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Zwiebelabfälle
Udo Hergenröder (l.) und Ulf Simon halten sich die Nase zu. Verständlich, denn der Gestank der Zwiebelreste ist unerträglich. (Foto: be)

Ein Gestank zum Heulen

Dumstorf. Die Dumstorfer haben die Nase voll. Ein ätzend beißender Zwiebelgestank liegt über dem kleinen Ort und nimmt Thomas Köppen und seinen Nachbarn im wahrsten Sinne des Wortes die Luft zum Atmen: „Wir wohnen auf dem Land und wissen, dass wir die eine oder andere Einschränkung hinnehmen müssen“, sagt der Familienvater – „aber was zu viel ist, ist zuviel!“

Woher der metallisch-stechende Geruch weht, ist kein Geheimnis: Von einem nahe gelegenen Acker, auf dem ein Landwirt aus Lemgrabe ziemlich große Mengen Zwiebelabfälle aus einem Zwiebelschälbetrieb aufbringt.

Zu Tausenden liegen die Zwiebeln dort – keine 500 Meter Luftlinie von Udo Hergenröders Anwesen entfernt: Wie Reizgas für Augen und Atemwege wirke der Gestank vom Acker. „Vor allem bei Westwind bekommen wir die volle Prise“, sagt Hergenröder. Im Sommer die Fenster aufmachen, um zu lüften, oder feiern im Garten mit Familie und Freunden – das alles werde da zur Qual.

Samtgemeinde Dahlenburg sieht sich nicht zuständig

Und was die Dumstorfer ganz besonders ärgert ist, dass diese Geruchsbelästigung in diesem Sommer nicht zum ersten Mal stattfindet. Seit mehr als drei Jahren werden ihren Worten zufolge die Zwiebelabfälle in gewaltigen Mengen auf den Feldern rund ums Dorf verteilt. Sie haben sich deshalb unter anderem hilfesuchend an das Ordnungsamt der Samtgemeinde Dahlenburg gewandt, doch das kann nicht viel machen: „Wir sind nicht zuständig“, sagt Samtgemeindebürgermeister Christoph Maltzan auf LZ-Anfrage. Er verweist stattdessen auf die Landwirtschaftskammer und die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Lüneburg.

Torben Manning von der Landwirtschaftskammer in Uelzen sagt: Bei den Zwiebelresten handele es sich nicht um Gülle, Gärreste oder Trockenkot, die entsprechend „guter fachlicher Praxis“ innerhalb weniger Stunden in den Boden eingearbeitet werden müssen. Bei den beanstandeten Zwiebeln handele es sich vielmehr um Erntereste, die – auf den Feldern ausgebracht – wieder Humus und Nährstoffe zurück in den Boden bringen würden. „Das ist doch eine prima Sache“, findet der Landwirtschaftsexperte. Und weil es sich bei den Zwiebeln um Pflanzenreste handelt, gebe es auch keine gesetzlichen Regeln, die den Landwirt dazu verpflichten würden, die Zweibeln in einer vorgegebenen Zeit unterzupflügen.

Nach dem Pflügen kam die nächste Ladung

Allerdings rät Manning: „Um die Geruchsbelästigung zu minimieren, könnte der Landwirt die Zwiebeln solange mit einer Plane abdecken, bis er die Reste in den Boden einarbeitet.“ Dass nicht jede angelieferte Fuhre sofort untergepflügt wird, dafür zeigt der Experte der Landwirtschaftskammer Verständnis: „Das macht keinen Sinn, da muss erst einmal eine gewisse Menge auf dem Feld zusammenkommen.“ Denn eine Gefahr gehe von den Zwiebelresten nicht aus.

Vor Ort informiert hat sich inzwischen auch der Landkreis – und anschließend das Gespräch mit dem Landwirt gesucht: „Er hat versprochen, die Zwiebeln zeitnah unterzupflügen“, berichtet Kreissprecherin Urte Modlich. Und das hat er am Mittwoch auch gemacht. Doch die Freude über frische Luft währte in Dumstorf offenbar nur kurz: Bereits kurze Zeit später fuhr er schon wieder zwei weitere Anhänger mit den übel riechenden Gemüseresten auf den Acker. „Jetzt stinkt es schon wieder“, klagte Udo Hergenröder am Abend. Immerhin: Die beiden letzten Fuhren wurden seinen Worten zufolge diesmal nicht nur abgekippt, sondern flächig aufgebracht. Das nährt bei den Anwohnern die Hoffnung, dass der Landwirt die Pflanzenreste mit der Egge schnell unter die Erde bringen will.

Von Klaus Reschke