Donnerstag , 24. Oktober 2019
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IGS Lüneburg
Martin Meier-Schütze ist kommissarischer Schulleiter der IGS Lüneburg. (Foto: t&w)

Erfolgreich gegen alle Widerstände

Lüneburg. Eltern hatten die Initiative ergriffen, unter dem Leitsatz „Eine Schule für alle“ waren sie angetreten, um in Lüneburg eine Gesamtschule zu gründen – gegen Widerstände, gerade von den Verfechtern des klassischen dreigliedrigen Schulsystems mit Haupt-, Realschule und Gymnasium. Doch letztlich war der Einsatz der Eltern erfolgreich, die Integrierte Gesamtschule (IGS) Lüneburg wuchs in Kaltenmoor heran und wird nun zehn Jahre alt. Die Anmeldezahlen waren von Anfang an hoch und sind es bis heute, obwohl es inzwischen zwei weitere Gesamtschulen im Landkreis gibt. Die LZ sprach aus Anlass des runden Geburtstags der ersten IGS mit Martin Meier-Schütze, kommissarischer Schulleiter, über die Entwicklung.

Seit zehn Jahren besteht die Integrierte Gesamtschule Lüneburg, seit 2014 sind Sie Teil der Gemeinschaft. Was hat Sie nach Kaltenmoor geführt?

Martin Meier-Schütze: Ich bin eher durch einen Zufall hier gelandet. Nachdem ich aus dem Auslandsschuldienst zurückgekehrt bin, habe ich eine neue Schule gesucht – und meine Wahl bis heute nicht bereut, bietet die IGS doch enorm viele Entwicklungsnotwendigkeiten aber gleichermaßen auch -chancen.

Was ist für Sie das Besondere an der Schulform?

An der IGS können die Kinder, die aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten und Kulturen stammen, gemeinsam lernen. Dadurch führen wir im Endeffekt das fort, was in der Grundschule bereits geleistet wird. Und wir sorgen auch für mehr Bildungsgerechtigkeit. Wir geben den Kindern ein sicheres Lernumfeld, indem wir ihnen Tutoren zur Seite stellen, die die Klassen in der Regel sechs Jahre lang leiten. Das sorgt für einen festen Bezugspunkt und längeres gemeinsames Lernen. Entscheidend ist, dass erst spät eine Schullaufbahnentscheidung getroffen werden muss.

Haben die Lehrer an der IGS eine speziell für diese Schulform geeignete Ausbildung? Letztlich sind die Anforderungen, die an sie gestellt werden, ja auch ganz andere als an einem reinen Gymnasium oder an einer Oberschule.

Leider gibt es für die Integrierte Gesamtschule als solche keine spezielle Ausbildung. Die Kollegen, die an unserer Einrichtung unterrichten, sind in etwa zur Hälfte für das Gymnasium, zur anderen für die Haupt- und Realschule oder die Förderschule ausgebildet. Den meisten Gymnasiallehrkräften gefällt es bei uns sehr gut.

Was macht für Sie den Reiz dieser Schulform aus?

Es gelingt uns immer mehr, den Schülern neben dem fachlichen auch ein soziales Lernen zu ermöglichen. Und es gelingt uns zunehmend, trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Heterogenität der Schülerschaft erfreulich positive Leistungserfolge zu erzielen. Nicht zuletzt die Ergebnisse der Abiturprüfungen in diesem und im vergangenen Jahr sind Beweis dafür, dass eine IGS auch eine leistungsstarke Schule ist.

Wie kann sie das erreichen?

Dadurch, dass wir in Kursen differenziert, dann aber auch im Klassenverband unterrichten. Wir wollen den Schülern eine große Bandbreite an Abschlüssen bieten und sind deshalb auch sehr froh, dass wir eine Oberstufe haben, denn die hat eine Sog-Wirkung in Bezug auf die Schüler der Mittelstufe. Zudem versuchen wir, auf unterschiedlichen Ebenen neben Förder- auch immer mehr Forderangebote zu schaffen, beispielsweise Zertifikate in den Fremdsprachen.

Müssen Sie denn um leistungsstarke Schüler kämpfen?

Wir haben immer schon leistungsstarke Schüler angezogen, weil sie hier eben ganz anders lernen können. Aber wir müssen uns seit der allgemeinen Umstellung auf G9 – also dem Abitur nach neun statt zuvor acht Jahren – schon stärker anstrengen. Bei uns gab es G9 ja schon immer, und viele Eltern haben auch immer schon gewusst, dass das für die Kinder der wohl bessere Weg ist. Letztlich haben aber die guten Abiturergebnisse, bei denen wir im Landesdurchschnitt lagen, gezeigt, dass bei uns das Erreichen eines sehr guten Abschlusses möglich ist.

Sehen Sie die neue IGS Kreideberg als Konkurrenz?

Nein. Wir hatten auch für dieses Schuljahr wieder viele Anmeldungen, so dass wir gar nicht alle Schüler aufnehmen konnten. Viele, die keinen Platz bei uns erhalten haben, haben wir an den Kreideberg weitergeleitet. Ich freue mich sehr, dass es diese Neugründung gibt, und wünsche der IGS Kreideberg auf alle Fälle viel Glück.

Die IGS Lüneburg feiert ihr zehnjähriges Bestehen in dieser Woche mit Projekttagen sowie mit zahlreichen Gästen am Donnerstag, 5. September, ab 13 Uhr.

Von Ute Lühr