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Mühle Artlenburg
Rolf Twesten, Vorsitzender des Mühlenvereins, kontrolliert unter der Haube der Artlenburger Mühle die Reparaturarbeiten am Antrieb. (Foto: t&w)

Flügel sollen sich bald wieder drehen

Artlenburg. Plötzlich war die Blockade da. „Im Frühjahr hatten wir festgestellt, dass der Antrieb unserer Windmühle nicht funktioniert und die Flügel sich aus diesem Grund nicht mehr im Wind drehen können“, berichtet Rolf Twesten, Vorsitzender des Windmühlenvereins Artlenburg. Zwei Alternativen taten sich auf: Entweder die Mühle steht für immer still oder sie wird repariert. Inzwischen ist die Entscheidung gefallen, ein Großteil der Reparaturarbeiten sind schon beendet.

Ein kapitaler Schaden

„St. Nicolai Kirche und Mühle sind unsere Wahrzeichen. Deshalb muss sie sich drehen“, sagt Twesten nicht nur als Vorsitzender des Windmühlenvereins, sondern auch als Bürgermeister des Fleckens Artlenburg. Außerdem sei es Aufgabe des Vereins, sie in ihrer historischen Bauweise so zu erhalten, um der Öffentlichkeit das alte und traditionelle Müllerhandwerk zeigen zu können, zu dem vor allem das Getreidemahlen mit Windkraft gehört, betont er. „Darüber hinaus erfreuen sich immer mehr Menschen an dem Anblick, wie sich die Flügel im Wind drehen.“

Ein Mühlenbauer aus Winsen/Luhe nahm die Technik unter die Lupe und attestierte einen kapitalen Schaden. „Der Mühlenkopfkranz wurde in den vergangenen 20 Jahren um drei Zentimeter abgeschliffen, sodass die Zahnräder nicht mehr griffen und wegbrachen“, erläutert Twesten. Das hatte zur Folge, dass das ganze System zum Stehen kam.

26 neue Schleifklötze und zwei Zähne

Der Mühlenbauer erneuerte daher 26 sogenannte Schleifklötze aus Holz und schweißte zwei Zähne im Zahnkranz neu auf. Dafür musste er die Mühlenhaube anheben und das Windrosengetriebe um drei Zentimeter absenken. Die Windrose ist nötig, damit sich die Flügel gegen den Wind ausrichten und drehen.

Die Reparatur schlägt mit rund 10 000 Euro zu Buche, weitere 2000 Euro werden fällig für die Erneuerung der Außenbeleuchtung, die gleichzeitig auf sparsame LED-Technik umgestellt wird. „Die Kosten für die Restaurierung der Mühle kann der Verein ohne Hilfe nicht tragen. Allein für die laufenden Kosten einschließlich der Versicherungsbeiträge von mehr als 4000 Euro im Jahr sind wir mit den Beiträgen unserer 97 Mitglieder am Limit“, sagt der Vorsitzende.

6000 Euro vom Landkreis

Und so bat er beim Landkreis Lüneburg um eine Förderung in Höhe von 6000 Euro, die der Ausschuss für Wirtschaft, Touristik, Verkehrsplanung und ÖPNV des Lüneburger Kreistages bewilligte. Die Summe fließt aus dem Strukturentwicklungsfonds des Kreises, Sparte Denkmalschutz. „Die Windmühle hat eine herausragende Bedeutung für das Ortsbild des Fleckens Artlenburg und auch eine hohe touristische Bedeutung“, heißt es in der Begründung.

Weitere Mittel hat der Windmühlenverein bei der Samtgemeinde Scharnebeck (3000 Euro) und dem Flecken Artlenburg (2000 Euro) beantragt. Die restlichen 1000 Euro trägt der Verein selbst.

„Es war von Anfang an unser Ziel, dass der Schaden bis zum Erntedankfest behoben ist, damit wir das historische Kornmahlen vorführen können.“ – Rolf Twesten , Vorsitzender

Rolf Twesten kündigt für die kommende Woche den Probebetrieb nach der Sanierung an. „Wer die Flügel der Windmühle sehen will, wie sie sich wieder im Wind drehen, sollte dann die Augen aufhalten.“ Wer den Moment verpasst, hat eine weitere Chance am Erntedanksonntag, 6. Oktober, wenn das Mühlenfest steigt und sich die Flügel des Galerieholländers erneut drehen werden. „Es war von Anfang an unser Ziel, dass der Schaden bis zum Erntedankfest behoben ist, damit wir das historische Kornmahlen vorführen können“, erklärt er. Das dafür benötigte Getreide wurde bereits gedroschen und wartet auf die Verarbeitung – und auf das Ende der Blockade im Mühlenantrieb.

Von Stefan Bohlmann