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Theater Lüneburg
Wie viel Geld gibt es künftig für das Lüneburger Theater vom Staat? (Foto: t&w)

Mogelpackung für Theater?

Lüneburg. Wie sehr der schöne Schein doch trügt, davon handeln ungezählte Theaterstücke. Beim Thema „Finanzierung der Theater in Niedersachsen“ spielt sich seit Jahren so ein Drama ab. Sie handelt von einer Mogelpackung. Diese wird am 24. September bei einer öffentlichen Anhörung im Niedersächsischen Landtag ausgepackt.

Betroffen sind neben der freien Szene die kommunalen Theater in Niedersachsen, nicht die drei Staatstheater in Hannover, Braunschweig und Oldenburg. Die vom Land teilfinanzierten Bühnen wie die Lüneburger, die zu rund 50 Prozent von Stadt und Kreis getragen wird, ringen mit dem Land um Etats, die ihnen das Überleben ermöglichen – ohne erheblichen künstlerischen Substanzverlust. Von einem insgesamt neun Millionen Euro umfassenden Bedarf, den die Theater zwischen Göttingen, Osnabrück und Lüneburg jährlich brauchen, wurden zwar drei Millionen „verstetigt“, wie es im Bürokratendeutsch heißt. Der Deibel aber steckt im Detail, bei den Tarifsteigerungen. Sie sind es, die den Theatern die Luft abschnüren. Volker Degen-Feldmann, mit Hajo Fouquet Geschäftsführer des Theaters Lüneburg, macht eine Rechnung auf. Derzufolge stellt das Land nach dem aktuellen Stand insgesamt 375 000 Euro für alle Theater zur Verfügung, um Tarifsteigerungen auszugleichen. Das entspreche anteilig 40 Prozent bei zwei Prozent Tariferhöhung. Die tatsächliche Tariferhöhung 2019 betrage aber 3,5 bis vier Prozent. Umgerechnet für Lüneburg würde 2019 das Land 53 000 von 230 000 Euro Mehrkosten erstatten.

Theater Lüneburg befürchtet Millionenloch

Seinen Anteil zu steigenden Tarifzahlungen will das Land nach jetziger Lage ab 2021 einfrieren. Dies wäre laut Degen-Feldmann fatal und würde dazu führen, dass die gerade „verstetigten“ drei Millionen Euro für die kommunalen Bühnen schnell aufgebraucht wären und zwar ausschließlich für Tarifsteigerungen. Am Ende einer fünfjährigen Vertragslaufzeit hätte das Theater Lüneburg, so Degen-Feldmann, weniger Mittel zur Verfügung als bei der bisherigen Regelung. Die führt laut mittelfristiger Finanzplanung geradewegs in ein Millionenloch.

Bei der Anhörung im Landtag sprechen und diskutieren Experten der bundesdeutschen Theaterszene: Hasko Weber, Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein und Generalintendant des Nationaltheaters Weimar, sodann Harald Wolff, Vorsitzender der Dramaturgischen Gesellschaft und Chefdramaturg am Stadttheater Gießen. Laura Kiehne, Vorstandsmitglied und Pressereferentin des ensemble-netzwerks kommt zu Wort und Ulrike Seybold vom Landesverband Freie Theater in Niedersachsen. Sie vertritt das Aktionsteam #rettedeintheater und das Aktionsbündnis der Niedersächsischen Theaterschaffenden. Die Theater bekommen Unterstützung aus der Politik. Unbenommen von der Forderung an das Land, die Finanzierungslücke zu schließen, bringt die SPD-Fraktion im Kreistag Lüneburg einen Antrag ein, der für Planungssicherheit der Lüneburger Bühne sorgen soll.

Kreis soll sich stärker einbringen

Wie berichtet, fordern die Fraktionsvorsitzenden Franz-Josef Kamp und Andrea Schröder-Ehlers ein stärkeres Engagement der kommunalen Träger. Da die Stadt Lüneburg durch den Entschuldungsvertrag mit dem Land keinen Spielraum hat, soll der Kreis sich stärker einbringen, lautet die SPD-Forderung. Das ließe sich über den neu zu verhandelnden Lüneburg-Vertrag berwerkstelligen, der alle von Stadt und Kreis gemeinsam zu meisternden Aufgaben regelt.

Der Landkreis hat in diesem Jahre bereits eine Sonderzahlung von 250 000 Euro zur Deckung des aufgestauten Defizites geleistet. Passiert weiterhin nichts, türmt sich das Defizit schnell in hohe sechsstellige Beträge und höher auf.

Von Hans-Martin Koch