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Königin mit Herz für Kinder

Lüneburg. 16.15 Uhr, die letzten Legosteine sind in der Kiste verstaut, Feierabend für Leonie Laryea. Zum Abschied klatscht sie sich mit den Grundschulkindern a b, die von ihren Eltern abgeholt werden. Seit Juni betreut die 19–Jährige Erzieherin im Hort „Die Rübe“ in der Grundschule Hasenburger Berg die Schildkröten-Gruppe. Dass sie ihren Job liebt und die Kinder sie, das merkt man sofort. Erzählt die frisch gebackene Amelinghausener Heidekönigin von ihrer Arbeit, leuchten ihre Augen.

„Die Kinder nehmen mich einfach so, wie ich bin. Sie sind so sensibel, dass sie sofort spüren, wenn ich einen schlechten Tag habe und sie versuchen dann mich zum Lachen zu bringen. Ich mag ihre Leichtigkeit, die Fähigkeit, sich über die ganz kleinen Dinge zu freuen“, schwärmt sie. „Und jetzt fiebern natürlich alle richtig mit.“ Natürlich sei die Arbeit oft auch anstrengend, zehre an den Nerven, „aber ich kann nicht in Worte fassen, was Kinder einem geben“, sagt Leonie Laryea voller Rührung. „Jedes Kind ist anders, jedes ein eigenes I-Tüpfelchen.“

Erste dunkelhäutige Heidekönigin

Ihr Berufswunsch stand für Laryea von Kindesbeinen an fest. „Für alle war immer klar, dass ich mal Erzieherin werde“, erinnert sie sich. Bereits in der Grundschule äußerte Leonie Laryea auch den Wunsch, eines Tages die erste dunkelhäutige Heidekönigin zu werden.

Das ganze vergangene Jahr habe sie damit geliebäugelt, sich aufstellen zu lassen, alle Aktivitäten ihrer Vorgängerin Mona Otto in den sozialen Medien verfolgt. Ihre Hautfarbe habe dabei für sie keine Rolle mehr gespielt. Das Thema werde für ihren Geschmack breiter getreten, als es ist. „Ich möchte für ein weltoffenes Amelinghausen stehen, so wie ich es selbst erlebt habe, ein Amelinghausen, in dem ich mich immer willkommen gefühlt habe. Wenn meine Hautfarbe dazu beiträgt, dann ist das gut, ich möchte aber nicht darauf reduziert werden“, sagt die Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers.

„Die Kinder nehmen mich so, wie ich bin“

„Es sind im Hort viele Eltern auf mich zugekommen, die gesagt haben, dass Schwarz oder Weiß doch heute kein Thema mehr sei, ähnliche Worte fand der Landtagsabgeordnete Detlev Schulz-Hendel. Das fühlte sich gut an.“ Leonie Laryea ist in Amelinghausen groß geworden und bringt sich ehrenamtlich dort ein: Sie ist aktiv in der Landjugend Amelinghausen, engagiert sich in der katholischen Kirche. Schon mehrfach war sie beim Kinderferienprogramm und beim Sternensinger-Projekt dabei. In diesem Jahr wird sie zum vierten Mal die Kirchenfreizeit nach Taizé begleiten. „Meine Mutter arbeitet in der Kirche“, erklärt Leonie Laryea ihren starken Bezug. „Aber ich konnte immer frei entscheiden, ob ich mitmachen wollte. So habe ich für mich ganz viele schöne Dinge in der Kirche entdeckt.“

Die Heidekönigin liebt das Landleben, bezeichnet sich selbst als Dorfkind. „Ich habe uns in Amelinghausen als eine Gemeinschaft erlebt, in der jeder sein darf, wie er ist und einbringt, was er kann.“ Gerade wegen der positiven Erfahrungen, die sie selbst dort gesammelt hat, ist sie glücklich darüber, ihre Heimatgemeinde nun ein Jahr lang bundesweit repräsentieren zu dürfen. „Ich freue mich darauf, viele Erfahrungen für mich persönlich mitzunehmen und tolle neue Leute kennenzulernen“, so die Amelinghausenerin.

„Amelinghausen ist einfach Heimat“

Auf zwei Termine freut sie sich besonders: „Die größten Gänsehautmomente werden für mich sicher der Herbstmarkt in Amelinghausen und das Dorffest in Dehnsen. Amelinghausen ist einfach Heimat, und in Dehnsen habe ich sowas wie eine zweite Familie, auch dort kenne ich viele Leute und fühle mich da wie zu Hause. Von den Menschen empfangen zu werden, die mir wirklich am Herzen liegen, das wird großartig und sicher auch tränenreich.“ Freunde und Familie sind Leonie Laryea sehr wichtig. Angst davor, dass sich jemand in dem turbulenten Jahr, das vor ihr liegt, vernachlässigt fühlen könnte, hat sie aber nicht, denn: „Meine Familie ist sehr stolz, und alle engen Freunde stehen voll und ganz hinter mir.“

Von Lea Schulze

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