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Bislang arbeiten Lüneburger und Hamburger Polizei vor allem im Kampf gegen Einbrecher zusammen. (Foto: Adobe Stock)

Ein Bündnis gegen das Verbrechen

Lüneburg. In Lüneburg lebt es sich gut, auch für Kriminelle. Quasi als Pendler fahren sie zur „Arbeit“ nach Hamburg. Gleiches gilt auch andersherum: Einbrecherbanden beispielsweise aus Südosteuropa hausen irgendwo in der Millionenstadt und grasen bei Raubzügen das Umland ab. Die Polizei hat das lange auf dem Schirm, länderübergreifend arbeiten Hamburger und Niedersachsen in ihrem Kampf gegen das Verbrechen zusammen. Doch nun wollen Polizeipräsidenten Ralf Meyer aus Hamburg und Thomas Ring aus Lüneburg, in seiner Direktion liegen acht Landkreise im Nordosten Niedersachsens, diese Kooperation noch verstärken. Im Huldigungssaal des Rathauses unterschrieben die beiden Spitzenbeamten gestern eine fünfseitige Vereinbarung.

Polizei ist Ländersache, das Prinzip des Förderalismus ist einerseits eine gute Sache, andererseits führt es dazu, dass Polizisten nicht automatisch Zugriff auf die Datenbanken ihrer Kollegen in anderen Bundesländern besitzen.

Die Zusammenarbeit soll noch besser werden: Hamburgs Polizeipräsident Ralf Meyer (l.) und sein Lüneburger Kollege Thomas Ring unterzeichnen einen Kooperationsvertrag. (Foto: ca)
Das heißt für die Praxis, dass die Ermittler andere Wege gehen müssen. Das funktioniere ganz gut, waren sich Meyer und Ring einig. In Hamburg gibt es seit einiger Zeit die inzwischen sozusagen aufgewertete Dienststelle Castle: Spezialisten verfolgen Einbrecherbanden. In der Truppe agiert auch eine Verbindungsbeamtin aus Niedersachsen. Der Vorteil: Täglich gleichen die Polizisten entsprechende Lagebilder im Großraum ab, erkennen so mögliche Verbindungen reisender Täter. Meier bilanzierte den Erfolg seiner Leute: „Die Einbruchskriminalität in Hamburg hat sich halbiert.“

Er hatte den Praktiker André Kropat mitgebracht, einen der Einbruchsspezialisten des Hamburger Landeskriminalamtes: „Durch dieses Vorgehen können wir Brennpunkte ausmachen und schnell reagieren.“ Es gehe nicht darum, Kriminalität zu verdrängen – ein Satz der häufig in Polizeikreisen mit dem Tenor „Unser Druck vertreibt die Jungs“ zu hören ist –, sondern darum, Täter dingfest zumachen, damit sie eben nicht mehr zuschlagen können.

Auch gemeinsame Verkehrskontrollen geplant

Kropat sagt, man habe dabei auch auf eine enge Zusammenarbeit mit den Medien gesetzt, sie haben die Botschaft an die Bürger übermittelt: „Bei einem Verdacht rufen Sie sofort 110 an!“ Und das lieber einmal zu viel.

Ring betonte, die schon jetzt bestehende enge Zusammenarbeit, die wolle man ausbauen. Wenn man beispielsweise im Heidekreis unter dem Schlagwort Räderwerk konzertiert mit verschiedenen Behörden gegen Banden- und Clankriminalität vorgehe, dann stießen seine Fahnder immer wieder auf Bezüge in Richtung Hamburg getreu der Devise „Kriminalität kennt keine Grenzen“.

In den Fokus wollen die Polizisten neben Formen der organisierten Kriminalität überdies Terrorismusbekämpfung, gemeinsame Aus- und Fortbildung sowie Prävention nehmen. Auch Verkehr spielt eine Rolle: Gemeinsame Kontrollen etwa bei Abfall- und Gefahrguttransporten stehen auf der Liste. Dass der Güterverkehr ein bedeutender Aspekt ist, liegt auf der Hand: Über den Hamburger Hafen, den Wirtschaftsmotor der Region, laufen Abertausend Transporte.

Der Vertrag hat selbstverständlich Symbolcharakter, dass ist den beiden Polizeipräsidenten bewusst. Sie wollen ein Signal an ihre Mitarbeiter und die Bevölkerung senden: „Diese Themen sind Chefsache.“

Und die muss noch mehr umfassen. Denn die Metropolregion Hamburg strahlt eben auch nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg aus – auch aus krimineller Sicht. Deshalb wollen die Spitzenpolizisten ihre Kollegen aus den Nachbarländern noch stärker in bestehende Zusammenarbeit einbinden. Lüneburg ist ein Anfang.

Von Carlo Eggeling