Aktuell
Home | Lokales | Kein Weg in die Oberelbe
Fischtreppe
Die kleine Fischtreppe am Stauwehr wurde komplett verfüllt. So soll eine einsturzgefährdete Spundwand gesichert werden. Für Fische gibt es hier deshalb kein Durchkommen mehr. (Foto: tja)

Kein Weg in die Oberelbe

Rönne/Geesthacht. Das Stauwehr zwischen Rönne und Geesthacht entwickelt sich immer mehr zur Großbaustelle. Nachdem Anfang August ein Damm abgerutscht war und nur durch einen tagelangen Kraftakt der unkontrollierte Abfluss des Wassers aus der Oberelbe verhindert werden konnte, wurde Ende August eine in Schräglage geratene Spundwand entdeckt, die mittlerweile mit Hunderten Kubikmetern Sand notdürftig gesichert wurde. Doch die Bauarbeiten gehen weiter, und die an beiden Ufern befindlichen Fischaufstiegshilfen haben ihre Funktionen eingebüßt. Der großen Fischtreppe fehlt die im Zuge der Dammsicherung zugeschüttete Lockströmung, die kleine Fischtreppe musste gar komplett verfüllt werden.

Fische haben Probleme, das Stauwehr zu überwinden

„Diese Maßnahme war alternativlos, uns blieb keine andere Option“, erklärt Martin Gellner, der stellvertretende Leiter des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Lauenburg. Folge für die Elbfische: Sie erreichen ihre Laichgebiete nur noch eingeschränkt, weil sie nur noch mit Schwierigkeiten das Stauwehr überwinden können.

„Die Maßnahme war alternativlos, uns blieb keine andere Option.“ – Martin Gellner , Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lauenburg

Die Spundwand, die wahrscheinlich aufgrund zu hohen Bodendrucks 40 Zentimeter aus der Flucht geraten war, fängt das Gelände an einem Stützpfeiler ab. Die Stahlwand war eingebaut worden, um die 1998 in Betrieb genommene kleine Fischtreppe am Südufer der Elbe bauen zu können. Doch da, wo sonst vor allem kleine Fische gegen den Strom schwimmen konnten, liegen jetzt tonnenweise Sand und Kies, mit Sand gefüllte große Bigbags stabilisieren die Spundwand und blockieren den Zulauf von der Oberelbe aus. Gellner: „Die Aufschüttung wurde erforderlich, weil die Spundwand anscheinend im Boden nicht genug Halt hatte. Das ist eine akute Sicherungsmaßnahme.“ Die Planungen einer Reparatur laufen laut Gellner aktuell in enger Abstimmung mit dem Neubauamt der Wasserstraßenverwaltung, die eine Sanierung des Stauwehrs plant. „Zur zeitlichen Schiene können wir derzeit noch nichts sagen“, so Gellner.

Derweil sind Arbeiter am nördlichen Ufer dabei, den im August gesicherten abgerutschten Damm winterfest zu machen. „Wir müssen zusehen, dass uns der Bereich bei Hochwasser nicht wegspült“, berichtet Gellner. Dazu sollen die circa 4000 Tonnen eingebauter Kies mit Vlies abgedeckt und mit Wasserbausteinen belegt werden. Das Stauwehr befindet sich direkt am Scharnier der Elbe, die hier sowohl Sturmfluten von der Nordsee wie Hochwasser von oben ausgesetzt ist.

Europas größte Fischtreppe seit 2010 in Betrieb

Weil für die kleine Aufstiegshilfe keine nennenswerte Funktion nachgewiesen werden konnte, baute der Energiekonzern Vattenfall als ökologische Ausgleichsmaßnahme für das Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg am Nordufer des Stauwehrs Europas größte Fischtreppe. Sie wurde 2010 in Betrieb genommen. Nach Einschätzung von Experten dürften die Wasserrinnen für die Lockströmung den Damm unterspült und zu dem massiven Schaden geführt haben.

Die eigentliche Sanierung des Stauwehrs ist ab 2021 geplant. Das WSA plant unter anderem neue Tore für die 50 Meter breiten Wehrfelder. Die Baukosten werden auf etwa 167 Millionen Euro geschätzt und eine Bauzeit von 16 Jahren angenommen.

Von Timo Jann