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Die Parade hat der Kaiser gerade abgenommen, als er auf das Publikum zugeht und die Zuschauer begrüßt. Foto: ki

Kaiserlicher Besuch in der Kurstadt

Bad Bevensen. Zum 12. Mal hieß es in der Kurstadt jetzt „Der Kaiser kommt“, doch diesmal war vieles anders als sonst bei der Nachstellung der historischen Ereignisse. Der Kaiser kam nicht am Bahnhof an, um zur Jagd in die Göhrde weiterzufahren, sondern wollte nach Ende der Jagd wieder nach Berlin. Der Verein gleichen Namens organisierte die Veranstaltung erstmals im Kurpark von Bad Bevensen, moderiert von Hauptmann Manfred Schulze. „Es geht viel verloren, wenn wir nicht mehr über Zeitgeschichte sprechen“, sagte er. Hunderte Gäste erlebten – bis auf einen kleinen Regenschauer – einen sonnigen Tag und ein umfangreiches Programm bei freiem Eintritt.

Viel Lob für den veranstaltenden Verein

Zwei Besuche des Deutschen Kaisers in der Göhrde sind dokumentiert aus den den Jahren 1871 und 1872. Darauf basiert die Veranstaltung. Bevor das Kaiserpaar mit der Kutsche am Kurhaus vorfuhr, stand der König von Hannover im Blickpunkt. Er habe die beschwerliche Reise gemacht, um Anerkennung zu zeigen, versicherte der König, ehe er die Parade abnahm und die Zuschauer begrüßte. Als der Kaiser und die Kaiserin mit der Kutsche eintrafen, wurden sie von der stellvertretenen Bürgermeisterin Gabriele Meyer begrüßt. Launig merkte sie an, dass es in der damaligen Zeit eigentlich undenkbar gewesen wäre, dass eine Frau zur „Begrüßung“ antritt. Sie dankte dem Verein, der mit viel Fleiß die Nachstellung des Ereignisses vor dem geschichtlichen Hintergrund organisiert hatte. Wer die Vergangenheit nicht kennt, könne die Gegenwart nicht verstehen, und wer die Gegenwart nicht verstehe, könne die Zukunft nicht gestalten, zitierte sie ein Sprichwort.

Neben den angetretenen „Soldaten“ in ihren historischen Uniformen sorgte auch die Jägerkompanie der Bevenser Gilde für ein beeindruckendes Gesamtbild. Nach der Meldung von Oberleutnant Diethelm König an seine Majestät wurde der Präsentiermarsch gespielt. Bei der Parade ging der Kaiser auch auf die Zuschauer ein, suchte mit einigen das Gespräch und schüttelte manche Hand. Der kaiserliche Forstmeister erstattete Bericht an den Kaiser über das erlegte Wild in der Göhrde. Darunter seien auch drei stattliche Hirsche gewesen.

Demonstrantinnen werden begnadigt

Im Kurpark gab es dann jede Menge Aktionen. Mit dabei die Altmarksänger mit Liedern zum Mitsingen. Es gab Tanzdarbietungen und Fechten sowie Angebote für Kinder. Bei einer „Demonstration“ forderte eine Gruppe Damen das Wahlrecht für Frauen – und wurden dafür prompt verhaftet. Die Feuerwehr Rosche-Prielip demonstrierte mit einer Handdruckspritze von 1886, wie zu Kaisers Zeiten ein Brand gelöscht wurde.

Gemeinsam musizierten erstmals die Buker Husaren und die Heidedragoner auf der Kurhausbühne. Dafür gab es vom Kaiser ein Lob: „Wir sind total überrascht, solche Musik im Kurpark zu hören, eine so große Musikgruppe hat es hier noch nie gegeben. Mit im Repertoire: der Ferbeliner Reitermarsch „Wir wollen unseren Kaiser Wilhelm wieder haben…“.

Am Ende wurde am Kriegerdenkmal von 1870/71 an der Kirche ein Kranz niedergelegt. Das Denkmal wurde zu Ehren von 30 aus dem Amt Medingen stammenden Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von Mitgliedern des Denkmalvereins und durch Spenden von Mitbürgern finanziert. Die vier Kanonen davor wurden im Krieg gegen Dänemark 1864 erbeutet. „Helm ab zum Gebet“ hieß es nun. Danach gab es noch eine Begnadigung: die zuvor abgeführten Demonstrantinnen wurden wieder freigelassen.

Von Gudrun Kiriczi