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Die Angeklagten sollen im Amazon-Lager in Winsen Handys und Tablets im Wert von rund 500¿000 Euro erbeutet haben. (Foto: A/t&w)

Trio verliert Diebesbeute und seine Einigkeit

Lüneburg. Im Prozess vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts gegen drei Mazedonier, die das Lager von Amazon in Winsen ausgeraubt haben sollen, erwies sich, dass Ganovenehre nicht weit trägt.

Am Tatort war sich das Trio laut Anklage noch einig gewesen: Immer wenn Wachmann Nazif A. als Schichtleiter außerhalb der normalen Bürozeiten Dienst hatte, habe er die Alarmanlage ausgeschaltet. Atmir I. und Adis A. stiegen im Februar und März dieses Jarhes mehrmals bei dem Onlineversandriesen ein, erbeuteten Handys und Tablets im Wert von rund 500 000 Euro. Die Beute verkauften sie an einen Hehler.

Vor einem Monat verständigten sich die Prozessbeteiligten auf einen Deal: Der Wachmann sollte zwischen 2,5 und 3,5 Jahre in Haft, die anderen beiden 3,5 Jahre. Doch hier zerbröckelte die Einigkeit des diebischen Trios. Atmir I. stimmte zu, sprach von nur geringer Beute, bezichtigte dafür Wachmann Nazif A., bei dem Coup völlig gleichberechtigt gewesen zu sein. Der schäumte, hat er doch laut Anklage von der Beute nur wenige Tausend Euro erhalten. Über seine Anwälte informierte er die Staatsanwaltschaft über ein Schließfach von Atmir I. bei der Commerzbank in Billstedt. Und die Polizei wurde fündig: In Schließfach Nummer 217 fanden sich 87 500 Euro Bargeld. Seiner Beute entledigt fühlte sich Atmir I. vom Oberstaatsanwalt unfair behandelt, will künftig in dem Prozess deshalb nichts mehr sagen, teilten seine Verteidiger mit.

Damit entfiel aber für die 1. große Strafkammer Kammer die Geschäftsgrundlage für den Deal. Denn der sah Aussagen der Angeklagten vor. Nach 45-minütiger Beratung teilte der Vorsitzende Richter Dr. Michael Herrmann mit, dass das Gericht sich an die Absprachen nicht mehr gebunden fühlt.

Nun sind Beute, Einigkeit und Vorabsprachen für die mutmaßlichen Amazon-Diebe futsch. Am Montag, 21. Oktober, wird sich beim nächsten Prozesstag abzeichnen, was auf sie zukommen könnte.

Von Joachim Zießler