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Die Deckenmalereien und das rekonstruierte Geländer machen das Hansekontor zum Hingucker. Foto: t&w

Im Hansekontor blicken alle nach oben

Lüneburg. Es könnte durchaus sein, dass Politiker in Ausschusssitzungen oder Teilnehmer von Empfängen in diesem Raum nicht anders können, als immer wieder an die Decke zu schauen. Denn das Tonnengewölbe des ehemaligen Magazins des Stadtarchivs ist mit Malereien überaus reich dekoriert. Im Rahmen der Sanierung des Raumes kam es wieder zum Vorschein und macht das Hansekontor zum Schmuckstück, das öffentlich zugänglich ist. Am Montag wurde es von Oberbürgermeister Ulrich Mädge im Beisein von Vertretern aus Politik, Verwaltung und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) eröffnet.

Modernste Technik eingebaut

In dem Gebäudeteil des alten Rathauses, das Ende des 13./Anfang des 14. Jahrhunderts entstand, war einst die Ratsküche untergebracht. „1895 wurde der wissenschaftliche Bibliotheksgehilfe Dr. Wilhelm Reinecke eingestellt, um die Archivbestände zu erschließen. Bald konnte er 12000 Originalurkunden vorlegen. Die damaligen Archivräume waren zu eng, deshalb gab die Stadt den Bau eines neuen Stadtarchivs in Auftrag, der 1899 fertiggestellt wurde“, erläuterte Stadtarchäologe Prof. Dr. Edgar Ring. Das Raumprogramm habe Reinecke selbst entwickelt, der aus Lüneburg stammende Künstler Eduard Schröder habe Entwürfe gefertigt. „Die Ausmalung der Gewölbetonne und der beiden Giebelwände nimmt immer wieder Bezug auf die historische Raumausstattung des Lüneburger Rathauses.“ So finde zum Beispiel das Rankenwerk sein Vorbild in der Gerichtslaube wie auch die acht Berufsstände in der Tracht der Renaissance, die an der Westwand der Gerichtslaube zu finden sind.

Wunderschöner Terrazzo-Fußboden

Raumhohe Metallregale und eine Stahlbetondecke, unter der sich die Deckenmalerei verbarg, fand der Hamburger Architekt Lenart Hellberg vor, als sein Büro 2006/2007 einen Masterplan für die Sanierung des kompletten alten Rathauses in vielen Baubschnitten erstellte. In der Stahlbetondecke, die in den 1960er-Jahren zur statischen Festigung des Raumes eingezogen war, sei eine Lücke gewesen, sodass man die Pracht darunter entdeckte, berichtete Hellberg. Unter dem PVC-Boden fand sich ein wunderschöner Terrazzo-Fußboden.

Drei Jahre, nachdem das Stadtarchiv in das Gebäude der alten Landeszentralbank umgezogen war, begann man mit der Sanierung der Gebäudehülle. 2015 begann die Restaurierung des Tonnengewölbes und des Bodens. Beides sei in recht gutem Zustand gewesen. Rekonstruiert werden musste hingegen das Galeriegeländes, da es nicht mehr vorhanden war. Anschließend ging es an den Innenausbau, bei dem „sehr zurückhaltend auch Haustechnik und ein Akustik-Pendel eingebaut wurden“, so Hellberg. Modernste Technik sowie ein barrierefreier Zugang machen es nun möglich, dass der Raum für Sitzungen und Empfänge genutzt werden kann.

DSD-Gütesiegel ziert den Eingang

Der Name des Raumes begründet sich in den zahlreichen Wappen von Hansestädten, die sich in der Decke und in den Fenstern finden. Neu sind Banner mit weiteren Hansestädten, die die Wände zieren. Finanziert wurden diese mit einer Spende, die anlässlich des 65. Geburtstages von Oberbürgermeister Mädge zusammenkam. Mit 55 000 Euro hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Gewölbe- und Boden-Sanierung gefördert. Ortskurator Prof. Dr. Paul Georg Lankisch sagte, die Stiftung sei sehr stolz, ein so besonderes Gebäude fördern zu können. Ein DSD-Gütesiegel ziert nun den Eingang.

Fördermittel konnten außerdem von Bund und Land eingeworben werden. Bei Gesamtkosten von rund 1,3 Millionen Euro beläuft sich der Eigenanteil der Stadt auf 447.900 Euro.

Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, ist das Hansekontor in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet mit Info-Ständen der Stadtarchäologie, des DSD-Ortskuratoriums sowie des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt.

Von Antje Schäfer