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Marc Burlon will an der PKL das sogenannte „Lüneburger Modell“ weiterentwickeln. Foto: t&w

Helfen bei der Rückkehr in die Normalität des Lebens

Lüneburg. „Die PKL ist ein innovatives Haus, das Mut zur Weiterentwicklung hat. Es ist in kommunaler Trägerschaft, sodass das Erwirtschaftete den Patienten und dem Haus zu Gute kommt. Und wir haben hoch motivierte Mitarbeiter.“ Diese Gründe waren für Dr. Marc Burlon ausschlaggebend, bei der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL) zu ankern. Der 47-Jährige ist neuer Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Ärztlicher Direktor. Er ist Nachfolger von Dr. Angela Schürmann, die im Mai in den Ruhestand verabschiedet worden war.

20 Bewerbungen auf den Chefarzt-Posten waren eingegangen. Nach fünf Vorstellungsrunden, bei denen 20 Mitarbeiter der Klinik mit einbezogen waren, „haben wir den ausgesucht, der am besten zu uns passt“, sagt Geschäftsführer Rolf Sauer.

Traumatherapie soll etabliert werden

Der gebürtige Hesse Burlon, der nach dem Medizinstudium seinen Facharzt Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) machte, war zuletzt als Oberarzt an der Asklepios Klinik Nord-Wandsbek tätig. Dort baute er zwei allgemeinpsychiatrische Stationen mit dem Schwerpunkt Traumatherapie auf. Burlon ging zur Fortbildung in die USA, um sich in der sogenannten Prolonged-Exposure-Therapie, einer speziellen Form der Traumabehandlung ausbilden zu lassen. Dabei geht es knapp gesagt darum, Patienten nach traumatisierenden Erfahrungen mithilfe einer besonderen Verhaltenstherapie dabei zu unterstützen, mit dem Erlebten klar zu kommen.

Dieses anerkannte Verfahren, sagt Burlon, werde zwar weltweit bereits angewandt, Traumatherapie an sich sei im deutschsprachigen Raum aber noch nicht ausreichend etabliert. Der Chefarzt möchte es nun zur Erweiterung des therapeutischen Spektrums an der PKL einführen und auch Kollegen darin ausbilden.

Wohnortnahe Betreuung von Patienten

Sehr gut aufgestellt sieht der neue Ärztliche Direktor die PKL im sozialpsychiatrischen Verbund mit Anbietern in den Landkreisen Lüneburg und Harburg. Die Kooperation mit wohnortnahen Einrichtungen sorge dafür, dass nach einer stationären Versorgung eine gute und wohnortnahe Betreuung und Unterstützung von Patienten stattfindet. Als innovativ beschreibt Burlon nicht nur das Home Treatment-Team, das seit 2014 an der PKL etabliert ist und Patienten zu Hause aufsucht, sondern auch das „Lüneburger Modell“.

Gemeinsam mit den Kollegen möchte Burlon unter diesem Begriff ein bereits angelaufenes Projekt der offenen Psychiatrie weiterentwickeln. Danach sollen Patienten, die wegen schwerer Psychosen, Persönlichkeitsstörungen oder Wahnvorstellungen mit Gewaltbereitschaft bis vor wenigen Monaten auf geschlossenen Stationen untergebracht waren, nun in offen geführten Stationen behandelt werden. „In der Vergangenheit gab es zwei Stationen, auf denen nur diese Patienten untergebracht waren.“ Nun versuche man die psychia-trische Betreuung zu individualisieren – aber natürlich mit dem Blick darauf, ob und wann diese in geschlossenen oder offenen Räumen angeraten sei.

Dabei handelt es sich nur um einen kleinen Personenkreis. „Der Großteil unserer Patienten hat akute oder chronische psychische Erkrankungen wie zum Beispiel Zwangs- oder Angststörungen oder Suchtprobleme. Es geht uns darum, dass sie mit ihrer Krankheit leben können und in die Normalität des Lebens zurückfinden. Psychiatrie ist eine lebensrettende Medizin.“

Von Antje Schäfer

Psychiatrische Klinik Lüneburg

Zahlen und Fakten

  • Akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE)
  • Stationäre, teilstationäre und ambulante Versorgung psychisch Erkrankter aller Altersgruppen
  • Drei Kliniken:
    – Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (KPP) => Erwachsenenpsychiatrie, Chefarzt: Dr. Marc Burlon; zuständig für die Regionalversorgung Stadt und Landkreis Lüneburg sowie Landkreis Harburg
    – Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP), Chefarzt: Dr. Alexander Naumann; zuständig für die Regionalversorgung der Kreise Lüneburg, Harburg, Stade, Heidekreis, Uelzen und Lüchow-Dannenberg
    – Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie (KFPP), Chefarzt und Vollzugsleiter: Jürgen Schmitz
  • Zwei Heime:
    Heilpädagogisches Zentrum (HPZ), Klinikgelände Lüneburg
    Haus Westerholz – Pflegeheim für seelisch behinderte Menschen, Ebstorf
  • Mitarbeiter: Ärzte, Psychologen, Pflegekräfte, Sozialpädagogen, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Medizinische Fachangestellte, Verwaltung, Technik. Insgesamt: 1174, davon
    KPP: 404
    KJPP: 239
    KFPP: 134
    Sonstige Bereiche: 240
    Azubis, FSJler und Bufdis: 157
  • Patienten (stationär/teilstationär/ambulant) im Jahr 2018:
    KPP: 3.174 stationär, 953 teilstationär, 6.275 ambulant
    KJPP: 623 stationär, 182 teilstationär, 2.358 ambulant
    KFPP: 181 stationär, 66 ambulant
    Bewohner: HPZ: 38, Haus Westerholz: 80