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Ulla Bartels und Wilhelm Jäger vermieten Teile ihres Hauses an Touristen. Das großzügige Grundstück liegt sehr idyllisch am Schierbrunnenteich. (Foto: t&w)

Mit Liebe zum Detail

Lüneburg. Ulla Bartels (68) und Wilhelm Jäger (77) sitzen auf ihrem Balkon und blicken auf den Schwanenteich. So nennt das Ehepaar den Schierbrunnenteich, der direkt an ihren riesigen, gepflegten Garten anschließt. Es ist nachvollziehbar, warum Menschen hier Urlaub machen wollen. Das ganze Haus steht voller Bilder, die Bartels gemalt hat. Man sieht schnell: Hier geht es nicht nur um Funktionalität. Das Ehepaar zeigt Liebe zum Detail. „Es macht einfach Spaß, Lüneburg-Gäste mit unseren Wohnungen glücklich zu machen“, erzählt Bartels. Sie und ihr Mann kamen 2002 nach Lüneburg und suchten nach einem Grundstück. Bartels kommt ursprünglich aus der Region Uelzen, in Lüneburg fühlt sie sich heimisch.

Das große Grundstück an der Schützenstraße war einfach perfekt. Im Jahr 2003 fingen sie an zu bauen, um dann einen Teil des Hauses selbst zu beziehen und in dem anderen Teil die Tochter von Ulla Bartels und eine Freundin wohnen zu lassen. Mit Abschluss ihres Studiums wurden die zwei kleinen Wohnungen frei. „Fest zu vermieten, das kam nie infrage“, sagt Bartels. Doch zu der Zeit, im Jahr 2006, erzählt Wilhelm Jäger, habe Lüneburg nicht viele Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen zu bieten gehabt. „Da bot es sich an, die Wohnungen zu Ferienwohnungen umzufunktionieren.“

Touristen erzählen, wie schön sie Lüneburg finden

Gesagt, getan. „Ich glaube, es tut Lüneburg gut, dass hier viele Touristen sind. Ich freue mich immer, wenn die Gäste berichten, wie schön sie meine Stadt finden“, sagt Bartels. Jäger, der ursprünglich Schweizer ist, ergänzt: „Durch Individualtourismus, wie wir ihn durch den persönlichen Austausch fördern, wird ja auch ein Stück Kulturerbe bewahrt. Ich sage unseren Gästen gerne: Geht auch mal tiefer in die Altstadt, weg von touristischen Routen und schaut euch die künstlerischen Eingangstüren an. Das hat man sonst fast nirgendwo.“

Von dem Geld für die Zimmer gehen vier Prozent an die Stadt und ein weiterer Teil an die Internetseite, auf der die Wohnung angeboten wird. So kostet eine Nacht für zwei Personen 55 Euro. „Es geht mir nicht um finanziellen Profit“, erklärt Bartels, „denn dann hätten wir andere Preise“. Vielmehr sei es immer ihr Traum gewesen, im Hotelgewerbe zu arbeiten. Davon habe man ihr aber abgeraten. Ferienwohnungen anzubieten, darin sehe sie die Möglichkeit, ihre Leidenschaft doch noch auszuleben.

Manche Gäste blieben drei Tage, andere eine Woche. Aber auch für zwei Monate sei schon vermietet worden, etwa an Mitarbeiter der Serie „Rote Rosen“. Probleme habe es nie gegeben. Vielmehr freut sich Ulla Bartels, dass sie mit den netten Gästen auch mal abends im Garten sitzen kann.

Gefragt danach, wie sich das Bild der Touristenstadt mit dem Wohnraummangel und der neuen Zweckentfremdungssatzung verbinden lässt, kehrt Stille am Tisch ein. Vorgeworfen werden kann Ulla Bartels und Wilhelm Jäger nichts, ihre Ferienwohnungen sind genehmigt. Und sie sind nicht die einzigen, die niemals dauerhaft vermieten würden.

Ein Stück Verantwortung schwinge da schon mit, erzählen sie. Die Nachbarn nicht zu stören, die Touristen auf das Kulturerbe Lüneburgs hinzuweisen sowie auf die Naturschutzgebiete. In diesem Fall von zweckentfremdetem Wohnraum zu sprechen, sei wohl nicht angebracht, sind sich die beiden einig.

Von Natalia Leipholz