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Mit Gehörschutz ausgestattet, zeigt ein Arbeiter an der Geesthachter Schleuse, wie der „Icestorm“ Schmutz vom Stahl bläst. Foto: tja

Ein Eissturm bläst den Dreck weg

Geesthacht. Wasserbauwerke wie Schleusen oder Wehranlagen, die ständigem Wasserkontakt ausgesetzt sind, aber auch Fahrwassertonnen oder Schiffsrümpfe, zu reinig en ist ein mühsames Unterfangen. Nun soll Eis Abhilfe schaffen. Die kanadische Firma Coulson Iceblast hat jetzt in Geesthacht erstmals in Europa ihre innovative Technik vorgestellt. Mit zerhackten Eiswürfeln und Luftdruck wird der Schmutz regelrecht von Stahl und Beton geblasen. „Icestorm“ (Eissturm) heißt das Gerät mit der breiten blauen Lanze, das im wahrsten Sinne des Wortes cool gegen Schmutz hilft.

An einem Tor der Schleusenanlage in Geesthacht, oberhalb des Hamburger Hafens gelegen, demonstrierten Vertreter von Coulson und des deutschen Partners Maas Umweltdienstleistungen aus Barum im Landkreis Lüneburg die Technik. Fauchend speit die Lanze ihr Gemisch aus frischem Eis und Luft aus. Der Arbeiter schützt seine Ohren gegen das Pfeifen des Eissturms mit einem Gehörschutz. Dort, wo das Gemisch auf die verschmutzte Oberfläche trifft, ist sofort wieder das ursprüngliche Material zu sehen. Algenbewuchs, Schlamm, leichter Rost – alles weg. Nur noch sauberes Schleusentor. „Bisher hat man solche Arbeiten auch mit Trockeneis durchgeführt, aber da blieben oft Rückstände übrig, die man natürlich nicht im Wasser haben will“, berichtet Lutz Jürgensen von Coulson Iceblast. „Unser Eis ist Frischeis, es sind handelsübliche Eiswürfel, denen nichts weiter als Druckluft aus einem Kompressor beigemischt wird“, sagt er.

Erste praktische Vorführung in Europa

Von einem Ponton, der an einem Arbeitsschiff des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) befestigt quer vor dem Schleusentor lag, zeigte ein Mitarbeiter von Maas Umweltdienstleistungen, was im „Icestorm“ steckt. Unter den wachsamen Augen der Ingenieure des WSA füllte er zunächst säckeweise Eiswürfel in die Spezialmaschine. Jürgensen: „Man kann einstellen, wie fein oder grob man die Eiswürfel möchte.“ In Kanada werden mit dem „Icestorm“ im Winter auf Flughäfen auch Start- und Landebahnen von Eis befreit. Im Geesthachter WSA-Hafen reinigte die Maschine nach der Vorführung am Schleusentor auch noch Fahrwassertonnen. Was sonst mit Hochdruckreinigern mühevoll ist und viel Wasser erfordert, war mit der Lanze kein Problem.

„Wir sind mit dieser ersten praktischen Vorführung in Europa restlos zufrieden“, sagte Jürgensen. „Dass, was wir gezeigt haben, war eindrucksvoll“, befand Manfred Maas, Inhaber der Umweltdienstleistungsfirma aus Barum. Beim WSA dokumentierte man die Vorführungen ganz genau, möchte sich aber vor einem Statement erst noch beraten. „Ein Kilo Trockeneis mit allen Nachteilen kostet 1,20 Euro, während ein Kilo Eiswürfel 1,2 Cent kosten. Schon das macht deutlich, wie günstig unsere Technik ist“, bilanzierte Jürgensen. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sich dieses Reinigungsverfahren auch in Europa und Deutschland durchsetzen wird. Maas: „Man kann mit der Eismaschine unglaublich viel machen.“ Doch noch ist es nicht so weit.

Von Timo Jann