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Interessiert lauschen die Teilnehmer der Themenführung am Marktplatz Cornelia Siebert. Auch das Standesamt im Hintergrund hat in der Serie bereits eine Rolle gespielt. Foto: heu

Auf den Spuren der Stars

Lüneburg. Der Sommer gibt noch einmal alles. Viele nutzen den ausklingenden August für einen Besuch in der Hansestadt. Stadtführungen haben in diesen Tagen Hochsaison in Lüneburg. Für Fans der Telenovela „Rote Rosen“ ist die Themenführung, die zu bekannten Außendrehorten führt, ein Muss. Hier vermischen sich Realität und Fiktion.

„Der Lunabrunnen – hier wurde schon geküsst und demons­triert. Hier treffen sich Carla und Merle, wenn sie vom Einkaufen kommen“, beginnt Cornelia Siebert. Wie die meisten Führungen startet auch die Rote-Rosen-Tour auf dem Marktplatz. Zuvor hat die Stadtführerin den 19 Teilnehmern bereits ein wenig auf den Zahn gefühlt: Alle sind freiwillig dabei, auch die sieben Männer. Viele kommen von weit her, die meisten schauen die Serie regelmäßig, manche bereits von Anfang an.

„Die geht sogar mit Ihnen ins Café, die hat Größe“

„Rote Rosen ist das Beste, was Lüneburg passieren konnte“, findet die Stadtführerin. „Jeden Tag 50 Minuten kostenlose Werbung.“ Besonders die Luftaufnahmen lassen so manchen Zuschauer beim Zappen hängenbleiben. Die werden seit einigen Jahren mithilfe einer Drohne gemacht, weiß Cornelia Siebert. Die Themenführung mischt auf charmante Weise Lüneburger Stadtgeschichte mit Serien-Interna und Anekdoten. So verrät Siebert beispielsweise, dass Brigitte Antonius alias Johanna Jansen häufig in der Stadt anzutreffen sei und sie sich häufig auch Zeit für einen Plausch mit ihren Fans nehme. „Die geht sogar mit Ihnen ins Café, die hat Größe.“ Gerry Hungbauer sei häufig sonnabendvormittags auf dem Markt. Manche Besucher sind bereits seit einigen Tagen in der Stadt und enttäuscht, dass sie noch keinem ihrer Stars begegnet sind. Das mag daran liegen, dass das Team gerade drei Wochen Pause macht, bevor es mit den Dreharbeiten für die neue Staffel losgeht.

Sabrina hat sich die Führung zu ihrem 38. Geburtstag von ihrem Mann Markus (52) gewünscht. Das Paar aus der Nähe von Kassel genießt ein paar Urlaubstage in Lüneburg. Seit sie vor drei Jahren krankheitsbedingt zu Hause war, schaut die Frau aus Hessen die Serie. Zwei Teilnehmer sind extra aus München angereist. Nicht ganz so weit hat es das Ehepaar aus Bad Zwischenahn, das in diesem Jahr seine goldene Hochzeit feiert.

Mehr als nur Drehorte zeigen

„Was glauben Sie, wer am Ende das Rennen um Leonie machen wird: Dominik oder Laurenz?“ Cornelia Siebert bezieht die Teilnehmer stets mit ein. Sie hat gar keine andere Wahl, als die Serie regelmäßig zu schauen, denn sie muss immer auf dem neuesten Stand sein. Vor der Leistung der Schauspieler, die unter hohem Zeitdruck stehen und enorme Mengen Text lernen müssen, hat sie Hochachtung. Nach einer Runde ums Rathaus geht es weiter Richtung Altstadt. Auch hier kommt Lüneburgs Geschichte nicht zu kurz, beispielsweise wenn es um das Salz geht. Die Stadtführerin möchte mehr als nur Drehorte zeigen: Sie will die Gäste für die schönen Ecken Lüneburgs sensibilisieren. In den teils engen Gassen der Altstadt steht die große Gruppe auch mal im Weg, wenn Anwohner passieren möchten. Nicht alle Lüneburger sind begeistert vom Rote-Rosen-Tourismus.

Wasserviertel bildet den krönenden Abschluss

Die Stufen von St. Michaelis – wer ist hier nicht schon alles rauf- und runtergegangen? Hartgesottene Fans haben zu jeder Szene das passende Zitat auf den Lippen. Der Verlauf der Führung sei nicht immer gleich, erläutert Siebert. Sie passe die Route dem aktuellen Stand der Serie an. Der Rathausgarten darf nicht fehlen. „Hier hat Torben einmal eine Rose für Carla gestohlen – erinnern Sie sich?“ Das Wasserviertel bildet schließlich den krönenden Abschluss. Nahezu alle Elemente des aktuellen Vorspanns wurden hier gedreht. Ob Brausebrücke, Kaufhausbrücke oder das Haus mit der blauen Tür am Fischmarkt – da gibt es für jeden etwas wiederzuerkennen.

Ein kurzer Gang durch das Hotel Bergström, das in der Serie „Drei Könige“ heißt, ist ebenfalls fester Bestandteil der Führung, auch wenn die Innenaufnahmen ausschließlich im Studio gedreht werden. Und wer nach diesen zwei Stunden noch nicht genug Rote-Rosen-Duft geschnuppert hat, dem bleiben ja immer noch eine Studioführung oder der nächste Fantag im kommenden Jahr.

Von Ruth Heume