Donnerstag , 24. Oktober 2019
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Bahnbrücke
Die Brücke gilt als „Tor“ nach Wendisch Evern. (Foto: je)

Historische Bahnbrücke wird saniert

Wendisch Evern. Wohl seit 1873 gibt es sie schon. Und viele Jahrzehnte ist die Ziegelstein-Bogenbrücke das erste, was Besucher vom Dorf Wendisch Evern gesehen haben. Die alte Brücke gehört zum Gesicht des Ortes. In den kommenden Wochen wird sie mit großem Aufwand saniert.

1874 wurde die Bahnstrecke Wittenberge-Buchholz eröffnet. Sie war ursprünglich als zusätzliche Bahnverbindung zwischen Berlin und Bremen gedacht. Nachdem aber kurz vor Ende des Krieges die Dömitzer Eisenbahnbrücke durch eine Fliegerbombe zerstört wurde, war die durchgehende Verbindung nach Berlin gekappt. Dömitz lag nun in der Sowjetischen Zone und so war an einen Wiederaufbau der Brücke nicht zu denken. 1947 mussten dann auf Befehl der „Sowjetischen Militäradministration“ die Bahnanlagen von Dömitz bis Wittenberge abgebaut werden, was damals in der Region um Lenzen zu einem wirtschaftlichen Niedergang führte. In Lenzen und im Dorf Polz erinnert lediglich noch der Straßenname „Am Bahndamm“ an die alte Bahnstrecke und in Dömitz gibt es zwar eine „Bahnhofstraße“, aber keinen Bahnhof.

Rußspuren zeugen von Dampfloks

Bis lange nach dem 2. Weltkrieg fuhren durch Wendisch Evern Dampfloks, deren schwarze Rußspuren immer noch an der alten Brücke über dem Gleis zu erkennen sind. Schüler fuhren mit dem Zug zur Schule und Pendler zur Arbeit. Bis in die 70er-Jahre ging aller Verkehr ins Dorf über die Lüneburger Straße, die mit einem scharfen Knick über die alte, für Pferdefuhrwerke geplante Brücke führte. Auch der gesamte Militärverkehr mit schweren Fahrzeugen und Panzern zum Übungsplatz am Timeloberg hat die Brücke genutzt. Dabei ist es mehrfach zu schweren Unfällen gekommen. Seit Jahren ist die Gemeinde Wendisch Evern für die Brücke verantwortlich. Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass es im Bereich der Brüstungen Undichtigkeiten gibt. Wasser dringt dort in den Brückenkörper ein, was sich an Ausblühungen unter dem Brückenbogen zeigt. Das könnte nach und nach zu Schäden führen. Die Tragfähigkeit der alten Brücke ist jedoch nicht gefährdet.

So wurde nun entschieden, die Brücke zu sanieren und die für heutige Sicherheitsansprüche zu niedrige, gemauerte Brüstung durch ein höheres Geländer zu ersetzen. Etwa zwei Monate wird die Brücke für Fahrzeuge nicht benutzbar sein, sodass die Bushaltestellen Lüneburger Straße verlegt werden mussten. Schulkinder von nördlich der Bahn müssen Umwege in Kauf nehmen. An den Wochenenden, wenn nicht gearbeitet wird, soll für Fußgänger und Radler ein Durchgang geschaffen werden.

Von Jürgen Leupold