Donnerstag , 21. November 2019
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Elisa Bracht
Elisa Bracht (hintere Reihe, Mitte) geht einmal wöchentlich mit freiwilligen Helfern durch die Dörfer Lomboks, um Müll zu sammeln. (Foto: privat)

Im Kampf gegen Plastik

Lüneburg/Lombok. Die Morgensonne prallt auf den Indischen Ozean, der die Insel Lombok umgibt. Die Wellen plätschern ruhig auf den weitläufigen weißen Sandstrand der Region Kuta. Doch da ist etwas, das das idyllische Bild von unangetasteter Natur stört. Plastikstrohhalme, alte Flip Flops, Shampooflaschen. Plastik in allen Farben und Formen säumt die Küste. „Es gibt hier keine Mülltrennung wie wir sie in Deutschland kennen“, sagt Naeema Kamran (26), ehemalige Leuphana-Studentin und inzwischen, mit ihren sechs Besuchen, Stammgast eines besonderen Gästehauses.

Es ist ein Ort zum Entspannen und das soll er auch bleiben. Doch etwas ist anders im Batu Bambu Gästehaus: „Dass Elisa sich hier so selbstlos für die Einheimischen einsetzt, ist beeindruckend“, schwärmt Naeema, während ihre Gedanken immer wieder zurück auf die Insel Lombok schwenken. Elisa Bracht hatte von Beginn an eine Vision: auf keinen Fall durch den Tourismus das Leben der Einheimischen beeinträchtigen, so wie es andere in Indonesien machen, wenn zum Beispiel für den Bau eines neuen Hotels Siedlungen geräumt werden müssen. Nein, ganz im Gegenteil: Tourismus geht auch nachhaltig, im Einklang mit dem Leben vor Ort.

Schon für ihre Bachelor-Arbeit war sie sechs Monate vor Ort und hat Einheimische gefragt, was sie wollen und hat festgestellt: Sie sind dem Tourismus gegenüber aufgeschlossen. Von Beginn an fließt ein Teil der Einnahmen in die Batu Bambu Kids Foundation und damit in die Schulbildung der Kinder von Lombok.

Die Familien vor Ort kennen Elisa und ihre Ideen. Auch die eines Lernhauses und Recyclingzentrums. Doch wie bringt man eine Insel, die sich bisher eher wenig mit Umweltschutz auseinandersetzt, zum Umdenken? Keine einfache Aufgabe! Doch die Kulturwissenschaftlerin gibt anscheinend nie auf. 2013 brennt ihre Lüneburger Wohnung aus, davor macht sie eine belastende Krankheitsgeschichte durch. Trotzdem, oder gerade deswegen, wandert sie aus. Jetzt, sechs Jahre später, ist ihr Gästehaus eigentlich immer ausgebucht. Und ihre Ideen brodeln weiter. „Wir brauchen dringend ein eigenes Zuhause. Nur so können wir den Kindern die Möglichkeit geben, fünf Tage in der Woche am Nachmittag zu uns zu kommen“, schreibt die 28-Jährige auf gofundme.com, einer Crowdfunding-Plattform.

Müllsammeln wird zu einem spielerischen Wettstreit

Und in den nächsten Wochen können sie dank der Spenden endlich anfangen, das Lernhaus zu bauen. Dort werden Aktivitäten wie Englisch- und Musikunterricht, Workshops und Umweltschutzprojekte stattfinden. Unter dem gleichen Dach wird auch das Plastik-Recycling-Zentrum Platz finden. Die Dorfbewohner können dort ihr Plastik entsorgen, das wieder aufbereitet wird. Als Gegenleistung bekommen die Einheimischen zum Beispiel Reis. Aus den bunten Plastikkugeln werden dann Schüsseln oder auch Fliesen gefertigt.

Aber was passiert nun mit dem ganzen Müll? Beim sogenannten Village Clean Up (Dorfreinigung) geht Elisa mit den Kindern und Besuchern ihres Gästehauses einmal in der Woche mit wiederverwertbaren Säcken Plastik sammeln. Das sorgt nicht nur für eine schönere Umwelt, sondern auch für ein Bewusstseinswandel. Wer wird am Ende die vollste Tüte haben? Die Kinder haben viel Spaß während der Aktion und freuen sich riesig, dass am Ende des Tages Schwimmunterricht im Gästehaus stattfindet. Denn viele Kinder in der Region können, trotz des sie umgebenden Meeres, gar nicht richtig schwimmen.

Das Leben, das Elisa in Lombok lebt, ist ein anderes als hier in Deutschland. Was hier Sinn macht, tue das nicht unbedingt auch auf Lombok. Daher sei es auch nicht richtig, die deutsche Denke auf Lombok zu projizieren. Sie spricht von Lebensqualität, als sie erzählt, dass sie jeden Tag surfen geht, es nie richtig schlechtes Wetter gibt und immer eine gewisse Gelassenheit herrscht: „Denke ich an Deutschland, sehe ich schnell Leute vor mir, die sich mal wieder darüber aufregen, dass der Bus zu spät kommt.“ Lüneburg, die Uni mit ihren kreativen Menschen, vermisse sie aber schon. Gerade zu Beginn auf der Baustelle, erinnert sie sich. Nur zwei Mal hat sie Familie und Freunde in der Heimat besucht. Im Dezember kommt sie ein drittes Mal, vielleicht auch nach Lüneburg.

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Lombok liegt in Indonesien und gehört zu den Kleinen Sundainseln. Etwa 3,35 Millionen Menschen leben dort. Sasak ist neben Indonesisch die Hauptsprache auf der Insel. Die meisten Menschen gehören dem Islam an. Seit den 80er-Jahren kommen vermehrt Touristen auf die Insel, die aber lange noch nicht so überlaufen ist wie ihre Nachbarinsel Bali.

Von Natalia Leipholz