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Der Entwurf zeigt das zweigeschossige Gebäude, das an der Reichenbachstraße entstehen könnte. Skizze: Claassen

Neuer Anlauf für die Kunstgalerie

Lüneburg. Ein neues Entrée könnte der an der Reichenbachstraße gelegene Basteipark bekommen. Der Lüneburger Unternehmer Henning Jörg Claassen würde in dem kleinen Park gerne einen Neubau für eine Galerie errichten lassen, in der seine Sammlung internationaler Gegenwartskunst einziehen soll. Es ist ein Alternativ-Vorschlag zum Platz Am Werder, den Claassen Anfang März in den Blick genommen hatte. Damals hatten Mitglieder des Bauausschusses Sorge wegen der Bäume an jenem Standort. Fast sah es so aus, als wenn das Projekt an sich nicht zu realisieren sein werde. Doch zwei Wochen später zeigte sich der Kulturausschuss mehrheitlich begeistert von den Plänen – allerdings an einem anderen Standort.

Sammlung mit mehr als 500 Gemälden und Skulpturen

Eigentlich sei es eine Fügung, dass es mit dem Neubau am ursprünglich angedachten Standort wegen der Gefährdung des Baumbestandes nichts geworden sei, sagt Claassen heute. Denn für seine Kunstsammlung und mögliche Präsentationen sei der mit 200 Quadratmetern Fläche eigentlich zu klein gewesen. Mehr als 500 Gemälde und Skulpturen aus aller Welt zähle seine Sammlung, die er bei seinen Reisen in den vergangenen 40 Jahren zusammengetragen hat. Werke von Baselitz, Beuys, Christo, Müller-Stahl, Richter und Warhol gehören neben anderen dazu. Ein Teil befindet sich aktuell im Untergeschoss des „Alten Kaufhauses“, das Claassen inzwischen an die Dormero-Hotelgruppe verkauft hat.

Öffentlich für jedermann zugänglich machen möchte er seine Sammlung, hatte er bereits im März sein Anliegen begründet. Die „Stiftung Kunstsammlung Henning J. Claassen“ werde dabei sämtliche Kosten für den Neubau übernehmen und die Galerie betreiben.

Bei der Suche nach einem alternativen Standort habe unter anderem der Bauausschussvorsitzende Eberhard Manzke (CDU) die Bastei ins Spiel gebracht, berichtet Claassen. Kurios, dass gerade Manzke nun Bedenken wegen des Denkmalschutzes äußert (siehe Kasten). Claassen jedenfalls hatte daraufhin einen Entwurf für ein Gebäude in Auftrag gegeben. Auf einer Gebäudegrundfläche von 380 Quadratmetern sind danach zwei Geschosse geplant mit einer Gesamtausstellungsfläche von 600 Quadratmetern. Ins Erdgeschoss könnten Wechselausstellungen einziehen, eventuell auch von internationalen Künstlern. Die obere Etage wäre einer Dauerausstellung vorbehalten.

Politik müsste das Vorhaben absegnen

Das Gebäude zeichnet sich durch versetzte Wandbereiche aus, damit das Licht – trotz großer Glasfronten – nicht direkt auf die Ausstellungsstücke fällt. Inspiriert sei der Entwurf durch das Kunstmuseum Frieder Burda in Baden-Baden, erklärt Claassen, der überzeugt ist, dass sein Galeriebau die Eingangssituation des Parks aufwertet. Entsprechendes hat auch der anerkannte Landschaftsplaner Prof. Hinnerk Wehberg attestiert, den Claassen um eine Bewertung gebeten hatte. „Dieses Gebäude an diesem Punkt wäre ein großer Gewinn für die Stadt.“

Offen ist, was die Politik zu den Plänen sagt. Denn die müssen noch die Ausschüsse durchlaufen.

Von Antje Schäfer

Das sagen die zuständigen Ausschussvorsitzenden und die Stadt zu den Plänen

„Es bedarf vor allem Zeit“

Der Bauausschussvorsitzende Eberhard Manzke (CDU) war Tippgeber für den Basteipark. Er sagt: „Ich bin sehr erfreut, das Herr Claassen die Absage für den Werder jetzt positiv sieht und voller Elan für die Bastei einen sehr ansprechenden Entwurf hat fertigen lassen. Bleibt zu hoffen, dass auch der Denkmalschutz – die Bastei steht ja unter Ensembleschutz – zustimmt.“

Die Vorsitzende des Kulturausschusses Birte Schellmann (FDP) sagt: „Als ich die Pläne für die Galerie an diesem Standort sah, war ich hellauf begeistert, weil mir das Gebäude in seinen Proportionen, in seiner Aufteilung und seiner Transparenz im unteren Teil des Gebäudes sehr gefallen hat: die weiße Galerie wirkt so, als schwebe sie ein bisschen in der Parklandschaft und ist ein wunderbares Entrée an diesem nördlichen Eingang von Lüneburg. Ich habe den Eindruck, dass sich Herr Claassen auch der Aufgabe verpflichtet sieht, die Bastei erst wieder so richtig zur Geltung kommen zu lassen.“

Oberbürgermeister Ulrich Mädge wollte zu diesem Zeitpunkt nicht Stellung nehmen. Im März hatte er gesagt, es sei ihm ein Anliegen, die Sammlung Claassens in Lüneburg zu halten. Pressesprecherin Suzanne Moenck sagt nun, der Wunsch, im Basteipark eine Kunstgalerie zu realisieren, „ist bei uns im Haus bekannt. Bei der Fläche handelt es sich allerdings um ein hochwertiges Naturdenkmal, da wird es sicherlich nicht einfach, dort eine Galerie zu realisieren. Dafür bedarf es vieler Gespräche und vor allem Zeit.“