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Das DB-Reisenzentrum wird Ende 2022 schließen, aber Stadt und Metronom wollen, dass weiterhin alle Tickets gekauft werden können - bei gleichwertigem Service. (Foto: be)

„Wir werden noch etwas drauflegen“

Lüneburg. Die Bahn ist ein wichtiger Baustein in den Klimaschutz-Plänen der Regierung. Milliarden sollen in die Infrastruktur fließen und die Attraktivität der Schiene erhöhen. In Lüneburg gilt Bahn fahren aber nicht immer als „sexy“. Verspätungen, kurzfristige Änderungen der Taktung und Zugausfälle sind nicht Ausnahme, sondern eher Regel. Und dann wird auch noch das DB-Reisezentrum geschlossen.

Wann wird das DB-Reisezentrum geschlossen?
Ende 2022 ist Schluss. Das hat Egbert Meyer-Lovis, Pressesprecher der Bahn und Leiter Regionalbüro Hamburg, bestätigt. Daran ändert auch die kürzliche Auszeichnung der Lüneburger zum Reisezentrum des Jahres nichts. Denn Metronom beabsichtige ab Dezember 2022, die Nahverkehrstickets selbst oder per Agentur zu verkaufen.

Warum schließt die Bahn das Servicecenter?
Die Kurzversion: Es lohnt sich ab Ende 2022 nicht mehr. Da die Metronom-Eisenbahngesellschaft im Dezember 2010 den Zuschlag für den Betrieb des „Hanse-Netzes“ zwischen Göttingen und Hamburg erhalten hatte, ist sie dazu verpflichtet, auch den Fahrkartenverkauf für den Nahverkehr zu übernehmen. Metronom hatte bisher stets die Deutsche Bahn damit beauftragt. Doch über 2022 hinaus soll der Vertrag nicht verlängert werden. „Künftig wird der Fahrkarten-Verkauf über eine Metronom-Agentur organisiert“, sagte Me­tronom-Pressesprecher Björn Pamperin bereits im Januar. Der Deutschen Bahn bliebe dann nur der Verkauf von Fernverkehrs-Tickets. Doch das reiche nicht aus, betonte Meyer-Lovis: „Damit fehlt ein wesentlicher Teil der Einnahmen und somit kann DB Vertrieb eine Verkaufsstelle wirtschaftlich nicht betreiben.“

Drohen jetzt Zustände wie in Uelzen?
Auch in Uelzen wurde das DB-Reisezentrum geschlossen. Me­tronom ging mit dem Betreiber des DB-Service-Stores, dem Franchise-Unternehmen „Valora Retail“, eine Partnerschaft ein. In diesem Service-Store gibt es neben Snacks und Getränken auch Fahrkarten zu kaufen. Das sorgte für Ärger – laut der „Allgemeinen Zeitung“ in Uelzen hatten 250 Bürger vor dem Bahnhof gegen die Zustände demonstriert, da die Mitarbeiter nicht ausreichend geschult worden seien und technische Probleme den Fahrkartenverkauf unmöglich gemacht hätten. Björn Pamperin räumt heute ein, dass es in Uelzen „suboptimal“ gelaufen ist: „Diesen Fehler werden wir nicht wiederholen.“

Wie geht es weiter?
Die Bahn setzt auf Gespräche: „Wir sind im Dialog mit der Stadt Lüneburg. Und bezüglich des Fernverkehrsverkaufs wird es jetzt sicherlich auch Gespräche mit Metronom geben“, sagte Leyer-Lovis. Auch Björn Pamperin bestätigt Gespräche „mit allen Beteiligten“.

Was sagt die Stadt?
Verkehrsdezernent Markus Moßmann bestätigt Gespräche mit den Hauptakteuren, also DB, Metronom, der Landesnahverkehrsgesellschaft, der KVG und dem Landkreis. Ziel sei es, „alle Akteure für eine Mobilitätszentrale zu gewinnen. Sobald mit diesen Hauptakteuren die Rahmenbedingungen abgesteckt sind, werden wir auch die Verkehrsverbände und die Lüneburg Marketing mit ins Boot holen“.

Wie soll eine Mobilitätszentrale aussehen?
Bahnhof und Bahnhofsumfeld sollen an die künftigen Mobilitätsbedürfnisse angepasst werden. Stichworte sind zunehmende Zugpendlerzahlen, auch mehr Fahrgäste im ÖPNV und natürlich stetig steigende Radverkehrszahlen. Moßmann betont: „Ein Baustein der Überlegungen ist die Einrichtung einer Mobilitätszentrale ab 2022, in der alle Mobilitätsangebote an einer Stelle angeboten werden können.“ Der Verkehrsausschuss habe dazu einen Planungsauftrag erteilt.

Wie wird der Ticketverkauf ab Ende 2022 laufen?
Hier gibt es große Übereinstimmungen. „Wir verfolgen ganz klar das Ziel, dass auch in Zukunft alle Tickets – sowohl für den Nahverkehr als auch für den Fernverkehr – mindestens in der gleichen Service-Qualität angeboten werden, wie es aktuell der Fall ist“, sagte Moßmann. Metronom-Pressesprecher Pamperin sieht es genauso: „Es wird am Bahnhof nach wie vor alle Fahrkarten zu kaufen geben, inklusive Beratung.“ Doch nicht nur das: „Wir machen uns mit der Stadt daran, noch etwas draufzulegen.“ In jedem Fall werde es eine gute Lösung sein, „da bin ich mir sehr sicher.“

Von Werner Kolbe