Aktuell
Home | Lokales | So verlaufen die Blockaden in Berlin
Mona Feller ist zur Zeit mit "Extinction Rebellion" in Berlin unterwegs, um mit Aktionen des Zivilen Ungehorsams für eine andere Klimapolitik zu demonstrieren. (Foto: phs)

So verlaufen die Blockaden in Berlin

Lüneburg/Berlin. Es ist laut um Mona Feller, als die LZ sie erreicht. Die 20-jährige Studentin aus Lüneburg befindet sich mitten in ein er Blockade auf der Mühlendammbrücke in Berlin-Mitte. Seit Montagmorgen demonstrieren tausende Aktivisten in der Hauptstadt für den Klimaschutz und gegen das Artensterben. Verantwortlich für die Blockaden ist hauptsächlich die Organisation „Extinction Rebellion“ (XR), auf Deutsch etwa „Aufstand gegen das Aussterben“, der auch Feller angehört.

„Mit mir sind etwa 45 Männer und Frauen aus Lüneburg hier auf der Brücke“, sagt sie. Drei von ihnen hätten sich soeben mit Fahrradschlössern um den Hals zusammengekettet, entschlossen dort zu bleiben. Insgesamt schätzt Mona Feller die Zahl der beteiligten Lüneburger auf 60, darunter viele im Alter von 20 bis 30, aber auch Eltern mit ihren Kindern.

Umgang zwischen XR und Polizei meistens problemlos

„Wir hatten schon an vier Orten Blockaden“, sagt Feller. Die Demonstration an der Siegessäule hätten sie 48 Stunden lang aufrechterhalten können. Dann wurde der Platz von der Polizei geräumt. „Wir kooperieren mit der Polizei, sodass die Blockaden bisher sehr friedlich verlaufen konnten.“ Das bestätigt auch Polizeisprecherin Valeska Jakubowski aus Berlin: „Wir legen den Fokus ganz klar auf die Kommunikation.“ Der Polizei gehe es vor allem darum, Lösungen zu finden, die allen Beteiligten gerecht werden. „Aber natürlich müssen wir dafür sorgen, dass die Straßen frei werden und der Verkehr weiter fließen kann“, betont Jakubowski. Deshalb hätten sie in manchen Fällen bereits Aktivisten von den Straßen tragen müssen, die ihrem Platzverweis nicht gefolgt waren. Insgesamt sei der Umgang miteinander jedoch im Großen und Ganzen problemlos. Auch Feller betont, dass bisher nur an der Siegessäule Schmerzgriffe von Seiten der Polizei angewandt wurden.

Wie die Studentin bereits erwartet hatte, erntet sie für ihre Aktion viel Gegenwind: „In der Blockade ist die Stimmung gut, aber es gibt auch viele Kritiker“, erzählt sie. „Natürlich sind viele genervt, vor allem die direkt Betroffenen.“

VIZ: Lange Staus und Verzögerungen im Busverkehr

Auch hätte sie sich mit dem Vorwurf auseinander gesetzt, dass auch eine Blockade eine Art von Gewalt sei. „Wir von XR sehen uns aber gezwungen, diese Störung in Kauf zu nehmen. Diese Gewalt ist deutlich geringer, als die, die uns allen angetan wird, wenn im Klimaschutz nicht endlich etwas passiert.“

Außerdem findet sie, dass der Verkehr durch die Blockaden kaum beeinträchtigt werde: „Ich habe noch keine großen Staus gesehen, die Polizei sperrt die Bereiche großräumig ab.“
Die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) in Berlin kann das jedoch nicht bestätigen: „In Berlin-Mitte entstehen an vielen Stellen ziemlich lange Staus, die bis zu einer halben Stunde Zeit kosten können“, erklärt ein Sprecher. Auch der Busverkehr sei dementsprechend betroffen.

Positiv äußert sich indes Julia Verlinden, grüne Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Lüneburg, zu den Blockaden. Ihrer Meinung nach müsse man sich nicht wundern, dass sich Menschen für zivilen Ungehorsam entscheiden, wenn die Bundesregierung nicht angemessen auf den Klimawandel reagiere. „Ohne die Sitzblockaden gegen die Castortransporte im Wendland wären heute womöglich noch mehr gefährliche Atomkraftwerke in Betrieb“, vergleicht sie die Blockaden in Berlin mit Ereignissen aus der Region. Verlinden ist am Montag selbst für fünf Stunden in Berlin gewesen und hat die Sitzblockaden am Potsdamer Platz beobachtet. Dabei habe sie „äußerst besonnene und zugleich entschlossene Menschen erlebt, die ein Recht auf eine Zukunft fordern“.

Aktivisten wollen ganze Woche durchhalten

Bisher kann Mona Feller kaum einschätzen, ob ihr Protest Wirkung zeigt. Allerdings hat sie Zweifel, dass die Ziele von XR erreicht werden können. Extinction Rebellion stellt drei Forderungen an die Politik: Die Regierung soll den Klimanotstand ausrufen und sofort handeln, um das Artensterben zu stoppen. Außerdem will XR, dass eine Bürgerversammlung einberufen wird, die die nötigen Maßnahmen für den Klimaschutz erarbeitet.

„Ich befürchte, unser Protest wird nicht viel bewirken, außer, dass wir Aufmerksamkeit für das Thema bekommen“, bedauert die Studentin. Doch der Plan der Aktivisten sei es, die ganze Woche durchzuhalten: „Wenn eine Blockade fällt, bauen wir woanders eine auf.“

Von Lilly von Consbruch