Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Die App soll künftig den Weg weisen: Prof. Peter Pez von der Leuphana hat die Routen für Radler abgefahren, zusammen mit seinen Studenten möchte er zum Umstieg aufs Fahrrad motivieren. Foto: t&w

Preisverdächtig

Lüneburg. Es war ein langer, nicht immer einfacher Weg, den sie gegangen sind: Kulturgeographin Dr. Antje Seidel, Verkehrsexperte Prof. Dr. Peter Pez und rund 1 00 Studenten der Leuphana. Den Umstieg vom Auto aufs Rad einfacher zu machen, das ist ihr Ziel. Wie? Mit einer Navigations-App, die Radlern künftig die schönsten Fahrradstrecken fernab von Hauptverkehrsrouten, Stau und Abgasgeruch zeigt.

Projekt „Lüneburg Maps“ läuft seit zwei Jahren

Dafür haben sich die Wissenschaftler aufs Rad geschwungen, geforscht, notiert und kartiert. Ein Engagement, das die Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für preisverdächtig hält. Sie hat die Arbeiten als eines von insgesamt drei Projekten für den Sonderpreis Digitalisierung in der Kategorie „Forschung“ nominiert. „Durch einen umfassend barrierefreien Radverkehr mit dem Kernbestandteil der Schaffung digitaler Transparenz für Alternativrouten abseits der Hauptverkehrsstraßen leistet das Projekt […] einen großen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilitätskultur“, heißt es in der dazugehörigen Nominierungsbegründung. Der Nachhaltigkeitspreis ist die europaweit größte Auszeichnung für ökologisches und soziales Engagement und würdigt jährlich Spitzenleistungen der Nachhaltigkeit.

Vision barrierefreie „Radschönrouten“

Seit zwei Jahren beschäftigen sich die Lüneburger Wissenschaftler des Projekts „Lüneburgs Maps“ mit der Vision, barrierefreie „Radschönrouten“ zu digitalisieren und für Routing-Apps nutzbar zu machen. Die Arbeiten sind ein Teilprojekt der „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ und sollen dazu beitragen, die Stadt zukunftsfähiger und nachhaltiger aufzustellen. Grundlegend für die Erhebung und Digitalisierung der Daten waren die Erkenntnisse von Verkehrsexperte Prof. Dr. Peter Pez, der sich schon seit seiner Habilitation im Jahr 1997 mit Reisezeitexperimenten auseinandersetzt.

„Das Schwierigste war, das Analoge und Digitale zu verkoppeln“, sagt der Professor und erklärt, dass beispielsweise Strecken, die ein teilweises Durchfahrtsverbot beinhalten auch nicht als Radfahrstrecken bezeichnet werden dürften, wenn die gängige Praxis die Radnutzung längst nahe legt. Über die Preisnominierung freut er sich deshalb ganz besonders: „Das ist wie der Aufstieg in die Bundesliga – ach was, die Champions League. Die Krönung einer jahrzehntelangen Arbeit, das geht runter wie Sahne.“

Erkenntnisse werden der Stadt zur Verfügung gestellt

Auch Kulturgeographin Dr. Antje Seidel, die das Digitalisierungsprojekt leitet, zeigt sich begeistert: „Das kam sehr überraschend und ist eine tolle Wertschätzung unserer Arbeit.“ Sie selbst habe lange Zeit nicht geglaubt, „dass wir so weit kommen, alle Routen einzupflegen“. Denn die Masse der Daten sei enorm gewesen.

Doch die Arbeit der Wissenschaftlerin hat erst begonnen. Nun gehe es darum, das Projekt bekannt zu machen, damit jeder Lüneburger die Daten nutzen kann und schon bald die optimale Fahrradroute auf dem Handy angezeigt bekommt. Außerdem werden die Erkenntnisse der Stadt zur Verfügung gestellt, um infrastrukturelle Hindernisse abzubauen.

Ob die Lüneburger bald auch zu Preisträgern werden, entscheidet eine Fach-Jury bis zum 21. November.

Orientierung mit dem Handy

App startet im Oktober

Die schönsten Fahrradrouten der Region können ab 1. Oktober über die Navigations-App „Bike Citizens“ abgerufen werden. Alle Daten werden auch künftig bearbeitet und aktualisiert. Auch Nutzer können zu Machern werden und ihre Erkenntnisse zur Radwegenutzung selbst eintragen.

von Anke Dankers