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Lüneburg Fotografien von Timon Lucius Kuff (vorn) sind ab Sonntag im Gipsofen zu sehen. Mit ihm freuen sich auf die Ausstellung (v.l.) Erhard Veigel, Sibylle Wickbold und Lucas Löwegrün. (Foto: t&w)

Mikrowelten auf dem Kalkberg

Lüneburg. Timon Lucius Kuff zeigt eine seiner Fotografien, die ab Sonntag, 8. September, im Gipsofen am Lüneburger Kalkberg ausgestellt werden. Zu sehen ist eine Hottentottenfliege. Ein Moment, ein Schuss. Authentisch sollen seine Bilder sein, die Insekten so zeigen, wie sie sich gerade natürlich verhalten. Da kann es auch mal sein, dass ein Foto nicht ganz scharf ist. „So tun sich einem ganz neue Welten auf. Es gibt dem Betrachter das Gefühl der Unmittelbarkeit“, erklärt Kuff, der neben seiner privaten Leidenschaft des Fotografierens Kulturwissenschaftler an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg ist. Die Ausstellung seiner Fotos ist eine Premiere, der BUND will den Gipsofen jetzt häufiger für solche Zwecke nutzen. Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördert das bis Oktober 2020 mit 4040 Euro.

Seit 26 Jahren lebt Kuff schon in Lüneburg, er mag „das kleine Städtchen“. Der Kalkberg habe eine ganz besondere Atmosphäre und biete einige Überraschungen, sagt Kuff, der weniger gern über sich selbst und viel lieber über die eigentlichen Stars der Ausstellung – die Insekten – ­spricht. Auch stößt er sich daran, seine Ausstellungsstücke als Kunst oder sich selbst als Künstler zu bezeichnen. Aber sein Wissen über Insekten kann er nicht verstecken. Hier ein Igelkäfer, da eine punktierte Zartschrecke und eine Tapezierspinne. Er kennt sie alle, da er sich als junger Mann über mehrere Jahre mit Insektenkunde beschäftigt hat.

„Der Kalkberg ist schon besonders“

Neben der ästhetischen Betrachtung der Insekten, wird in der Austellung, wenn auch nur dezent und nicht appellativ, Artensterben und Klimawandel thematisiert. „Die ökologische Komponente spielt natürlich auch eine Rolle. Viele der hier lebenden Tiere stehen auch auf der Roten Liste, sind also vom Aussterben bedroht“, erklärt Sibylle Wickbold, Kulturwissenschaflerin und Leiterin des Bereichs Umweltbildung in der BUND-Zweigstelle Kalkberg. Sie hat die Ausstellungsreihe im Industriedenkmal, dem alten Gipsofen, mitkonzipiert und freut sich auf die Eröffnung mit Kuffs Galerie „Micro Mountain“ – zu Deutsch Mikroberg.

Der Kalkberg sei schon besonders, sagt sie. Vier verschiedene Lebensräume auf einer relativ kleinen Fläche. Hier ein Feuchtbiotop mit Schilfflächen und Sumpfzonen, dort Trockenrasengesellschaften. Und der basische Untergrund lasse Pflanzen gedeihen, die in dieser Region sonst nicht vertreten sind. Zwei Jahre lang hat Kuff die Mikrowelt auf dem Kalkberg beobachtet und meist im Vorübergehen, ganz unbefangen und ohne große technische Vorplanung, seine Begegnungen bildlich festgehalten. Und er habe Fremdes wieder vertraut machen können, sagt er ganz poetisch.

„Micro Mountains“ ist bis zum 3. Oktober im alten Gipsofen, Beim Kalkberg 7, zu sehen.

Von Natalia Leipholz