Donnerstag , 24. Oktober 2019
Aktuell
Home | Lokales | Bohrschlamm im Schleudergang
Dr. Matthias Krause und Bernd Alvermann (r.) vor den Containern, in denen sich die Bohrspülungen befinden, die auf dem Manzke-Gelände in Vastorf aufbereitet werden. Foto: kre

Bohrschlamm im Schleudergang

Vastorf. Glasfaserkabel, Rohre und Leitungen unter die Erde verlegen, ohne dafür die Straße aufreißen zu müssen? Moderne Horizontalbohrtechik macht es möglich. Die Methode ist schnell, spart Kosten und Straßensperrungen sind in der Regel auch nicht notwendig. Klingt prima – und doch hat das Verfahren auch einen Nachteil: Denn bei dieser Methode kommt ein Bentonit/Wasser-Gemisch zum Einsatz – quasi als Stützschicht im Bohrkanal.

Noch bis vor wenigen Jahren durfte das Gemisch als Bodenverbesserer auf Ackerflächen aufgebracht werden. 2015 jedoch wurde die Verordnung geändert. Seitdem gilt die Emulsion als Abfall und muss aufwändig entsorgt werden. Eine entsprechende Aufbereitungsanlage hat nun die Firma Manzke auf ihrem Betriebsgelände in Vastorf in Betrieb genommen. Geschäftsführer Dr. Matthias Krause und Bernd Alvermann, technischer Verantwortlicher bei der Firma Kuhlmann Leitungsbau GmbH, stellten die Technik jetzt vor.

Vier Jahre dauerte das Genehmigungsverfahren

Fast vier Jahre habe die Realisierung der Anlage gedauert – von der ersten Idee über die Antrags- und Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) bis hin zum Aufstellen der Aufbereitungsanlage. Seit wenigen Wochen ist sie nun in Betrieb – und funktioniert dabei, bildlich gesprochen, wie eine gewaltige Waschmaschine. Denn das Herz der Anlage ist eine Zentrifuge, die das Bohrschlammgemisch quasi im Schleudergang in verschiedene Bestandteile trennt. „Am Ende des Vorgangs bleiben 85 Prozent Wasser sowie 15 Prozent Sand und Boden, davon ein bis zwei Prozent Bentonit über“, erklärt Dr. Krause. Insgesamt rund 800.000 Euro kostete die Anlage. Viel Geld, „aber die Investition lohnt sich“, sind sich Krause und Bernd Alvermann sicher. Denn nicht zuletzt aufgrund des Glasfaser-Ausbaus in den Kommunen fallen derzeit Unmengen Bohrschlamm an, die aufbereitet werden müssen.

Das passiert jetzt unter anderem auch in Vastorf: An der Anlage steht Mathias Herkt, der die Abläufe überwacht. „Die Bohrschlämme werden in Tanklastern angefahren und in Container gefüllt“, erklärt er. Doch bevor die flüssige Masse in die Zentrifuge gepumpt wird, werden Steine, Sande und andere Feststoffe ausgesiebt. Erst dann findet der Schleudergang in der Zentrifuge statt, der das Wasser vom Bentonit trennt. „Das so gereinigte Wasser bleibt aber nach wie vor Schmutzwasser und wird entsprechend in den Kanal zur Kläranlage nach Lüneburg geleitet.“

Der größte Einleiter aus der Samtgemeinde Ostheide

„Wir sind der größte Einleiter aus der Samtgemeinde Ostheide“, berichtet Krause. Um die Kläranlage in Lüneburg nicht zu überfordern, finde die Einleitung nicht am Tage, sondern in der Nacht statt. „Wir haben große Puffertanks und können das entsprechend steuern“, erklärt der Geschäftsführer.

Die Bohrschlämme, die in Vastorf aufgearbeitet werden, stammen aber nicht aus Fracking- oder Tiefbohrungen nach Bodenschätzen – darauf legen Krause und Bernd Alvermann größten Wert. Außerdem werde jede einzelne Bohrschlamm-Lieferung zunächst beprobt, bevor sie in die Zentrifuge gepumpt werde. Gleiches gelte für das Abwasser und die ausgefilterten Feststoffe – „auch die werden durch ein unabhängiges Labor zum Beispiel auf Schwermetalle, Sulfate, Chloride und Chlorkohlenwasserstoffe untersucht.“ Erst wenn das Labor die Unbedenklichkeit bescheinigt habe, dürfen das Wasser in die Kläranlage eingeleitet und die Feststoffe im Recycling, etwa im Straßen- und Wegebau, eingesetzt werden.

Von Klaus Reschke

Hintergrund

Vielseitiges Bentonit

Bentonit ist ein Sedimentgestein, das aus der Verwitterung vulkanischer Asche hervorgeht. Hauptbestandteil ist Montmorillonit aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Das erklärt die starke Wasseraufnahmefähigkeit. Weitere Begleitmineralien: Quarz, Glimmer, Feldspat, Pyrit, Calcit.

Eines der größten europäischen Bentonit-Vorkommen befindet sich auf der griechischen Insel Milos. In Deutschland finden sich abbauwürdige Vorkommen in Niederbayern (Mainburg, Landshut und südlich Landau an der Isar) und im östlichen Oberbayern sowie bei Thannhausen.

Der vermutlich bekannteste Einsatzzweck von Bentonit ist der als Katzenstreu. Aber auch in der Kosmetik, im Gartenbau sowie in der Alternativheilkunde kommt Bentonit zum Einsatz – sei es als Wasch- oder Tonerde in der Hautpflege oder als Nahrungsergänzungsmittel für den inneren Gebrauch.