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Früher hat Klara Meyer oft im landwirtschaftlichen Betrieb ihres Vaters ausgeholfen. (Foto: t&w)

Majestät mit klaren Zielen

Bardowick. Mit Wurzelgemüse kennt sich Klara Meyer aus: Früher hat sie sich ihr Taschengeld im Gemüsebaubetrieb ihres Vaters aufgebessert, in dem hauptsächlich Möhren angebaut werden. Nicht der einzige Grund, warum die 18-Jährige dachte, dass das Amt der Wurzelkönigin das Richtige für sie sei: „Das hat bei uns in der Familie fast Tradition. Meine Tante war Wurzelkönigin, meine Großtante damals sogar die allererste. Es war immer Laras und mein Traum, auch mal dabei zu sein“, sagt die Schülerin Klara Meyer.

Im März hatte sie sich gemeinsam mit ihrer „Schwipp-Cousine“ Lara, die Väter der Mädchen sind Cousins, um die Ämter der Wurzelkönigin und der Hofdame beworben, im Juli erfuhr sie, dass es geklappt hat. „Lara ist eine meiner besten Freundinnen, wir sind zusammen aufgewachsen, dass wir jetzt ein Jahr lang soviel zusammen erleben werden, ist einfach toll.“
Der erste Auftritt beim Erntedankfest in Bardowick sei schon sehr aufregend für das Duo gewesen, berichtet Klara Meyer. „Das war eine ganz neue Erfahrung, in dem Ausmaß im Mittelpunkt zu stehen. Man muss auch wirklich kommunikativ sein, es sind ganz viele fremde Leute auf uns zugekommen.“

Von der Zeit als Wurzelkönigin erhofft sich Klara Meyer, viele neue Leute und Orte kennenzulernen, sie liebt es zu reisen. „Mein liebstes Reiseziel bislang ist New York“, erzählt sie. Die Millionenmetropole erkundete sie einige Tage lang auf eigene Faust, während sie ein Austauschjahr in Illinois in Amerika verbrachte. „New York ist einfach so kunterbunt, man findet dort alle Kulturen“, schwärmt Klara Meyer von der Stadt.

Vorfreude darauf, Menschen kennenzulernen

Ein Jahr in Amerika zu verbringen, das hatte Klara Meyer sich eines Tages in den Kopf gesetzt, ihre Eltern seien zunächst nicht sonderlich begeistert von der Idee gewesen, berichtet sie. „Aber ich habe mich durchgesetzt“, erklärt sie stolz. Sie ist sich sicher, dass sie von den Erfahrungen, die sie in den Vereinigten Staaten gesammelt hat, ein Leben lang profitieren wird: „Ich bin in meiner Zeit dort viel selbstbewusster geworden, habe gelernt, auf mich alleine gestellt zu sein und Entscheidungen zu treffen – vor allem aber, für einen Traum zu kämpfen.“ Das ganze Jahr lang hat sie ihre Familie nicht gesehen, am Anfang habe sie Heimweh gehabt, „aber dann wollte ich gar nicht mehr weg“, erinnert sich Klara Meyer schmunzelnd.

„In unserem Dorf kenne ich jede Ecke“

Trotz ihrer Liebe zu New York, sie genießt das Landleben in Bardowick, kann sich gut vorstellen, auch nach ihrem Abitur in zwei Jahren dort wohnen zu bleiben.
„Jeder kennt sich, man trifft sich auf den Dorffeiern, weiß genau, wen man fragen kann, wenn man mal etwas braucht. Ich mag diese Gemeinschaft und die Hilfsbereitschaft.“
Im elterlichen Betrieb möchte sie allerdings nicht einsteigen, längst sortiert sie keine Wurzeln mehr, um sich ihre Reisen und andere Freizeitaktivitäten zu finanzieren, sondern kellnert zweimal in der Woche bei einem Italiener in Lüneburg.

„Meinen Brüdern liegt die Landwirtschaft mehr als mir“, betont Klara Meyer. Sie hat aber auch schon konkrete Pläne für ihre Zukunft: „Ich möchte in den gehobenen Dienst bei der Polizei. Seit meinem zweiwöchigen Praktikum dort bin ich mir ganz sicher, dass das der richtige Beruf für mich ist.“ Angst davor, dass ihr das Leben als Wurzelkönigin zu stressig werden könnte, hat Klara Meyer nicht. „Ich muss mich jetzt einfach noch besser organisieren, dann kriege ich das mit Schule und Job und Freunden schon alles unter einen Hut.“

Von Lea Schulze