Dienstag , 17. September 2019
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Sascha Spoun. Foto: A/be

Verständnis für Spouns Rückzieher

Lüneburg. Exakt zwei Monate ist es her, dass sich die Neuigkeit über Spouns Weggang verbreitete. Die traditionsreiche Georg-August-Universität in Göttingen wollte ihn haben. In Lüneburg war die Verwunderung groß, hatte sich der Leuphana-Präsident doch erst ein halbes Jahr zuvor in eine dritte Amtszeit wählen lassen. Dass die Stelle nicht öffentlich ausgeschrieben wurde, hatte auf dem Campus für großen Protest gesorgt.

Nun steht gewissermaßen alles auf Anfang: Spoun will nicht mehr nach Göttingen, bleibt Leiter der Hochschule in Lüneburg. Ausschlaggebend waren für ihn die erheblichen Zweifel daran, ob das Besetzungsverfahren ordnungsgemäß gelaufen ist. Von „formalen Fehlern“ ist die Rede, so soll die Findungskommission die Bewertung der einzelnen Kandidaten nicht ausreichend schriftlich festgehalten haben. Und das hätte zu Problemen führen können, bekanntlich war längst schon das Göttinger Verwaltungsgericht involviert, weil zwei unterlegene Konkurrenten Einsicht in die Bewerbungsunterlagen gefordert hatten.

Die LZ hat Stimmen zum Rückzieher Spouns gesammelt.

Das Wissenschaftsministerium teilt mit, dass es die Entscheidung von Spoun respektiere. Bei der Fortführung seines Präsidentenamtes an der Leuphana werde man ihn „selbstverständlich nach Kräften unterstützen“. Im Interesse des Wissenschaftsstandortes Göttingen sei es nun für die Georg-August-Universität wichtig, so schnell wie möglich ein neues Auswahlverfahren anzustrengen. Dort brauche es einen versierten und erfahrenen Wissenschaftsmanager.

„Ich finde es schade für Herrn Spoun, denn ich hätte ihm diese neue und spannende Herausforderung gegönnt“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge , der es „angesichts der im Raum stehenden Vorwürfe“ für richtig hält, dass der Uni-Präsident für sich einen klaren Schnitt gemacht hat. „Mit dieser klugen Entscheidung wendet er einen möglichen Schaden von sich und der Uni ab.“ Sein Fachwissen und Können habe Spoun hier in Lüneburg ausreichend unter Beweis gestellt, „schön, dass wir weiter davon profitieren werden“.

Ein guter Manager, aber kein Wissenschaftler

Ähnlich fällt auch das Statement von Ferdinand Müller-Rommel aus, langjähriger Wegbegleiter Sascha Spouns. Er habe befürchtet, dass die kritische Berichterstattung in zahlreichen Medien in den vergangenen Wochen negative Auswirkungen auf das Renommee der Leuphana haben könnte. So hieß es etwa, er sei international und in der Forschung nicht erfahren genug, ein guter Manager, aber kein Wissenschaftler. „Das hat mir schon Sorge bereitet“, sagt Müller-Rommel, der Spoun sechs Jahre lang als Vizepräsident zur Seite gestanden hat. „Wäre ich an seiner Stelle gewesen, hätte ich mich auch so entschieden.“

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hat über eine Pressemitteilung der Uni erfahren, dass Spoun bleibt. „Wir haben durch die gezwungenen Reaktionen auf diese Wechsellaunigkeit viel Zeit und Energie verloren, die wir gerne in andere, ebenfalls drängende Projekte gesteckt hätten.“ Zur Ankündigung Spouns, sich nun weiter „mit aller Kraft und Kreativität“ für die Leuphana einzusetzen, sagt der AStA, dass er hoffe, dass er sich „nicht wieder in seichten Floskeln verliert“, sondern konkrete Pläne für die künftige Ausrichtung präsentiert: Bei der Diskussionsrunde im Vorfeld der Wiederwahl sei er nur sehr vage und unzureichend darauf eingegangen. Auch werfen die Sprecher die Frage auf, inwieweit mit einer konstanten Zusammenarbeit für die dritte Amtszeit, die bis ins Jahr 2028 reicht, gerechnet werden könne und ob davon ausgegangen werden müsse, „dass das Spiel bei der nächstbesten Option, eine andere Hochschule zu leiten, erneut beginnt?“

„Daran besteht für mich kein Zweifel“

Dr. Volker Meyer-Guckel , Vorsitzender des Stiftungsrates der Leuphana, sagt: „Auch wenn der Uni Göttingen ein so versierter Hochschulmanager wie Sascha Spoun gut zu Gesicht gestanden hätte, freue ich mich doch sehr, dass er nun seine erfolgreiche Arbeit an der Leuphana fortsetzen wird.“ Mit seinen Reformen habe er den Grund dafür gelegt, dass die Leuphana auch in den kommenden Jahren ihre dynamische Entwicklung fortsetzen werden. „Daran besteht für mich kein Zweifel.“

Die Pressestelle der Uni Göttingen , die sich am Mittwoch nicht mehr in der Lage sah, Stellung zur Absage Spouns zu beziehen, der LZ aber ein Statement angekündigt hatte, gab sich auch am Donnerstag wortkarg: „In den kommenden Tagen werden die zuständigen Gremien über notwendige Schritte für eine rechtssichere Entscheidung zum Präsidentschaftswahlverfahren beraten“, sagt Romas Bielke. Mehr lasse sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen.

Von Anna Paarmann

Thema im Senat

Wie geht‘s weiter?

Der Senat der Leuphana wollte eigentlich am kommenden Mittwoch, 28. August, zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen, um darüber zu beraten, wie es nach Spouns Wechsel nach Göttingen weitergeht und wie sich die Uni künftig ausrichtet. Mit Versendung der Tagesordnung, von welcher der Punkt „Vorbereitende Schritte zu einem möglichen Prozess zur Findung eines neuen Präsidenten“ nun aufgrund der neuen Entwicklung gestrichen worden ist, wurden die Senatoren gebeten, bis Freitag zurückzumelden, ob sie weiterhin eine Einberufung und einen Austausch mit dem Stiftungsrat am Tag darauf wünschen.

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