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Viel gerechnet worden ist für die Arena Lüneburger Land. Inzwischen liegen drei geprüfte Statiken vor. Ursache sind Änderungswünsche im Laufe der Planung. (Foto: t&w)

Eine Arena, drei Statiken

Lüneburg. Die Sitzung des Hochbauausschusses am Mittwoch Nachmittag lieferte schon mal einen Vorgeschmack auf den Sonderkreistag am Freitag zur Arena Lüneburg Land. Mit den Worten „Das hebt Euch für Freitag auf“ unterband Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) ein Wortgefecht zwischen SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp und Detlev Schulz-Hendel (Grüne).

Während der Grüne auch weiterhin „erhebliche Irritationen bei einigen Abgeordneten“ ausgemacht hat und sich zwei Tage vor der Kreistagssitzung noch fragt, „wie belastbar die jüngsten Zahlen eigentlich sind?“, attestierte Kamp dem Projekt nach einem verpatzten Start „das höchste Maß an Transparenz, dass ich bisher bei einem Vorhaben des Kreises erlebt habe“. Zudem habe er vollstes Vertrauen in die neue Projektleitung und die Reese Baumanagement GmbH, die sämtliche Abläufe und Daten auf den Prüfstand gestellt hat.

Das Unternehmen kommt zu dem Ergebnis, dass ab Anfang Oktober auf der Baustelle wieder gearbeitet werden kann, eine Fertigstellung im ersten Halbjahr 2021 zu einem Preis von 23 Millionen Euro realistisch ist. Im Laufe der Sitzung erläuterte Geschäftsführer Gereon Raab, dass rund 70 Prozent der Kosten belastbare, mit Angeboten hinterlegte Zahlen seien. Die verbleibenden 30 Prozent der Kosten habe sein Unternehmen auf Grundlage eines breiten Marktindexes ermittelt. Von daher seien auch diese Daten belastbar.

Laut Raab sind in die ermittelten Kosten auch Risiken eingepreist, „die nicht unbedingt eintreten müssen“. Daher sei es möglich, dass der Kostenrahmen nicht ausgeschöpft wird.

70 bis 75 Prozent der Ausführungsplanung erbracht

Ein weiteres Thema war die Geschichte der Deckentraglast, in der Diskussion oft auch Statik genannt. Reese-Mitarbeiter Roland Wittkopf zeichnete in dem Ausschuss ein chronologisches Bild der Irrungen und Wirrungen der vergangenen drei Jahre. Demnach gibt es inzwischen drei geprüfte Statiken. Die erste Tragwerksplanung stammt aus dem Dezember 2016 und war noch von dem Lüneburger Investor Jürgen Sallier in Auftrag gegeben worden. Den „grünen Frosch“ des Prüfstatikers erhielt diese Planung im Oktober 2017.

Zwischenzeitlich hatte Sallier Arena-Grundstück und -Planung an den Landkreis verkauft. Daraus schlussfolgert Wittkopf, dass das Architektenbüro Bocklage und Buddelmeyer bei der Planung die Leistungsphasen 1 bis 4 der Honorarordnung für Architekten- und Ingenieurleistungen erfüllt („sonst gäbe es keine Baugenehmigung“) und auch 70 bis 75 Prozent der Ausführungsplanung erbracht hat („sonst gäbe es keine geprüfte Statik“).

In der Folge hatte laut Wittkopf der erste potenzielle Betreiber, der Hamburger Konzertveranstalter FKP Scorpio, Nachbesserungswünsche in Form einer Erhöhung der Deckentraglast. Oft genannt werde der Wert
29 40 Tonnen. Dieser sei zwar korrekt, beziffere die Gesamttraglast, nicht aber das Gewicht der Technik, die unter die Decke gehängt werden könne. „Dieses beträgt 7,5 Tonnen und soll auch die oft zitierten Konzerte von James Blunt ermöglichen“, so Wittkopf. Auch diese erste Änderung sei geprüft.

7,5 Tonnen an jedem Punkt der Hallendecke

Die zweite Änderung resultiert in der Reese-Chronologie aus einer vielköpfigen Sitzung im Dezember 2018 – mit dabei Campus-Geschäftsführer Klaus Hoppe. Dieser hatte zuvor den Zuschlag als Betreiber erhalten, nachdem FKP Scorpio im Frühjahr das Handtuch geworfen hatte. Die FKP-Änderungswünsche reichten Hoppe nicht weit genug. Er wollte die 7,5 Tonnen an jedem Punkt der Hallendecke aufhängen können, nicht nur in zwei vorgegebenen Ebenen.

Ob es tatsächlich einen konkreten Auftrag an den Statiker gab, der die Statik in der Folge nachbesserte, blieb in der Sitzung offen. Inzwischen ist auch diese dritte Variante der Statik geprüft. Dazu sagte Reese-Geschäftsführer Raab: Lediglich die Dokumentation sei noch abzuschließen. „Dies geschieht in der nächsten Woche.“ Und dann wird auch klar sein, ob es Anfang Oktober auf der Arena-Baustelle weitergehen kann. Darüber entscheidet der Kreistag am Freitag.

Die Sitzung des Kreistags beginnt am Freitag, 30. Oktober, um 15 Uhr in der Ritterakademie.

Antrag

Grüne fordern Prüfung

Zur Sondersitzung des Kreistags am Freitag, 30. August, hat die Fraktion der Grünen einen weiteren Antrag eingebracht. Darin fordern die Abgeordneten eine umfassende Prüfung durch das niedersächsische Innenministerium als Kommunalaufsicht. Einen Beschluss mit der entsprechenden Bitte soll der Kreistag bei seiner Sitzung verabschieden.
Zur Begründung sagt Grünen-Fraktionschefin Petra Kruse-Runge: „Nach einem Desaster dieser Größenordnung können und wollen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ Und weiter: „Wir halten das Eingreifen der Kommunalaufsicht für zwingend. Sonst bleibt zuviel unklar und damit eine schwere Hypothek für jede weitere Zusammenarbeit.“

Mögliche disziplinarrechtliche Konsequenzen für Landrat Manfred Nahrstedt und den Ersten Kreisrat Jürgen Krumböhmer sollen nach erfolgter Prüfung ebenfalls durch das Innenministerium bewertet werden. Zudem sieht der Antrag der Grünen vor, dass über die Einschaltung eines Fachanwalts entschieden wird, wenn die Prüfungsergebnisse vorliegen.

Von Malte Lühr

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