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Geesthachts Schleuse stand zuletzt mehrfach still, weil Personal fehlte. Jetzt läuft der Verkehr wieder. Foto: tja

Mehr Geld für Wasserstraßen

Geesthacht. Nach der Zwangspause für die Binnenschifffahrt wegen Schäden am Stauwehr und Personalmangel an der Schleuse regt sich Unmut in der Branche und bei den Verbänden. „Die Bundesregierung und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes müssen für mehr Betriebssicherheit an unseren Wasserstraßen sorgen“, fordert Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg auch im Namen der IHK Lübeck. „Wie sollen Unternehmen ihre Güter auf die Wasserstraße verlagern, wenn der Transport nicht zuverlässig gesichert ist“, fragt er.

Wie berichtet hatte es wegen eines abgerutschten Dammfußes am Stauwehr gut eine Woche lang einen Stillstand für die Schifffahrt auf der Oberelbe gegeben. Am Schiffshebewerk Scharnebeck stauten sich daraufhin 90 Binnenschiffe, die die Passage nicht absolvieren konnten. Wegen der Schäden am Stauwehr musste zur Druckentlastung des beschädigten Dammes der Wasserspiegel soweit abgesenkt werden, dass der Betrieb des Hebewerks nicht mehr möglich war. Nur wenig Tage später musste das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg die Geesthachter Schleuse mehrfach schließen. Personalmangel aufgrund von Urlaub und Krankheit.

„Die Sperrung kam zur absoluten Unzeit“

„Der reibungslose Transport durch Binnenschiffe, die auf dem Elbe-Lübeck-Kanal, den Kanalstationen und dem Hamburger Hafen unterwegs sind, muss durchgehend gewährleistet sein, betont Rüdiger Schacht, der stellvertretende Geschäftsführer der HK Lübeck. Gerade in Lübeck wird für die Nutzung des Elbe-Lübeck-Kanals gekämpft. Jede Einschränkung bedeutet einen Rückschlag für die Bemühungen, Waren von der Straße auf Schiffe zu verlagern.

Eine Einschätzung, die auch der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) teilt. „Die Sperrung kam für die Binnenschifffahrt zur absoluten Unzeit“, so Jens Schwanen vom BDB. Man sei gerade erst dabei gewesen, die Folgen des Schiffsstaus am Hebewerk abzuarbeiten, da kam der nächste Stillstand. Schwanen: „Den mangelhaften Zustand der Wehre und Schleusen, insbesondere aufgrund Personalmangels und chronischer Unterfinanzierung, haben in erster Linie die Verantwortlichen im Bundesverkehrsministerium und der Generaldirektion Wasserstraßen- und Schifffahrt zu vertreten.“

Maroden Infrastruktur

Nach Ansicht des BDB ist es unabdingbar, dass die Generaldirektion „tragfähige Notfallkonzepte“ entwickelt, um die Bedienung der Anlagen und damit die Schiffbarkeit der Flüsse und Kanäle auch bei akut angespannten Personalsituationen in den einzelnen Amtsbereichen aufrechtzuerhalten. Daher hat sich der BDB jetzt mit einem „Brandbrief“ direkt an den Präsidenten der Generaldirektion Hans-Heinrich Witte, gewandt und deutlich gemacht, dass es „absolut unzumutbar“ ist, dass zusätzlich zu den „ohnehin schon zahlreichen technisch bedingen Schleusensperrungen infolge der maroden Infrastruktur“ nun auch noch personalbedingte Sperrungen hinzukommen.

Auch die Industrie- und Handelskammern sehen den Bund klar in der Pflicht, ausreichend Personal für den Betrieb der Wasserstraßen zur Verfügung zu stellen. Zeinert: „Die Weltwirtschaft vernetzt sich und wächst zusammen, aber in Geesthacht steht die Schleuse still. Produktion, Logistik und Transport greifen ineinander und in Hamburg wartet man auf Binnenschiffe.“ Zur Stärkung des Systems Wasserstraße sei es nötig, die Infrastruktur konsequent zu sanieren und den Betrieb zuverlässig sicherzustellen.

Auch Norbert Brackmann, der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Lauenburg ist Maritimer Koordinator der Bundesregierung, hat die Probleme erkannt. „Gegen Gesundheitsprobleme ist niemand gefeit, aber man muss prüfen, ob das WSA für die Aufgaben der Schleusenwärter nicht zusätzliche Mitarbeiter qualifizieren könnte, die sonst vielleicht etwas anderes machen, aber einspringen könnten“, sagt er.

Von Timo Jann