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Diese gestellte Szene zeigt, wie es auf so manchem Festival zugeht. Häufig türmen sich dort leere Bierdosen neben Plastikbechern und Konserven. (Foto: t&w)

Dosenbier, Beats und Plastikbecher

Eldena/Lüneburg. Alljährlich an einem September-Wochenende treffen moderne Festivalkultur und urtümliche Stammestreffen der Indianer aufeinander: Damals wie heute reisen die Festivalbesucher aus entlegenen Gegenden an, um an den rituellen Versammlungen in Eldena, einer Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern, teilzunehmen. An musikalischen Klängen ist dort alles vertreten: Das Festival „Indian Spirit“ bildet quasi den Abschluss der bundesweiten Open-Air-Saison. Der ganze Flair unter freiem Spätsommerhimmel steht Besuchern ganze fünf Tage zur Verfügung.

Pfandsystem für Grill-Ausrüstungen

Doch während Musiker wie „Ranjii“ und „Vini Vici“ die Erde beben lassen, öffnet auf dem Platz jemand seine nächste Dose Bier und ein anderer kocht sich eine Konserve auf dem Campingkocher. „Nach fünf Tagen kommt schon einiges an Müll zusammen. Das Problem gibt es leider auf jedem Festival. Um Plastikbecher und Co. zu vermeiden, versuchen viele Veranstalter bereits Maßnahmen zu treffen“, erzählt die Lüneburgerin Chadija Rhenisch, die das Festival besucht hat. „Wenn am Sonntag die Besucher abreisen, dann bleibt nämlich oft ein großes Chaos zurück. Teilweise lassen Besucher ganze Wohnzimmereinrichtungen und Zelte zurück, welche anschließend von den Helfern weggeräumt werden müssen.“

Doch wie kann ein Festival nachhaltiger werden? Mit dieser Frage haben sich Studenten der Lüneburger Universität jetzt ein Semester lang beschäftigt und dabei Ideen zum Umweltschutz, aber auch zur Digitalisierung und zur Inklusion entwickelt. Anlass: das 30-jährige Bestehen von „Wacken“, eines der größten Metal-Festivals der Welt.

Nachhaltiges und modernes Wacken

Der Lehrbeauftragte Manouchehr Shamsrizi ist politischer Philosoph und Fan von Metalmusik. Bereits acht Mal war er in Wacken und hat erlebt, wie das Festival mit den Jahren wuchs – und damit auch der Müll. In seinem Seminar „Wacken zwischen Wahn und Wissenschaft“ entwickelte er gemeinsam mit rund 40 Studenten Ideen für ein nachhaltiges und modernes Wacken. „Eine Studentengruppe plante beispielsweise ein Pfandsystem für Grill-Ausrüstungen, das Plastikbesteck und Einmal-Rost überflüssig macht“, sagt Shamsrizi. Thematisiert wurden aber auch die Regionalität der Produkte, Konzerte in virtueller Realität, bargeldloses Zahlen mit einer Art Wacken-Karte oder die Verbesserung von Rollstuhlwegen.

Teil des Seminars war eine Exkursion zum Festival-Gelände in Schleswig-Holstein, wo die Studenten mit den Wacken-Gründern Holger Hübner und Thomas Jensen ihre Ideen diskutierten. Manche Empfehlungen, wie zum Beispiel das bargeldlose Bezahlen, wurden inzwischen sogar umgesetzt. Leuphana-Studentin Maxine Frey hat in diesem Jahr schon erste Erfolge beobachten können: „Auf dem Festival-Gelände habe ich nur wenig Müll herumliegen sehen. Auch auf dem Campinggelände gab es im Vergleich zu anderen Festivals wenig Müll. Trotzdem waren einige Camps immer noch sehr verdreckt und zugemüllt.“

Erste Anregungen bereits umgesetzt

Viele Festivals versuchen inzwischen nachhaltiger zu werden. Lukas Dickhuth, er war in diesem Jahr beim „Indian Spirit“, erzählt, dass Besucher dort zum Beispiel volle Säcke mit Müll gegen 5 Euro eintauschen konnten. „Genau nach solchen Techniken und Strukturen müssen wir weitersuchen“, sagt der Lüneburger, dessen Freundin Julia Graf aber auch geschockt war, wie viel Müll trotz dieser Maßnahmen am Ende noch liegen blieb: „Es muss einfach noch mehr getan werden.“

Auch 2020 wird es das Musik-event wieder geben. „Ich würde mir nur bis dahin wünschen, dass mehr Leute den Müllpfand ernst nehmen und ihren Abfall am Ende des Festivals abgeben“, sagt auch Maxine Frey, die in diesem Jahr nicht nur das Wacken, sondern auch das Open Air in Eldena mitgenommen hat.

Von Malin Mennrich