Aktuell
Home | Lokales | Fertig ist die Laube – noch nicht
Diese und eine weitere Gewindestange gehen durch die Gerichtslaube, um den Raum während der Bauphase zu stabilisieren. (Foto: t&w)

Fertig ist die Laube – noch nicht

Lüneburg. Der Gerichtslaubenflügel gehört zu den ältesten und wertvollsten Teilen des Lüneburger Rathauses. Entstanden zu Anfang des 14. Jahrhunderts, tagte im ersten Obergeschoss in der Gerichtslaube – auch Ratsdörnse genannt – einst der Rat. Das farbig gefasste Holzgewölbe sowie die Wand- und Glasmalereien machen den Raum zu einem Schatzkästchen, das es für die Zukunft zu bewahren gilt. Dazu laufen derzeit aufwändige Sanierungsarbeiten, bei denen Handwerker der Gerichtslaube aufs Dach steigen.

Weit mehr als 500 Jahre sorgten vier sichtbare, in Höhe des Holzgewölbes angebrachte Zerrbalken dafür, dass das Dach stabilisiert wurde. Obwohl das mittelalterliche Dach 1798 umfassend umgebaut wurde, blieben die Balken vorerst noch erhalten. Doch Fäulnis setzte ihnen zu, so dass sie 1839 ihre stabilisierende Funktion verloren. „Dach und Holztonne drückten auf die Außenwände. Die Folge: Sie verschoben sich gute 20 Zentimeter nach außen. Selbst die gemauerten Tonnengewölbe im Erdgeschoss gaben nach und verformten sich bedrohlich“, berichtet Frieder Küpker, Projektleiter der Gebäudewirtschaft. Beherzten Zimmerern sei es zu verdanken gewesen, dass die Gerichtslaube nicht eingestürzt sei. Eilig wurde die östliche Außenwand mit Holzbalken abgestrebt und Eichenbalken als Notsicherung in die Tonnengewölbe im Erdgeschoss eingebaut. 1880 wurden die vier Balken schließlich ausgebaut.

Knapp 140 Jahre sorgten die Sicherungsmaßnahmen dafür, dass es mit der Gerichtslaube sozusagen nicht abwärts ging. Doch weiter zunehmende Risse in dem Tonnengewölbe im Erdgeschoss zeigten den Verantwortlichen für die Rathaussanierung, dass etwas Grundlegendes für die Standsicherheit der Gerichtslaube passieren muss. Wie berichtet, wird das historische Rathaus, das zu den schönsten und wertvollsten in Norddeutschland gehört, schrittweise im Rahmen eines Masterplans saniert.

Die Suche nach der optimalen Lösung

Erwogen wurden mehrere Möglichkeiten, um die Standsicherheit für den Flügel auch künftig zu gewährleisten. „Man hätte zum Beispiel wieder die durchlaufenden Balken unter das Tonnengewölbe der Gerichtslaube einbauen können. Optisch wäre das allerdings keine gute Lösung gewesen, denn es hätte auch die einzigartigen Glasmalereien und die Holztonne in Teilen verdeckt“, sagt Küpker. Die Außenwände in Stahlträger zu zwängen oder ein umfangreicher Austausch des mittelalterlichen Mauerwerks waren keine Optionen, wurden von Denkmalschutz und Gebäudewirtschaft sofort verworfen.

Letztlich findet sich die beste Lösung nun auf dem Dach. „Die vier 1880 ausgebauten Balken werden in Zukunft durch vier Holzfachwerkbinder ersetzt, die bereits behutsam in das historische Dachtragwerk eingefügt wurden. Als ‚Spange‘ halten diese die Mauern zusammen. Dort wird ein Fachwerkträger aus Holz installiert, der dafür sorgt, dass die Außenwände nicht weiter nach außen drücken“, erläutert Küpker. Im Erdgeschoss soll die Notsicherung ausgebaut werden, da sie selbst zu weiteren Rissbildungen in den Gewölben beigetragen hat. Zur Stabilisierung werden unter die historischen Tonnen vier Mauerwerksrippen eingebaut. „Eine Besonderheit ist, dass die vorhandenen Risse in den historischen Gipsfugen zuvor mit einem Injektionsmörtel ebenfalls aus Gips geschlossen werden. Da hier kaum Erfahrungen vorliegen, hat die Gebäudewirtschaft das Material an einem extra dafür hergestellten Gewölbebogen mit Erfolg erprobt. Außerdem werden derzeit Spezialmischungen erprobt, um die Risse mit verträglichem Material für viele Jahre zu verschließen“, erklärt Küpker.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 1,3 Millionen Euro. Zirka 90 Prozent der Mittel konnten aus Fördermitteln des Bundesprogrammes „Nationale Projekte des Städtebaus“ eingeworben werden. Aus diesem Topf werden ausschließlich Projekte von nationaler Bedeutung gefördert.

Raum für Ausstellungen

Wenn die Sanierung abgeschlossen ist, sollen die Räume im Erdgeschoss des Gerichtsflügels für stadt- und rathausgeschichtliche Ausstellungen, kleinere Veranstaltungen sowie Lesungen und Vorträge genutzt werden. Geplant ist auch, dass Rathausbesucher in einem Raum mittels moderner Medientechnik und Filmen viel über die Geschichte der Stadt erfahren. Die Gerichtslaube mit ihrer prachtvollen Ausstattung, zu der auch spätgotische Schränke und das Ratsgestühl von 1593/94 gehören, wird auch weiterhin Teil der Ratsführungen sein.

Von Antje Schäfer