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Achim Aschenbach leitet die Schulpsychologische Beratungsstelle der Landesschulbehörde. Der 54-Jährige und seine Kollegen haben ihre Büros An der Wittenberger Bahn. Foto: ca

Zuhören ist das Wichtigste

Lüneburg. In der Schule am Katzenberg in Adendorf hat neulich ein Jugendlicher einen Lehrer und andere Schüler mit einem gespannten Bogen bedroht. Die Sache ging glimpflich aus. Angeblich, so hieß es später in einem Schreiben von Eltern an die LZ, habe der Junge mehrmals in der Schule um Hilfe gebeten, weil er sich schlecht behandelt fühle. Bekommen habe er sie nicht. Unabhängig vom Einzelfall ein Anlass, mit dem Leiter des Dezernats Schulpsychologie der Landesschulbehörde in Lüneburg zu sprechen. Psychologe Achim Aschenbach nimmt Stellung.

Herr Aschenbach, in Adendorf steht der Vorwurf im Raum, der betreffende Junge habe keinen Ansprechpartner gefunden, der ihm weitergeholfen habe. Welche Möglichkeiten hat ein Schüler denn?
Achim Aschenbach: Erst einmal möchte ich sagen, nach unseren Erfahrungen hören Lehrer zu und sind aufmerksam, wenn sich Schüler an sie wenden. Mädchen und Jungen können sich an ihren Klassenlehrer wenden, dazu gibt es in vielen Schulen Beratungslehrer und Sozialarbeiter. Können sie das Problem nicht lösen oder glauben, dass es zusätzlicher Hilfe bedarf, können sie sich an den Schulpsychologischen Dienst wenden. Der Kontakt zu uns ist eng, auch weil wir diese Kollegen mit ausbilden.

Woran erkennt man denn einen Schüler, dem es nicht gut geht?
Es gibt da eine große Bandbreite. Jemand der beispielsweise vorher offen war, zieht sich zurück, bleibt in der Pause eher allein. Ein anderes Beispiel, und das fällt natürlich eher auf: Jemand sprengt ständig den Unterricht. Wichtig ist es zu hinterfragen, was die Ursache sein könnte: Ein Haustier oder gar ein Verwandter ist gestorben, da kann der Rückzug ein Ausdruck von Trauer sein. Vielleicht wollen die Eltern umziehen, der Schüler müsste Freunde verlassen. Darüber muss man mit demjenigen sprechen. Es kann sein, dass das Eltern nicht immer optimal gelingt, gerade wenn Jungen und Mädchen in der Pubertät sind. Dennoch ist es wichtig, das Thema ernst zu nehmen, auch wenn es in den Ohren eines Erwachsenen lapidar klingen mag. Es kann beitragen, eine spätere Eskalation zu vermeiden.

Gibt es ein bestimmtes Alter, in dem Schwierigkeiten auftreten?
Das kann man eigentlich nicht sagen. Im Prinzip kann es mit der Einschulung beginnen. Aber in den ersten beiden Grundschuljahren reicht in der Regel ein Gespräch mit dem Klassenlehrer.

Nun möchte ja nicht jeder mit den Ansprechpartnern in der Schule reden, oder er hat möglicherweise das Gefühl, da nicht weiterzukommen. Kann er sich an Sie wenden?
Ja. Das geht. Schüler, die noch nicht volljährig sind, bedürfen dazu die Einwilligung ihrer Eltern. Eine Ausnahme kann eine unmittelbare Gefahr sein, also wenn sich ein Schüler etwas antun könnte. In der Regel läuft der Kontakt dann über einen Lehrer oder den Schulsozialarbeiter. Unsere Beratungen sind kostenlos und vor allem vertraulich. Meine Empfehlung: Meldet euch lieber früh, bevor sich die Pro­bleme türmen.

Von Carlo Eggeling

Die Ansprechpartner

Hilfe für die Seele

Die Schulpsychologie ist Teil der Landesschulbehörde. Dort sind 19 Psychologen beschäftigt, einige in Teilzeit. Pro Jahr betreut ein Mitarbeiter zwischen 60 und 80 Schüler. Nicht nur die Schulen können sich an die Helfer wenden, auch Schüler und Eltern können das Angebot nutzen. Die Abteilung Lüneburg umfasst den alten Regierungsbezirk, also elf Landkreise im Nordosten Niedersachsens. Die Psychologen bieten Beratung vor Ort an, sie fahren beispielsweise auch nach Cuxhaven oder Lüchow. Weitere Informationen gibt es auf www.landesschulbehoerde-niedersachsen.de im Internet. Telefonisch zu erreichen ist das Amt unter (04131) 152222.