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Wenn es brennt, ist Eile geboten: Für die Lüneburger Feuerwehrleute kommt es dann auf jede Minute an. Foto: t&w

Die schnelle rote Hilfe

Lüneburg. Die Lüneburger Feuerwehr macht einen guten Job, doch sie soll noch besser werden – in dieser Einschätzung waren sich die Mitglieder des Feuwehrausschusses einig und so votierten sie einmütig dafür, ein neues Konzept für Personal und Standorte auf den Weg zu bringen, um die Ausrückezeiten der rund 240 aktiven Brandbekämpfer zu verbessern. Zwei große Veränderungen sollen bei den Planungen, die zeitlich unter der Vorgabe 2025 stehen, umgesetzt werden: Eine neue Wache soll im Osten der Stadt entstehen, zudem sollen die Ehrenamtlichen eine hauptamtliche Wachbereitschaft an die Seite gestellt bekommen. Das Ziel: Im Ernstfall sollen die Helfer in der Regel binnen acht Minuten vor Ort sein, um zu löschen oder Opfern eines Verkehrsunfalls zu helfen. Eben das schaffen sie bisher nicht überall.

Wie berichtet, hatten Verwaltung und Feuerwehr ein Gremium gebildet, dazu Gutachter hinzugezogen. Der optimale Standort für eine neue Wache wäre sozusagen die Kreuzung Dahlenburger Landstraße/Theodor-Heuss-Straße. In rund 200 Meter Entfernung liegt zwischen einem Wäldchen und dem Johanneum eine Wiese, hier könnte ein Neubau entstehen. Die Kosten sind mit aktuell zwölf Millionen Euro kalkuliert. Mehrere Politiker sowie der zuständige Dezernent Markus Moßmann machten aber darauf aufmerksam, dass dies eine Schätzung sei. Steigende Baupreise könnten die Ausgaben steigen lassen.

An diesem Standort soll auch eine Crew von Hauptamtlichen stationiert werden. Verfügt die Wehr jetzt über 14 festangestellte Gerätewarte und Mitarbeiter, sollen es später 35 sein. So sollen Ehrenamtliche entlastet und zudem für bessere Zeiten gesorgt werden. Hier werden die Kosten jährlich mit rund 1,1 Millionen Euro angesetzt. Die Wache ist rund um die Uhr besetzt, muss daher auch über Schlafplätze verfügen. Auch zusätzliche Fahrzeuge wären erforderlich: 1,7 Millionen Euro stehen dafür im Ansatz.

Besonderheiten des Standorts Kaltenmoor

Ausschussvorsitzender Christian-Tobias Gerlach (CDU) verwies darauf, dass dies zusätzliche Ausgaben seien, denn die Brandbekämpfer müssten ohnehin routinemäßig ihre Fahrzeuge erneuern. Birte Schellmann (FDP) wies darauf hin, dass es schwierig sein könnte, Ehrenamtliche aus der Nachbarschaft zu finden, die sich am neuen Standort engagieren. Anders als in den noch dörflichen Strukturen wie in Rettmer, Häcklingen und Oedeme, wo jeweils auch die Kinder- und Jugendfeuerwehr verankert ist, könnte es im nahen Kaltenmoor nicht einfach sein, junge Leute zu gewinnen.

Lisa Apking (Linke) wollte wissen, ob die Stadt Fördermittel einwerben könne. Moßmann sieht die Chancen dafür eher schlecht, da es sich um eine kommunale Aufgabe handle. Allerdings rede die Stadt mit dem Landkreis.

Schon in der Vergangenheit hatte Ochtmissens Ortsbürgermeister Jens-Peter Schultz (SPD) darauf aufmerksam gemacht, dass manche Teile der Stadt auch mit einer zusätzlichen Wache nicht in optimaler Zeit erreicht würden. Dem trägt das Papier Rechnung: Zwar dürfte Ochtmissen trotz neuer Wache nicht schneller angefahren werden, aber dafür andere Bereiche, wenn Auf der Höhe im Mittelfeld noch eine kleine Außenstelle der Feuerwehr gebaut würde. Dabei soll es sich um eine Fahrzeughalle für einen roten Koloss handeln.

Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft und seine Kollegen setzen schon jetzt auf Veränderungen, um schneller zu werden. So sollen Straßenbauer an der Lise-Meitner-Straße sowie an der Wache in Rettmer zusätzliche Fahrspuren anlegen, um die An- und Abfahrt der Helfer, die zum Standort kommen, zu verbessern. Brauchen die Helfer im Moment zwischen zwei und drei Minuten, bis sie vom Hof rollen, hält der Feuerwehrchef es mit der neuen Wache für machbar, einen Wert von 90 Sekunden zu erreichen.

Acht-Minuten-Wert wird kaum eingehalten

Die Lüneburger können sich schon jetzt auf ihre Feuerwehr verlassen, das machten mehrere Redner deutlich, auch wenn der Acht-Minuten-Wert in großen Teilen der Stadt nicht eingehalten werde. Denn Gutachter Karsten Kreitz hatte in vergangenen Ausschusssitzungen berichtet, dass in anderen Bundesländern wie Bayern Anfahrtzeiten von bis zu zehn Minuten gelten. Ganz praktisch erklärte es der Stadtbrandmeister: „Neulich hatten wir einen Einsatz in Wienebüttel, da waren wir in ein paar Minuten. Da haben wir den Wert unterschritten.“ Es komme einfach auf die Tageszeit an – je nachdem wie viel Verkehr herrsche.

Von Carlo Eggeling

Erste Schritte

Mögliche Hindernisse

Der Feuerwehrausschuss hat erste Weichen gestellt, doch ob der Zug auch rollt, hängt an mehreren Faktoren. Entscheidend ist, dass der Rat den Plänen zustimmt. Zu klären sind vorher noch Fragen des Natur- und Umweltschutzes. Auch hier soll eine Kaltluftschneise liegen – an anderen Stellen der Stadt bremsen diese Winde Planungen für mögliche Bebauungen. Unter der Hand machen Praktiker auch auf Anwohner aufmerksam: Es bleibe abwarten, wie sie auf den Bau eines großen Feuerwehrhauses reagieren.