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Mit dem Bau eines Grillplatzes an der Elbe wollte die Landjugend Radegast etwas Gutes für die Dorfgemeinschaft tun. Der Standort war mit Biosphärenratsverwaltung und Stadt Bleckede abgestimmt, dennoch hat eine Bürgerinitiatve Beschwerde eingelegt. (Foto: t&w)

Projekt fürs Dorf oder Umweltsünde?

Radegast. Ihr Dorf ein bisschen schöner machen – genau das wollte die Landjugend Radegast, als sie Ende Mai im Auftrag der Stadt Bleckede am Elbstrand eine Grillanlage für Jedermann baute. Kritik kommt nun von der Bürgerinitiative Elbtalschutz: Der Grillplatz sei illegal, sagen die Umweltschützer.

Sie haben geschleppt, geschwitzt und gemauert – drei Tage lang packten die Jugendlichen der Landjugend Radegast im Mai kräftig an und bauten einen neuen gemeinschaftlichen Grillplatz am Elbstrand. Dort, wo schon seit Jahren immer wieder wild gegrillt wurde, setzten sie ein Betonfundament, mauerten eine Grillstelle und errichteten Sitzbänke. Die Arbeiten waren Teil der so genannten 72-Stunden-Aktion, welche regelmäßig von der Niedersächsischen Landjugend organisiert wird. Die Idee: In Abstimmung mit Vertretern der Städte oder Gemeinden, schaffen die Jugendlichen etwas Nachhaltiges für ihr Dorf und stärken damit die Gemeinschaft.

„Grillanlage bitte dort, wo es legal ist“

„Einfach mal machen“, lautete das Motto in diesem Jahr. Dass es oft aber nicht „einfach mal“ zu gehen scheint, beweist nun eine Debatte, die die Rechtmäßigkeit der Grillanlage in Frage stellt. Denn was die einen als neuen Gemeinschaftsplatz loben, rügen andere als Umweltfrevel. Zu den anderen gehört in diesem Fall auch Werner Schulze von der Bürgerinitiative Elbtalschutz. Er schätzt das Engagement der Jugendlichen, kritisiert aber die Stadt Bleckede und das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue für die Wahl des Standortes. „Es gibt keine Gesetzesgrundlage, die das erlaubt. Wir werfen den handelnden Personen vor, sich rechtswidrig verhalten zu haben“, sagt Werner Schulze.

Konkret geht es dem Umweltschützer um die Betonbaumaßnahmen und Mauerarbeiten, die seiner Meinung nach nicht hätten genehmigt werden dürfen. Denn laut dem Gesetz über das Biosphärenreservat „Niedersächsische Elbtalaue“ sei es im betreffenden Schutzgebiet C zwar erlaubt und erforderlich Feuerstellen auszuweisen, Bauarbeiten mit Beton und Mauerstein sieht Schulze damit aber nicht gerechtfertigt. Eine Grillanlage sei grundsätzlich zwar eine gute Idee, „aber bitte dort, wo es auch legal ist“.

Streit könnte sich hinziehen

Den Rummel um die neue Grillanlage kann Dr. Johannes Prüter, Leiter des Biosphärenreservats, nicht ganz nachvollziehen. „Wir haben laut Gesetz die Möglichkeit, dass wir an bestimmten Stellen im Schutzgebiet Feuerstellen benennen können“, erklärt Prüter. Mit der Bitte um eine solche Benennung, habe sich die Stadt vor einigen Monaten an das Team des Biosphärenreservats gewandt. Man entschied sich für die entsprechende Stelle im Schutzgebiet C. Mit gutem Grund, wie Prüter erklärt: „Es ist ein ohnehin schon sehr belebter Platz. Aus Naturschutzsicht ist er gut gelegen und viel besser geeignet als viele andere Bereiche.“ So liege der Erholungsbereich für Fußgänger und Autofahrer gut erreichbar nah an den Verkehrswegen. „Besucher müssen nicht durch das geschützte Gebiet laufen. Wir haben damit eine Möglichkeit geschaffen, die freie Landschaft zu entlasten“, so Prüter. Außerdem habe die Stadt die Auflage bekommen, die Anlage im Blick zu behalten und dafür zu sorgen, dass der Platz sauber bleibt.

„Aus Sicht des Naturschutzes ist der Platz gut gelegen und viel besser geeignet als viele andere Bereiche.“
Johannes Prüter, Biosphärenreservatsverwaltung

Das bestätigt auch Tim Conrad, Bauamtsleiter der Stadt Bleckede. Weiter erklärt er, „wir brauchen in diesem Fall keine Baugenehmigung. Was untergegangen ist, ist aber eine wasserschutzrechtliche Genehmigung“. Diese werde nun im Nachgang beantragt. „Wir werden dieses Fehlen heilen und haben bereits Kontakt mit der entsprechenden Stelle aufgenommen.“ Alle anderen Genehmigungen sowie ein Nutzungsvertrag zwischen Stadt und Biosphärenreservat seien rechtmäßig beantragt, geprüft und erteilt worden.

Das wird Schulze und seinen Mitstreitern wohl nicht reichen. Sie haben Beschwerde beim Niedersächsischen Umweltministerium eingereicht. So dauert der Streit um die Grillanlage womöglich länger. Doch auch wenn die Standortwahl des Grillplatzes für hitzige Debatten sorgt, in einem sind sich alle Parteien einig: Das Engagement der Jugendlichen ist lobenswert und sollte weiterhin gefördert werden.

Von Anke Dankers