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In diesem Teil der ehemaligen Kettenstrafanstalt haben Brandschutzprüfer Sicherheitsmängel festgestellt. In Absprache mit der Stadt will man schnell handeln. Hier liegen 36 Wohnungen. Foto: t&w

Ein Feuer könnte verheerende Folgen haben

Lüneburg. Die Mängelliste in Sachen Brandschutz im Haus der Herberge ist lang, alle Probleme zu beheben wird teuer. Michael Elsner, Geschäftsführer des Trägerve reins Lebensraum Diakonie, spricht von einer „erheblichen Anstrengung. Aber wir werden das wuppen“. Wie berichtet, haben Brandschutzprüfer des Landkreises das Gebäude Ende Juli angeschaut und festgestellt, dass quasi der linke Trakt des ehemaligen Zuchthauses Beim Benedikt, in dem sich 36 Wohnungen befindet, so schwere bautechnische Mängel aufweist, dass nun eine Brandsicherheitswache rund um die Uhr aufpassen muss.

Im Brandfall würden die Treppenräume verrauchen

Inzwischen liegt im Rathaus der schriftliche Prüfbericht vor. Auf Nachfrage sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck: „Die schwerwiegendsten Mängel des Hauptgebäudes können nur baulich behoben werden. Im Wesentlichen entsprechen weder der erste noch der zweite Rettungsweg den heutigen bauordnungsrechtlichen Anforderungen. Der nördliche Treppenraum ist brandschutztechnisch nicht abgeschlossen, der südliche Treppenraum nicht ausgeführt. Im Brandfall würden die Treppenräume verrauchen, sodass die Rettung der Bewohner des Gebäudes nicht hinreichend gewährleistet ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Fenster als zweiter Rettungsweg nicht die für Rettungswege benötigten Abmessungen aufweisen.“

Neben dem Bereich mit den eigenen Wohnungen haben die Experten weitere Mängel im Trakt benannt, in dem unter anderem Wohngemeinschaften zu Hause sind, und im sogenannten Hinterhaus, Betroffene sprechen von der „Baracke“. Suzanne Moenck: „Es bestehen zum Beispiel kleinere Schäden an Brand- und Rauchschutztüren oder Brandlasten in den Flucht- und Rettungswegen sowie längere Zeit nicht geprüfte elektrische Anlagen.“ Die seien aber „rasch und einfach zu beheben“. Laut Elsner wurde das zum Teil bereits in Angriff genommen.

Konzept für Sicherheit und Denkmalschutz

Zu den Problemen im Hauptgebäude erklärt der Geschäftsführer, dass es beim „südlichen, nicht ausgeführten Treppenraum“ darum gehe, dass das Treppenhaus nicht extra mit Brandschutzwänden und Türen abgetrennt ist. Die Fenster hätten das Manko, dass Feuerwehrleute über eine Drehleiter nicht von außen einsteigen könnten – zu schmal, wenn Kräfte unter Atemschutz und Helm vorgehen.

Mit einem Architekten und einem Brandschutzgutachter arbeite der Träger an einer Konzeption, die kommende Woche mit der Verwaltung abgestimmt werden solle. Zu beachten sei nicht nur die Sicherheit, sondern auch der Denkmalschutz. Eine Überlegung ist ein zusätzliches Treppenhaus, das gehe aber eben nicht neben dem Gebäude, sondern nur innerhalb. Ein Frage sei, ob Handwerker die Fenster überarbeiten können oder ob man sie austauschen müsse.

Fest steht bislang nur: Das wird teuer

Beim Flachbau hinter der alten Kettenstrafanstalt hat Elsner eine radikale Idee: Die Baracke könnte abgebrochen und durch einen Neubau ersetzen werden. Aber auch hier haben die Denkmalschützer ein Wort mitzureden. Da alles noch in Planungen ist, besteht auch noch keine Kostenschätzung, klar sei nur: „Es wird teuer.“

Dass die Stadt die Probleme nicht auf die leichte Schulter nimmt, zeigt sich unter anderem daran, dass Suzanne Moenck betont: „Die Brandschutzwache, die seit der Brandschau eingerichtet ist, wird so lange aufrechterhalten, bis die entscheidenden Dinge umgesetzt sein werden. Darauf achten wir.“

von Carlo Eggeling

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