Dienstag , 17. September 2019
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Karsten Blau ist Ehrenamtskoordinator bei der Samtgemeinde Elbmarsch. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. (Foto: stb)

Der Helfer für die Helfer

Marschacht. Alle Fäden laufen bei Karsten Blau zusammen. Sollen sie auch. Der 43-Jährige ist der Koordinator für ehrenamtliches Engagement in der Samtgemeinde E lbmarsch. Seit drei Jahren hat er eine halbe Stelle bei der Verwaltung und ist seither die Schnittstelle für die Belange von Ehrenamtlichen und Flüchtlingen. Er steht zudem in engem Kontakt mit Behörden, ist fit in der Asylgesetzgebung und kann wertvolle Tipps geben und Fragen beantworten.

„Als ich mein Amt angetreten habe, ging es in erster Linie darum, Anfragen und Bitten von unseren Ehrenamtlichen, die sich um die Flüchtlinge in der Samtgemeinde kümmern, in die richtigen Kanäle zu schleusen“, berichtet der gelernte Augenoptikermeister. Er steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn es etwa um bauliche Dinge in den Unterkünften, Behördenpost oder die Mobilität der Menschen geht. Doch inzwischen hat sich das Aufgabenfeld für Karsten Blau vergrößert. Er ist eingearbeitet und hat eine gut funktionierende Struktur geschaffen. „Inzwischen unterstütze ich drei Zielgruppen: die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe, Schutzsuchende selber und alle anderen ehrenamtlich Tätigen in Vereinen und Organisationen in der Elbmarsch“, sagt er.

Fortbildung für Vereinsvorstände

So hat der Koordinator bereits eine Fortbildung für Vereinsvorstände organisiert. „Das Angebot kam super an. Knapp 30 Teilnehmer haben es angenommen“, erzählt er. Mit dabei waren unter anderem Vorstandsmitglieder vom Stover Rennverein, MTV Niedermarschacht, Verein zur Förderung der deutschen Musik, Tennisclub Elbmarsch, Bootsclub Drage, Wassersportverein Tespe und von der Eintracht Elbmarsch. „Die Weiterbildung wird fortgesetzt. Mit dem Landkreis Harburg wurde die finanzielle Unterstützung vereinbart.“ Blau wünscht sich, dass noch mehr Vereine dazukommen. „Egal, ob es ein Schulförder- oder Sportverein ist.“

Der Großteil seines Jobs macht aber weiterhin die Flüchtlingshilfe und Integration der Schutzsuchenden aus. Die rund 130 Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften in Bütlingen, Marschacht und Tespe benötigen nach wie vor Hilfe im Alltag, bei Behördengängen, in der Ausbildung und bei der Jobsuche.

Gut 60 Menschen engagieren sich für Flüchtlinge

Einige, so Blau, haben keine Arbeitserlaubnis, weil noch keine Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge über ihre Zukunft vorliegt oder gerichtliche Verfahren laufen zu ihrem Status. „Diese Menschen sind in der Warteschleife und benötigen andere Hilfe als diejenigen, die eine Bleibeperspektive haben. Da spielt dann auch Frust eine Rolle, weil sie arbeiten wollen, aber nicht dürfen.“

Blau kann auf einen Pool von etwa 60 Frauen, Männern und Jugendlichen zurückgreifen, die für die Flüchtlinge da sind. „Sie alle sind die wichtigsten Integrationshelfer vor Ort, weil sie beispielsweise Arbeitsstellen suchen, bei der Wohnungssuche helfen, Deutschunterricht geben und zu Kunstkursen einladen.“

„Die Vereine leben Integration durch Freizeit und Sport, ermöglichen Flüchtlingen sich für andere Menschen zu engagieren.“ – Karsten Blau , Ehrenamtskoordinator

Auch Vereine und Organisationen wie zum Beispiel Feuerwehren, Sportvereine, DRK und die Elbmarsch-Tafel machen mit. „Sie leben die Integration durch Freizeit und Sport und ermöglichen es, dass Flüchtlinge sich für andere Menschen engagieren können, wenn sie etwa Essen für die Tafel mit ausliefern.“

Integration sei eine große Aufgabe, die bewältigt werden muss, meint der Beauftragte. Im Großen und Ganzen klappt dies auch. „Wichtig ist zunächst, dass das Zusammenleben der Flüchtlinge in den Unterkünften funktioniert trotz ihrer verschiedenen Kulturen, unterschiedlichen Sprachen und Sozialisierung.“ Wie immer im Zwischenmenschlichen gibt es auch Spannungen und Konflikte mit Streit und manchmal auch lautstarken Diskussionen.

Es gibt aber auch eine Sache, die Blau und alle Ehrenamtlichen ein wenig bekümmert. „Wir haben viele Angebote für Flüchtlinge in der Elbmarsch. Doch oft fehlt der Antrieb, diese auch zu nutzen. Wir wünschen uns mehr Engagement“, sagt er und ergänzt: „Wir arbeiten daran, dass es besser wird.“

Zur Sache

Weiterbildung für Ehrenamtliche im Kreis Harburg

Für ein funktionierendes Gemeinwesen sind Ehrenamtliche unersetzbar. Sie sind mit ihrer Energie, ihren Ideen und Erfahrungen ein wichtiger Teil des sozialen Lebens in jeder Gemeinde. Doch wer sich engagiert, soll auch gut ausgebildet sein: Unter dem Motto „Gemeinsam lernen – mehr bewegen“ unterstützt der Landkreis Harburg im Herbst und Winter das ehrenamtliche Engagement durch Weiterbildungsangebote. Zum Auftakt informiert Jörg Beismann in Kooperation mit der Samtgemeinde Elbmarsch zum Thema „Buchhaltung und Gemeinnützigkeit für Vereine“. Der Ökonom referiert am Donnerstag, 5. September, um 17.30 Uhr im Rathaus der Samtgemeinde. Anmeldung unter E-Mail: asyl@sgelbmarsch.de.

Weitere Themen bei den Seminaren sind „Konflikte im Ehrenamt konstruktiv lösen“, „Umgang mit Facebook und Twitter“, „Suchmaschinenoptimierung“. Ein Zeichen für Mut zur Zivilcourage sowie gegen Stammtischparolen und rechte Hetze will ein Seminar am 30. November in Hanstedt setzen.

Informationen zu allen Angeboten gibt es ausführlich im Internet unter www.ehrenamt.landkreis-harburg.de. Fragen zu den Weiterbildungsangeboten und zur Anmeldung beantwortet die Ehrenamtsbeauftragte des Landkreises Dagny Eggert-Vogt unter (04171) 693766.

Von Stefan Bohlmann