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Carsten Schenke ist gestorben. (Foto: privat/lp)

Tod eines Musikers

Lüneburg. Die Auswahl seiner Lieder war überschaubar, doch abends stand er regelmäßig auf der Bäckerstraße oder am Markt und sang den Hannes-Wader-Klassiker „Heute hier, morgen dort“. Ein Lied von der Sehnsucht des Ankommens und des Wissens, dass es nicht gelingt. Vielleicht beschrieb der melancholische Text auch ein wenig sein eigenes Leben, das Carsten da besang. Vergangene Woche ist der Straßenmusiker tot in einer Toilette der Volkshochschule aufgefunden worden.

Manche fanden, Carsten Schenke, so sein bürgerlicher Name, sei ein guter Musiker, andere waren dankbar, wenn er weiterzog. Wie auch immer, seit ein paar Jahren gehörte er mit seiner Gitarre zum Straßenbild.

Für seinen Tod waren Drogen verantwortlich. Es sei unklar, ob der „erfahrene Konsument“ schlechten Stoff erwischt oder sich eine Überdosis gesetzt habe, munkelt man in der Szene. Eine gewisse Tragik liegt, wenn man so will, auch darin, dass er immer wieder die Zeilen Juliane Werdings über Conny Kramer anstimmte, den Jungen, der von den Joints zu harten Drogen treibt, sie sind stärker als er. Es heißt dort: „Beim letzten Mal sagte er, nun kann ich den Himmel sehen. Ich schrie ihn an, oh komm zurück! Er konnte es nicht mehr verstehen.“
Carsten wurde 33 Jahre alt.

Von Carlo Eggeling