Vierbeiner angeleint sind. (Foto: Behns)

Amt lässt Spürnasen von der Leine

Lüneburg. Gestutzter Rasen, gedämpfte Stimmen, angeleinte Hunde – wie ein Brennpunkt der Regelverstöße wirkt der Kurpark an diesem Montagmittag nicht. Und doch will das städtische Ordnungsamt genau hier seinem Namen gerecht werden. Denn: „Im Sommer haben uns mehr Beschwerden über rücksichtslose Hundehalter erreicht“, sagt Ordnungsamtschef Joachim Bodendieck und ergänzt: „Hunde liefen im nördlichen Teil frei herum, Fußgänger fühlten sich belästigt, Hundekot würde nicht beseitigt.“ Die zunehmenden Beschwerden bewegten das Amt, künftig verstärkt Hundehalter und deren Tiere zu kontrollieren.

Zum Auftakt kam es gestern gleich zu einer doppelten Premiere: Nie zuvor hatten sich die amtlichen Spürnasen an einem frühen Nachmittag auf die Fährte nicht angeleinter Vierbeiner begeben. Und für Britta Bartels, Mitarbeiterin des Ordnungsamtes, war es gleich das erste Mal, dass sie den Leinenzwang durchsetzen sollte. Der gilt ganzjährig nicht nur im nördlichen Bereich des Kurparks, sondern auch in den Fußgängerzonen und in verkehrsberuhigten Bereichen sowie am Kalkberg.

Stichprobenartige Chip-Prüfungen

Elf Hunde begegneten Britta Bartels und ihrem Kollegen, der namentlich nicht in der Zeitung erscheinen wollte, auf dem Weg vom Amt in den Kurpark – doch alle angeleint. Fälle, in denen sie auf eine genauere Kontrolle verzichteten. Nur stichprobenartig soll geprüft werden, ob die Hunde gechipt sind und ihre Steuermarken tragen. 1720 Halter mit 2547 Hunden gebe es im Stadtbereich, zitiert Sebastian Koepke-Millon von der städtischen Presseabteilung aus der jüngsten Statistik vom April. Im städtischen Etat ist der Einnahmeposten durch die Hundesteuer durchaus nennenswert: 239 973 Euro standen 2018 zu Buche, nach 230 000 im Vorjahr. Wie hoch die Dunkelziffer nicht gemeldeter Tiere sein könnte, vermag er nicht zu schätzen.

Schätzen dürfte die Stadt aber Hundehalter wie Meike Rausch, die „Luna“ im nördlichen Kurpark nicht von der Leine lässt. Die junge Frau lebt seit vier Jahren in Lüneburg. Sie weiß durch die kleinen grünen Schilder an den Parkeingängen von der Leinenpflicht, hält sie auch für sinnvoll. „Manche Halter haben ihre Hunde nicht im Griff. Dann werden andere Passanten gestört und zudem die Enten gejagt.“ Die Ausgleichsflächen, auf denen Hunde frei herumlaufen können, reichen völlig aus“, sagt Meike Rausch. So könnte „Luna“ im südlichen Teil des Kurparks ihrer Art entsprechend herumtollen.

50 Euro Bußgeld

Allzu scharf sollen seine Mitarbeiter bei den zusätzlichen Kontrollen nicht vorgehen, erläuterte Amtschef Bodendieck. „Uns geht es vor allem um Aufklärung, damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.“ Zeige sich ein Halter renitent, würde er schriftlich belehrt. Nur Unbelehrbaren drohe ein Bußgeld nach dem Ordungswidrigkeitengesetz. 50 Euro dürfte es kosten, wenn der Hund nicht angeleint ist, beziehungsweise die Leine nicht mitgeführt wird oder der Hundehaufen nicht beseitigt wird. „Das Bußgeld wird allerdings vom Rechtsamt eingezogen.“

Auch bei Problemhunden ist das Ordnungsamt nicht zuständig. Hat ein Tierarzt festgestellt, dass ein Hund ein problematisches Verhalten zeigt, könne der Landkreis eine Maulkorbpflicht verhängen.

Zur gestrigen Kontrolle im Kurpark rückten die Ordnungsamtsmitarbeiter ohne Chip-Lesegerät an, Britta Bartels und ihr Kollege setzten ganz auf das aufklärende Gespräch. Und nicht mal das war nötig. Die acht Halter, die zu dieser frühen Nachmittagszeit im Park unterwegs waren, hatten ihre Hunde alle an der Leine. Dennoch konnte zumindest eine amtliche Belehrung an den Mann gebracht werden. Pressesprecher Koepke-Millon kam zu dem Termin angeradelt. „Das ist nach der städtischen Benutzerordnung verboten“, klärte ihn sein Kollege vom Ordnungsamt auf. „Ups“, lautete die verdutzte Antwort des Öffentlichkeitsarbeiters.

Die gestrige Kontrolle wertete er als Versuchsballon. „Zu anderen Zeiten dürften mehr Hunde anzutreffen sein. Wir werden das berücksichtigen“, sagt Sebastian Koepke-Millon.

Von Joachim Zießler