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Am Lösegraben lässt es sich schön wohnen. Doch in den vergangenen Jahren kam auch Kritik auf, weil nicht jedem die realisierte Bauweise neuer Häuser gefiel. Foto: be

Regeln für Idylle am Lösegraben

Lüneburg. Idyllisch gelegen am Lösegraben in direkter Nähe zur historischen Innenstadt ist das Quartier zwischen Bockelmannstraße, Lüner Damm und Altenbrückerdamm. Um den Charakter des Viertels zu bewahren und gleichzeitig eine angemessene Verdichtung zu ermöglichen, hat die Stadtverwaltung in den vergangenen drei Jahren einen Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Der enthält darüber hinaus Festsetzungen zum Schutz des FFH-Gebietes entlang dem Lösegraben sowie Vorgaben im Sinne des Stadtklimas. Die Mitglieder des Bauausschusses lobten die Arbeit der Verwaltung und empfahlen dem Rat, den Bebauungsplan „Altenbrückerdamm/Lüner Damm“ als Satzung zu beschließen. Der Rat tagt am Donnerstag, 29. August, ab 17 Uhr in der Christianischule.

Gartenhäuschen sind jetzt tabu

Drei Jahre ist es her, dass Bau- sowie Verwaltungsausschuss die Aufstellung des Bebauungsplanes beschlossen hatten. Gleichzeitig wurde eine zweijährige Veränderungssperre verhängt, die im vergangenen Jahr noch einmal verlängert wurde und im Juli nun ausgelaufen ist.

In einem ersten Schritt unternahm die Bauverwaltung eine detaillierte Bestandsanalyse, es folgte eine frühzeitige Bürgerbeteiligung. In Folge dessen wurden ein von der Unteren Naturschutzbehörde gefordertes Pflege- und Unterhaltungskonzept für das FFH-Gebiet – ein Schutzgebiet, das nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurde – in den Entwurf des Bebauungsplanes eingearbeitet, ebenso wie Maßnahmen, die sich aus einem teilräumlichen Klimagutachten ergaben und die zur Abkühlung der Innenstadt beitragen können, erläuterte Matthias Eberhard, Bereichsleiter Stadtplanung, im Ausschuss.

Folgendes ist nun im Bebauungsplan unter anderem festgesetzt:
■ Nebenanlagen wie Gartenhäuschen und Stege sind im Uferbereich unzulässig. Vorhandene haben Bestandsschutz, wenn sie marode sind, dürfen sie aber nicht ersetzt werden.
■ Oberflächenwasser muss auf den Grundstücken versickern, Einleitungen in den Lösegraben sind verboten.
■ Der Gehölzbestand ist zu erhalten und muss bei Abgang durch standortheimische Gehölze ersetzt werden. Entlang dem Lösegraben ist die Bepflanzung eines 5 bis 12 Meter breiten Streifens bindend.
■ Nördlich der Parkstraße sind zwei Vollgeschosse zulässig, im übrigen Gebiet drei Vollgeschosse. Sattel- und Walmdach orientieren sich an dem Vorhandenen. Die Traufhöhen bewegen sich zwischen 7,5 und 11 Metern, die Firsthöhen zwischen 13 und 15 Metern.
■ Mit Blick auf das Stadtklima sind Flachdächer nur ausnahmsweise zulässig, wenn sie mindestens einen 12 Zentimeter starken Substrataufbau haben.
■ Außenwandflächen ohne Öffnungen sind ab 30 Quadratmeter zu begünen.
■ Nicht überbaute Tiefgaragen müssen einen mindestens 50 Zentimeter starken Substrataufbau haben. Bei offenen Stellplätzen muss mindestens 50 Prozent der Fläche wasserdurchlässige Belege haben, und für je vier Stellplätze ist ein Laubbaum zu pflanzen.

Zahl möglicher Neubauten wird geprüft

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus-Dieter Salewski wollte wissen, ob mit dem Bebauungsplan so etwas „wie der weiße Bau“ am Lüner Damm verhindert werden könne. Laut Eberhard ginge das nicht, wenn denn das Flachdach begrünt werde. Stefan Minks (SPD) wollte wissen, wie viele Häuser durch Nachverdichtung entstehen könnten. Die Verwaltung werde das aufgrund der genauen Bestandsaufnahme berechnen und dem Protokoll hinzufügen, sagte Stadtbaurätin Heike Gundermann. Sehr zufrieden mit dem Bebauungsplan sei auch der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt, machte dessen Vorsitzender Christian Burgdorff deutlich.

von Antje Schäfer

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