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Für die beiden Brüder Johann (l.) und Justus Studtmann endet ein besonderes Jahr. (Foto: t&w)

„Bock“ und „Keen Bock“

Amelinghausen. Es ist die wichtigste Wahl des Jahres, so die Eigenwerbung, und ein absoluter Höhe- oder Tiefpunkt der Heideblütenfestwoche, je nach Perspektive: Die Heidebockwahl in Amelinghausen steht bevor. Ein gutes Dutzend Anwärter steht bereit, sich die Gunst des Publikums und damit die Bock-Kette bei der Show am Freitagabend im Niedersachsenhof zu erkämpfen. Damit endet aber nicht nur die Amtszeit des aktuellen Heidebocks Johann Studtmann (26), sondern auch die seines älteren Bruders Justus (31), der ebenfalls einen besonderen Titel trägt: „Keen Bock“.

Während der Heidebock-Wahl am Freitag die große Bühne gehört, finden heute, Dienstagabend, gleich mehrere weitere Vereinswahlen hinter verschlossenen Türen statt. Gewählt wird unter allen bisherigen Titelträgern der „Bock der Böcke“, aktuell Jörg Dittmer. Und unter allen, die noch nie Bock waren und auch nicht mehr werden können, wird der Titel „Keen Bock“ ausgelobt. 2018 hatte sich Justus Studtmann selbst darum beworben und erhielt die entsprechende Kette. Für ihn und seinen Bruder Johann geht damit nun ein besonderes Jahr zu Ende.

„Er hat seine Kette schon sehr lieb gewonnen. Der Schmerz über die Trennung wird sehr groß sein.“– Johann Studtmann , Bruder des „Keen Bock“ Justus

„Das ist meine Kette“, betont Justus im LZ-Gespräch wiederholt mit wachsender Bestimmtheit. Sein Bruder sagt: „Er hat seine Kette schon sehr lieb gewonnen. Der Trennungsschmerz wird sehr groß sein.“ Zum Ausgleich hat Justus eine weitere Kette verliehen bekommen mit der Überschrift „Bestmann“. Johann erklärt: „Es wird jemand zum Bestmann erklärt, der etwas besonders gut kann, zum Beispiel Bierzapfen.“ Und Justus kann ganz besonders gut er selbst sein, dafür hat er die Kette mit der Prägung „Bestmann Justus“ erhalten, die er ebenfalls mit Stolz trägt.

Der Heidebock pflegt heimisches Brauchtum

Johann Studtmann ist auch schon etwas wehmütig, seinen Titel als Heidebock abgeben zu müssen. Das Amtsjahr sei schon sehr anstrengend gewesen, auch wenn es kein Vergleich mit den vielen repräsentativen Terminen der Heidekönigin sei, die über die Region hinaus stattfinden. Der Heidebock ist eher bei der heimischen Brauchtumspflege gefragt, beim Skat- und Knobel-abend, Osterfeuer bis hin zum Plattdeutschen Abend, dem Sittorßen. Sein persönlicher Höhepunkt im Amtsjahr? „Das war definitiv das Steinumsetzen. Denn an dem Tag wurde meine Nichte geboren“, sagt Johann Studtmann.

Das Steinumsetzen ist eine alljährliche Tradition, die stets am 2. Oktober stattfindet. Dann wird ein gravierter Findling vorm Haus des vorherigen Heidebocks per Radlader auf das Grundstück des neuen Amtsträgers gehievt. Darunter wird in der Regel eine Flasche Korn vergraben, falls ein Vereinsmitglied notleidend ist und Durst hat. Und ein alter Kassettenrekorder wird auch eingebuddelt. Der sei vor vielen Jahren mal zur Beschallung des Steinumsetzens genutzt worden, gab aber den Geist auf und wurde beerdigt. Seitdem wird er jedes Jahr mit umgebettet, heißt es.

Verlobte dürfen immer noch nicht antreten

Laut Johann Studtmann sei ein Versuch, mehr unverheiratete Anwärter für die Heidebockwahl zuzulassen, bei der Vereinsversammlung am vergangenen Freitag gescheitert. „Einige wollen, dass auch Verlobte noch die Möglichkeit haben, anzutreten.“ Das fand aber keine Mehrheit. Satzungsänderungen sind in dem Verein ohnehin schwierig. So ging zuletzt der Antrag, auch Frauen aufzunehmen, im Tumult unter. Selbst eine Anpassung der Vereinsbeiträge habe nie stattgefunden, sie würden immer noch in D-Mark bezahlt.

Zur Heidebockwahl kommen regelmäßig rund 1000 Zuschauer. Termin ist am Freitag, 16. August, ab 19 Uhr auf dem Niedersachsenhof bei Grätsch‘s Gasthaus in Amelinghausen. Das diesjährige Motto lautet „Bockvengers“.

Von Dennis Thomas