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Demokratische Schule
Alina Zilien findet, Kinder sollten selbst entscheiden können, was, wann, wie wo und mit wem sie lernen. (Foto: ap)

Die Schule, die nicht starten kann

Lüneburg. 30 Gebäude hat sich der Verein, der in Lüneburg die erste demokratische Schule gründen möchte, in den vergangenen Monaten angesehen. Die Ausbeute ist mager: „Wir haben fast jedes Gebäude ausschließen müssen, weil wir an den Anforderungen scheitern, die uns von Seiten der Behörde gestellt werden“, sagt Alina Zilien. Sie hat die Idee einer Schule, an der die Kinder selbst entscheiden sollen, was, wann, wie, wo und mit wem sie lernen, mitentwickelt.

Mit Aussagen, wann es losgehen kann, hält sich der Verein „Selbstbestimmt Lernen in Lüneburg“, der später der Schulträger sein soll, inzwischen zurück. Zu oft schon wurde der Start nach hinten verschoben. Denn: Ohne ein Grundstück oder ein Gebäude funktioniert es nicht.

Hohe Hürden durch behördliche Auflagen

„Wir suchen schon längst nicht mehr nur in Lüneburg, sondern auch in Reppenstedt und Adendorf. Inzwischen würden wir auch weiter aus dem Stadtgebiet rausgehen, schweren Herzens allerdings.“ Zilien sagt, dass die Immobilienlage umso schwieriger werde, je näher die Suche dem Stadtkern kommt. Probleme bereitet den Initiatoren vor allem die Zuwegung, so müssten Fußwege vorhanden und Ampeln in der Nähe sein, ebenso wie Bushaltestellen. „Theoretisch könnte die Schule auch in einem Wohngebiet entstehen. Da ist es aber schwierig, ein Grundstück zu finden, das gleichzeitig genug Parkplätze bietet.“

Es sind Hürden, die den Verein schon um einen attraktiven Standort gebracht haben, der eigentlich gesichert zu sein schien: Das ehemalige Schullandheim in Böhmsholz war lange Zeit Thema, weil die Verwaltung aber auf das Problem der Zuwegung aufmerksam gemacht hatte und sich da keine Lösung abzeichnete, zog der Verein die Bauvoranfrage zurück (LZ berichtete).

„Wir suchen schon längst nicht mehr nur in Lüneburg, sondern auch in Reppenstedt und Adendorf.“ – Alina Zilien, Mit-Initiatorin

Um das Projekt finanziell stemmen zu können, wünscht sich der Verein etwas, das langfristig gemietet oder gepachtet werden kann. Denn ein Kauf würde einen weiteren Kredit bedeuten und somit auch das Risiko erhöhen. „Wir brauchen ja schon einen Kredit für den laufenden Schulbetrieb.“

Im April hat der Verein die Stadt um Hilfe gebeten und nachgefragt, ob diese ein Grundstück zur Pacht zur Verfügung stellen kann. „Auch haben wir zwei konkrete Grundstücke benannt, bei denen wir herausgefunden haben, dass der Bebauungsplan dort Bildung vorsieht. Einmal handelt es sich um neu erschlossenes Bauland, die andere Fläche liegt in der Nachbarschaft der Berufsbildenden Schulen.“ Trotz der Ankündigung einer Mitarbeiterin aus dem Baudezernat, sich umgehend mit der Stadtbaurätin über die Nachfrage auszutauschen, sei nichts geschehen, sagt Alina Zilien.

Dreimal so viele Anfragen wie Plätze zur Verfügung stünden

Dafür, dass die Nachfrage „seit ihrem Eintreffen im Rathaus leider nicht so richtig Fahrt aufnehmen konnte“, bittet Pressesprecherin Suzanne Moenck um Entschuldigung. Die Stadt stehe dem Projekt positiv gegenüber und wolle versuchen, bei der Suche zu unterstützen. „Das Beste dürfte sein, der Verein und der Oberbürgermeister finden im Laufe des Monats einen gemeinsamen Termin, um den aktuellen Stand zu besprechen.“

Zu den beiden vorgeschlagenen Flächen sagt sie, dass es nahe der BBS eine Übereinkunft mit dem Landkreis gebe, diese erst einmal zurückzuhalten – für den Fall, dass einmal eine Erweiterung der Schulen nötig werden sollte. „In Wienebüttel müssten wir zunächst ganz dringend mit dem Bau von geförderten Wohnungen vorankommen.“

Am Interesse an dem geplanten Schulmodell mangelt es offenbar nicht. Es kämen laufend Anmeldungen rein, sagt Alina Zilien. „Wir könnten mit der dreifachen Menge an Kindern planen als wir Plätze haben.“

Nächster Schritt

Aufwendiges Verfahren

Sollte der Verein ein passendes Gebäude gefunden haben, wartet der nächste Berg Arbeit. Für das Genehmigungsverfahren benötigt die Landesschulbehörde unter anderem einen Eigentumsnachweis oder Mietvertrag, eine Beschreibung des Grundstücks, der Räumlichkeiten und Einrichtungen, genaue Angaben zu Anzahl, Art und Größe der Räume für den Schulbetrieb, Grundrisse, einen Lage-, Raum- und Fluchtwegeplan, Informationen zur Einrichtung und Ausstattung und eine Genehmigung der Bauaufsichtsbehörde für die Nutzung des Gebäudes für schulische Zwecke.

Von Anna Paarmann