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Einen zweiten Wellenbrecher vor der Hauptbühne des „A Summer‘s Tale“-Festival sehen die Auflagen des Landkreises Lüneburg vor. Dies gebe die Versammlungsstättenverordnung bei mehr als 5000 Zuschauern vor. Foto: t&w

Wenn der Druck zu groß wird

Lüneburg. Als Ende vergangener Woche die Nachricht von der „Festival“-Pause für „A Summer’s Tale“ die Runde machte, vermuteten nicht wenige wirtschaftliche Gründe hinter der Entscheidung. Tatsächlich aber nannte Folkert Koopmanns, Chef des Hamburger Veranstalters FKP Scorpio, „veränderte, behördliche Auflagen“ als ausschlaggebend. Diese würden „den Festivalbetrieb am aktuellen Standort nicht mehr im bisherigen Umfang ermöglichen“, sagte Koopmanns gegenüber der LZ.

Doch welche zusätzlichen Auflagen sind bei einem dem Augenschein nach friedlichen und geregelt ablaufenden Festival wie „A Summers Tale“ überhaupt notwendig? Das wollte die LZ zunächst von der Samtgemeinde Gellersen wissen, die für die Erteilung der Genehmigung der Veranstaltung auf dem Turniergelände in der Westergellerser Heide zuständig ist. „Die Auflagen der Samtgemeinde im Rahmen der Gefahrenabwehr sind in den vergangenen Jahren unverändert geblieben“, sagt Samtgemeindebürgermeister Steffen Gärtner. „Mit FKP Scorpio haben wir in all den Jahren gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet.“ Deshalb hofft Gärtner, dass diese Zusammenarbeit nach der Pause fortgesetzt wird. Noch einmal nach zusätzlichen Auflagen gefragt, verweist der Rathauschef auf eine Pressemitteilung seiner Verwaltung.

Die Größe eines Lagerfeuers

Daraus geht hervor, dass die Samtgemeinde zwar Auflagen macht, aber auch andere Träger öffentlicher Belange beteiligt. Eingebunden „ist unter anderem auch der Landkreis Lüneburg mit unterschiedlichen Fachabteilungen“.

Im Kreishaus bestätigt Sprecherin Urte Modlich, dass der Landkreis Lüneburg Auflagen für die behördliche Genehmigung vorgibt, „damit das Musikfest für die Menschen möglichst reibungs- und gefahrlos und im Einklang mit der Natur ablaufen kann“. Daher seien in den zurückliegenden Wochen zwischen den Beteiligten vor allem zwei Punkte erörtert worden: ein zweiter sogenannter Wellenbrecher vor der Hauptbühne und die Größe eines Lagerfeuers in der Nähe des Campingplatzes.

Wellenbrecher sind Absperrungen, die Gefahren durch den Druck einer größeren Menschenmenge auffangen sollen. Vorgeschrieben ist ein zweiter Wellenbrecher der Kreissprecherin zufolge laut Niedersächsischer Versammlungsstättenverordnung ab einer Zuschauerzahl von 5000. „Diese Vorgaben gelten nicht nur für Luhmühlen, sondern auch für andere Veranstaltungsorte“, betont Modlich. Jedoch offenbar nicht im benachbarten Schleswig-Holstein. Beim parallel zum Summers-Tale-Festival laufenden Wacken Open Air mit offiziell 75.000 Zuschauern sind abgesehen von den Sicherheitsgräben vor den Hauptbühnen keine Wellenbrecher zu finden.

Veranstalter nennt schon den nächsten Termin

Große Lagerfeuer sieht der Kreis vor allem wegen der anhaltenden Trockenheit und damit verbundenen Waldbrandgefahr kritisch. Bei einer örtlichen Begehung einigte man sich jedoch schnell und unkompliziert auf ein Feuer mit einem Durchmesser von drei Metern. „Dieses fand auch tatsächlich so statt“, berichtet Kreissprecherin Modlich. Ohnehin betont sie, dass nach Auffassung des Kreises wie in den Vorjahren „behördliche Auflagen gemeinsam mit allen Beteiligten relativ unkompliziert umgesetzt werden“ können.

Doch daran hat FKP Scorpio offenbar Zweifel und verordnet dem Festival eine Zwangspause. Das Aus für „A Summer‘s Tale“ bedeutet dies jedoch nicht. Der Veranstalter nennt sogar schon den nächsten Termin: 22. bis 25. Juli 2021. An welchem Standort teilt FKP Scorpio jedoch nicht mit. Auf Nachfrage beim Ausbildungszentrum Luhmühlen (AZL) unter dessen Dach sich auch das Turniergelände in der Westergellerser Heide befindet, bestätigt Geschäftsführer Dr. Roland Wörner, dass der Juli-Termin 2021 „reserviert“ sei.

Ein äußerst positives Echo

Vermarktet wird das Turniergelände von der Eventagentur Team 412 aus Seevetal. Die Agentur betreut etliche Festivals, unter anderem das Hurricane in Scheeßel. Geschäftsführer Matthias Graf, gerade unterwegs zwischen den Festivals Mera Luna und Highfield, wundert sich, dass die Behörden, von denen die Rahmenbedingungen gesetzt werden, auf einmal geändert, „verschlechtert“ werden. „Ich kenne viele Festivals, aber keines, bei dem Veranstalter und Besucher so respektvoll mit der Umwelt umgehen“, sagt Graf.

Auf einem anderen Blatt steht, dass FKP Scorpio überlegt, wie sich das Konzept inhaltlich entwickeln lässt. Zwar bekommt „A Summer’s Tale“ von Besuchern bis Medien nach wie vor ein äußerst positives Echo, aber die Zahlen stimmen nicht. 2000 bis 3000 Besucher mehr wären nötig. In diesem Jahr waren gut 12.000 Besucher da, darunter mehr als 1000 Kinder.

Entscheidung über Elbenwald-Festival steht noch aus

Wirtschaftlich von Bedeutung ist das Festival auch für das AZL. Dieses gehört anteilig auch den Landkreisen Harburg und Luhmühlen und soll ohne Zuschüsse auskommen. Daher ist das AZL vertraglich berechtigt, jährlich mehrere Großveranstaltungen jenseits des Reitens auf das Gelände zu holen.

Und noch in dieser Woche entscheidet sich auch, ob es ein drittes Elbenwald-Festival gibt. Das Festival der Fantasy-Szene fand bisher eine Woche nach dem „Summer’s Tale“ statt, nutzte dessen Infrastruktur. In diesem Jahr waren knapp 3000 Menschen dabei.

Von Hans-Martin Koch und Malte Lühr