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Jaane und Selma, beide zehn Jahre alt, freuen sich auf ihre neuen Mitschüler, ihrer Klassenlehrer und ihre neue Schule. Foto: t&w

Zieleinlauf nach Planungssprint

Lüneburg. 100 Schüler in vier Klassen, dazu ein multiprofessionelles Team aus Lehrkräften, Sozialpädagogen und pädagogischen Mitarbeitern – sie bilden Lüneburgs neue Schule. Am Freitag war der Auftakt für die IGS Kreideberg, die nunmehr dritte Integrierte Gesamtschule im Landkreis Lüneburg. Erst mit einem kleinen Festakt in der vollbesetzten Aula, dann ging es für Jaane, Selma und die anderen Fünftklässler in die neuen Klassenräume – jeweils mit zwei Klassenlehrern, wie es in der Schulform üblich ist.

Die IGS Kreideberg teilt sich das Gebäude mit der Christianischule, die Oberschule hat in diesem Jahr erstmals keine 5. Klassen mehr aufgenommen und läuft nun nach und nach aus, während die IGS Jahrgang für Jahrgang wächst und in die freien Räume nachrückt.

Nur fünf Monate Vorbereitungszeit

In nur fünf Monaten – und damit in deutlich kürzerer Zeit als die beiden Vorgänger – hatte eine elfköpfige Planungsgruppe den Start vorbereitet. Vorausgegangen waren dem eine Elternbefragung und ein Ratsbeschluss. „Das pädagogische Konzept haben wir innerhalb von drei Tagen geschrieben“, sagt Pamela Hampp. Sie leitete die Planungsgruppe gemeinsam mit Dr. Anika Tolk, ist nun Leiterin der IGS, wie Tolk als didaktische Leiterin zunächst kommissarisch. „Beide Stellen werden noch ausgeschrieben, ich gehe davon aus, dass das dieses Jahr passiert. Ich werde mich dann auf die Schulleitungsstelle bewerben“, macht Hampp deutlich.

Für sie ist die Schulform IGS, an der leistungsstarke und leistungsschwache Kinder gemeinsam lernen, eine Herzensangelegenheit – zu der die gebürtige Hamburgerin über einen Umweg fand: „Ich habe erst eine Lehre zur Bankkauffrau gemacht, in dem Beruf auch einige Jahre gearbeitet. Dann habe ich ein Lerninstitut gegründet und geleitet, schließlich ein Lehramtsstudium begonnen. Meine Fächer sind Deutsch und Erdkunde.“ Zuletzt war sie an einer Gesamtschule im Landkreis Harburg tätig. Rückblickend sagt sie: „Bank war quasi die Pflicht, jetzt kommt die Kür.“

Duo an der Spitze: Dr. Anika Tolk (l.) und Pamela Hampp leiten die IGS Kreideberg. Foto t&w

Stadt als Schulträger

Die 42-Jährige, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter in der Elbmarsch wohnt und gerade mit ihrer Familie von einer dreiwöchigen Reise mit dem Wohnmobil durch Europa zurückgekehrt ist, hat für den Start vor allem einen Wunsch: „Dass alle weiterhin uns gegenüber so offen und positiv zugewandt sind wie bisher.“ Die Stadt als Schulträger habe baulich schon manches so verändert, dass es den pädagogischen Anforderungen einer IGS genügt: „Gerade in den Sommerferien ist eine Menge passiert“, haben beide Leiterinnen festgestellt. So stehen den vier Klassen auch zwei Differenzierungsräume zur Verfügung, diese Differenzierung ist ein wesentlicher Baustein im pädagogischen Konzept und finde in nahezu jeder Unterrichtsstunde statt. „Und zwar sowohl was die Förderung von Begabungen angeht als auch das Wiederholen und Verfestigen“, verdeutlicht Pamela Hampp.

Bester Weg muss nicht immer das Abitur sein

Ihr zur Seite steht mit Dr. Anika Tolk eine Pädagogin, die das Gebäude bereits bestens kennt. Seit 2009 unterrichtet sie an der Christianischule, ist auch neben ihrer neuen Aufgabe weiterhin didaktische Leiterin der Oberschule. Die 38-Jährige, die „aus einem kleinen Dorf bei Celle“ stammt, hat Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen studiert und unterrichtet die Fächer Englisch und Mathematik. Sie wohnt in Lüneburg und ist Mutter zweier kleiner Kinder. Ihr Wunsch für die neue Schule: „Dass es uns gelingt, die hohe Motivation unseres jungen Teams aufrechtzuerhalten. Und für die Schüler wünsche ich mir, dass sie hier gut ankommen und ihren Platz finden, dass jeder den für ihn besten Weg gehen kann. Der muss nicht immer zum Abitur führen.“

Das Frauen-Duo an der Spitze hat bereits erste Anker im Stadtteil Kreideberg eingeschlagen, das sei ihnen wichtig, auch wenn viele Schüler aus den umliegenden Orten im Landkreis kommen. In der Stadtteilrunde ist die IGS schon vertreten, erste Kontakte zum Arche-Park des Schubz und zum Gemeindehaus Kredo sind geknüpft. Auch mit den beiden anderen Gesamtschulen gebe es einen guten Austausch und nicht etwa Konkurrenzdenken, versichert Hampp.

Von Alexander Hempelmann