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Über das digitale Aquarium freuen sich Diana Schnitzer (Stationsleitung), Dr. Christian Maaser (Mitte) und Dr. Jörg Cramer. (Foto: t&w)

Bessere Hilfe für Demenzkranke

Lüneburg. Eine malerische Unterwasserwelt mit bunten Fischen in schillernden Farben zieht alle Blicke auf sich. Es ist ein digitales Aquarium. Patienten können den Bildschirm berühren, sodass sich dort Wasserbläschen bilden, dann schwimmen die Fische weg, ganz wie bei einem echten Aquarium. Zu erleben ist das jetzt im Lüneburger Klinikum.

Unter der chefärztlichen Betreuung von Prof. Dr. Christian Maaser startet dort nun die sogenannte „Memory-Station“ für Menschen mit Gedächtnisstörungen mit zwölf Betten. Die neue Station ist speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und akuten Verwirrtheitszuständen ausgerichtet. „Demenzerkrankte Menschen, die zum Beispiel aufgrund einer Lungenentzündung, eines Knochenbruchs oder eines Schlaganfalls im Klinikum behandelt werden, waren zuvor noch auf unterschiedlichen Stationen untergebracht“, erklärt Maaser. Aktuelle Studien würden zeigen, dass dies den Bedürfnissen kognitiv eingeschränkter Patienten nicht gerecht werde. Für diese Patienten bedeutet ein Klinikaufenthalt eine besondere Stresssituation. Sie verstehen oft nicht, was mit ihnen passiert. Sie sind verwirrt, ängstlich und nicht in der Lage, ihre Beschwerden zu beschreiben.

„Um darauf besser eingehen zu können, soll es auf der Station ein festes und entsprechend geschultes Team geben“, berichtet Diana Schnitzer, pflegerische Stationsleitung. Auch solle das Team eng mit Angehörigen und Bezugspersonen der Patienten zusammenarbeiten. „Nach intensiver Personalsuche haben wir ein großartiges Team zusammengestellt“, ist der Chefarzt überzeugt und nennt neben Pflegekräften auch Ergo- und Physiotherapeuten.

44 Spezialeinheiten dieser Art gibt es bundesweit

Auch die Räumlichkeiten sind auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt. „In der Mitte der Station ist eine Pflegezentrale sowie ein gemütlicher Gemeinschaftsraum, als Anlaufpunkt für alle Patienten, die sich nicht isoliert in den Zimmern aufhalten sollen. Eine bestimmte Farbgestaltung und bildhafte Darstellungen bietet Orientierung. Außerdem gibt es bequeme Sitzecken die ans heimische Umfeld erinnern“, erläutert Neuropsychologin Steffi Wiards. Hier befindet sich auch das digitale Aquarium, das mit Unterstützung der Firma Nordsen Engineering und weiterer Spenden des Förderkreises der Gesundheitsholding, den Fundskerlen, finanziert wurde.

In Deutschland sind aktuell 44 sogenannte „Special Care Units“ besonders auf die Behandlung kognitiv eingeschränkter Patienten eingerichtet, erläutert die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie. (DGG). Sie zeichnen sich durch separate Räume aus, die wohnlich eingerichtet sind und durch geschultes Personal, das die Bedürfnisse der Patienten auch unter Berücksichtigung geriatrischer Besonderheiten im Blick hat. Ein deutschlandweit einheitliches Konzept für die Stationen gebe es bisher aber noch nicht. „Da die Anzahl von älteren Patienten mit kognitiver Einschränkung zunimmt, müssen sich Krankenhausstrukturen in der Breite verändern“, sagt Prof. Dr. Tania Zieschang, Leiterin der Arbeitsgruppe Demenz der DGG.

Viele ältere Menschen leiden unter mehreren chronischen Erkrankungen, welche die Lebensqualität stark einschränken und die Selbstständigkeit bedrohen. Um genau diesem Phänomen vorzubeugen, wurde am Klinikum Lüneburg im April 2010 ein eigener Bereich für geriatrische Frührehabilitation eröffnet.

Patient soll so selbstständig wie möglich bleiben

Dabei arbeitet die Klinikstation eng mit den anderen Kliniken des Hauses wie Chirurgie, Unfallchirurgie, Neurologie und Urologie zusammen. Auch andere Krankenhäuser im Umkreis und Hausärzte der Umgebung arbeiten mit der Lüneburger Fachabteilung zusammen. Alle bemühen sich gemeinsam, einem Kräfteverfall der Patienten vorzubeugen und für sie den maximal möglichen Grad an Selbstständigkeit zu erreichen.

Von Beginn an kümmert sich der Sozialdienst um die weitere häusliche Situation nach dem Klinikaufenthalt. Es finden ausführliche Gespräche mit den Angehörigen und den Patienten statt, um das höchste Wohlergehen des Patienten zu erreichen. Die ersten Patienten sollten am Montag aufgenommen werden.

Von Malin Mennrich